EBS: Prominente Abgänge • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

EBS: Prominente Abgänge

Von am 30. Oktober 2014
EBS-Präsident Wolff © EBS

Erst am 1.April dieses Jahres hatte Olaf Güllich die Position des Kanzlers der finanziell schwer angeschlagenen EBS Universität für Wirtschaft und Recht übernommen. Nun soll er bereits wieder gehen. Auch Professor Nico B. Rottke, Gründer und langjähriger Leiter des Real Estate Management Institutes, wechselt zum 1.April zu EY Real Estate.

Die Informationspolitik ist der EBS ist – wie gewohnt – ein Desaster. Obwohl intern längst bekannt ist, dass der Kanzler Olaf Güllich geht, schweigt die Pressestelle auf Anfrage dazu ebenso wie EBS-Präsident Rolf Wolff und Güllich selbst.

In seiner Funktion als Kanzler war Olaf Güllich auch für die Bereiche Marketing und Recruitment & Admissions zuständig. Gerade Letzteres war nicht gerade von Erfolg gekrönt. So ist die Zahl der neuen Studenten weiter dramatisch gesunken. Das gilt vor allem beim Bachelor an der Business School und beim Jura-Studium. 2013 meldeten sich dann immerhin noch 214 Bachelor-Studenten an, dieses Jahr waren es nur noch 184. An der Law School haben sich sogar nur 64 Studenten eingeschrieben und damit ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Beim Executive MBA gab die Schule erst falsche und viel zu hohe Zahlen an. Wie viele Teilnehmer es jeweils in den beiden EMBA-Programmen gibt, verschweigt sie weiter hartnäckig – wohl aus gutem Grund.

Neben seinem Job als EBS-Kanzler war Güllich übrigens weiter als Geschäftsführer der Hamburger Beratung Arista Consulting tätig.

Mit Professor Nico B. Rottke verlässt auch der Gründer und langjährige Leiter des Real Estate Management Institutes die EBS. Er betreute die Themen „Immobilienfinanzierung und –ökonomie“ sowie „Strategie & Leadership“. Er geht auf eigenen Wunsch und wird künftig für EY Real Estate die Bereiche Real Estate Finance und Strategieberatung ausbauen. Rottke bleibt weiter als Professor in der Lehre an der EBS aktiv.

Von November 2012 bis Dezember 2013 war er zudem für das Fundraising verantwortlich und baute den Bereich neu auf. Gerüchte, dass es im Zusammenhang mit seiner Kündigung Provisionszahlungen aus Sponsorengeldern gab, weist er mit Nachdruck zurück.

Der Vorwurf, Provisionen aus Sponsorengeldern kassiert zu haben, erschüttert derzeit gerade die Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ravensburg ein offizielles Ermittlungsverfahren gegen den langjährigen Präsidenten Stephan Jansen eingeleitet. Jansen werde demnach des Betrugs verdächtigt, weil er Drittmittelgeber der privaten Universität am Bodensee nicht ausreichend darüber aufgeklärt haben soll, was mit ihrem Geld geschah, schreibt Spiegel online.

Der Vorgang an der ZU erinnert an das Geschäftsgebaren an der EBS unter der Ägide von EBS-Präsident Christopher Jahns, wo es zwischen Aktivitäten für die Hochschule und für private Unternehmen von Jahns nicht immer eine klare Abgrenzung ab.

Das soll nun nicht mehr der Fall sein. Professor Rottke habe in Teilen der Geschäftsjahre 2012 und 2013 zusätzlich zu seinen sonstigen Aufgaben die Funktion eines Vizepräsidenten an der EBS für den Bereich University Development übernommen, schreibt EBS-Präsident Rolf Wolff, der sein Amt im Oktober 2013 antrat. „Als Kompensation hierfür erhielt er von der früheren Geschäftsführung eine vertraglich fixierte und in der Höhe übliche Gehaltszulage.“ Woher das Geld kam, schreibt Wolff allerdings nicht.

Die Privatuni kann derzeit nur dank Bankkrediten überhaupt noch überleben. Zuletzt konnte die EBS nicht einmal mehr ihre Miete zahlen. Laut Hochschule betrugen die Verbindlichkeiten gegenüber Banken Ende 2013 6,8 Millionen Euro. Dazu kommt ein Darlehen beim Alumni-Verein in Höhe von 1,1 Millionen Euro.

Inzwischen soll EBS-Präsident Wolff die Verantwortung für das Fundraising selbst übernommen haben. Auf Transparenz wird dabei offenbar wieder weniger Wert gelegt. So gibt es auf der Website keine Informationen mehr, ab welcher Summe man als Sponsor in den President`s Club kommt und wie sich diese Sponsoren vom EBS Supporter´s Circle unterscheiden. Früher musste man dafür mindestens 100.000 Euro spenden. Heute stehen hier Unternehmen wie die Aareal Bank, die Deutsche Bank, Lufthansa, KPMG und die Robert Bosch GmbH.

Dass EBS-Präsident Rolf Wolff offenbar nicht gerade ein Fan von Transparenz ist, zeigt nicht nur die Informationspolitik der EBS, sondern auch seine Vergangenheit. Im Mai 2013 – bevor er zur EBS kam – musste er seinen Job als Präsident der Stockholm School of Economics aufgeben, weil die Schule um ihren Ruf fürchtete. Wolff hatte kurz nach seinem Amtsantritt den wegen Insiderhandels in Griechenland verurteilten Justin Jenk zum Dean für Executive Education ernannt. Wolff, der angeblich mit Jenk befreundet war, hat dabei – so zumindest berichtete die schwedische Presse – wohl von der Verurteilung gewusst, sie aber gegenüber dem Aufsichtsrat der Schule verschwiegen.

PS: Ein Leser machte mich darauf aufmerksam, dass die Bedingungen für den President`s Club doch (oder wieder?) auf der EBS-Website zu finden sind. Dafür funktioniert der Link zu der von mir mit einem Screenshot gespeicherten Website komischerweise nicht mehr.

Dass man es bei der EBS nicht so genau nimmt, zeigen die Namen der Unternehmen, die über der Namenliste der Sponsoren  laufen. Dort stehen unter anderem die Deutsche Post und PricewaterhouseCoopers, die längst nicht mehr zu den Sponsoren der EBS gehören oder sogar nie gehörten. Bei PwC war man schon 2013 verärgert, als man sich auf der Liste sah. Denn ausgegeben wurde das Geld für ein fünfjähriges gemeinsames Projekt und nicht für das Sponsoring der EBS.

Neu im President´s Club dazu gekommen sind als Sponsoren die IT-Beratung Ceterion GmbH, die seit 2013 mit dem Institut for Transformation in Business and Society (INIT) der EBS kooperiert, sowie die Dietmar Hopp Stiftung GmbH. Allerdings sind im Jahresabschluss 2012 „kurzfristige Darlehensverbindlichkeiten gegenüber der Dietmar-Hopp-Stiftung“ in Höhe von 1,2 Millionen Euro vermerkt.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. anonym

    31. Oktober 2014 at 12:04

    hallo Frau schwertreger,

    da haben sie wohl auf die schnelle die infos auf der EBS webweite übersehen. es wird immer noch ausgewiesen, wie sich presidents club (https://www.ebs.edu/partner/unternehmen-und-kanzleien/ebs-foerdercluster/ebs-presidents-club.html) und ebs supporter circle (https://www.ebs.edu/partner/unternehmen-und-kanzleien/ebs-foerdercluster/ebs-supporters-circle.html) unterscheiden, und man muss immer noch 100.000 euro aufbringen, um in den presidents club zu kommen (https://www.ebs.edu/partner/unternehmen-und-kanzleien/ebs-foerdercluster/ebs-presidents-club.html) .

    für das fundraising ist anscheinend der neue GF (Follmann) verantwortlich.

    hr gütlich war doch eigentlich nur als Berater an der EBS – folglich war sein Abgang absehbar. Das hr rottke dem ruf aus der Wirtschaft folgt, zeigt, dass die EBS Professorenschaft nicht nur in der Forschung gut aufgestellt ist, sondern auch für die Wirtschaft sehr interessant.

    • bs

      1. November 2014 at 9:49

      Hallo,

      vielen Dank. Das ist seltsam. Denn ich habe einen Screenshot von einer Seite, die jetzt plötzlich nicht mehr funktioniert, wo es nicht steht. Ich werde es ergänzen.

      Herr Güllich wurde aber von der EBS explizit als neuer Kanzler präsentiert. Insofern ist es doch verwunderlich, dass man seinen Abgang nun so hartnäckig verschweigt.

      viele Grüße

      Bärbel Schwertfeger

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