Corona-Krise: Studenten wollen Geld zurück

Von am 14. April 2020
Corona-Krise Shutterstock

Aufgrund der Corona-Krise müssen MBA-Studenten auf die Campus-Erfahrungen verzichten – immer mehr fordern daher einen Teil ihrer Studiengebühren zurück.

Die Studenten der zweijährigen Vollzeit-Programme an den amerikanischen Topschulen trifft die Corona-Krise am härtesten. Sie haben ihren Job aufgegeben und den strengen Auswahlprozess gemeistert, um mit dem MBA-Studium eine neue Karriere zu starten. Allein die Studiengebühren liegen dabei teils bei mehr als 150.000 Dollar und viele verschulden sich mit dem Studium massiv. Doch statt der erwünschten Campus-Erfahrungen müssen sie nun aufgrund der Corona-Krise mit improvisierten Online-Vorlesungen Vorlieb nehmen. Dabei haben viele inzwischen die USA verlassen und sind zurück in ihre Heimatländer gekehrt. Ob und wann sie wieder in die USA einreisen dürfen, steht in den Sternen.

Doch die Vorlesungen machen nur einen Teil des MBA-Studiums aus. Wer an einer Topschule studiert, der tut dies nicht nur, um sich neues Wissen anzueignen. Das Studium lebt vor allem vom intensiven persönlichen Austausch mit Professoren und Kommilitonen, von gemeinsamen Projekten, Studientrips ins Ausland, Vorträge von Topmanagern und Firmenpräsentationen auf dem Campus.

Inzwischen verlangen daher Studenten von immer mehr Business Schools Geld zurück. An der Stanford Graduate School of Business (Studiengebühren 150.000 Dollar) haben sie eine Petition auf change.org gestartet, die inzwischen fast 800 Studenten unterschrieben haben.

Darin loben sie zwar die schnelle Reaktion der Business School und die Umstellung auf virtuellen Unterricht, beklagen sich aber, dass die virtuellen Klassen dramatisch schlechter seien als die persönliche Erfahrung im Unterricht. Was sie erleben, entspreche eher dem, was sie bei den kostenlosen Stanford-Kursen (MOOCs) auf einigen Plattformen bekommen. Als Beispiel nennen sie Online-Kurse von Harvard, die 70 bis 94 Prozent günstiger seien als das dortige Vollzeitprogramm. Selbst in Stanford koste die Online-Variante des Executive Programms LEAD nur 15.000 Dollar, während für die Präsenz-Variante 75.000 Dollar verlangt werden – also 80 Prozent mehr.

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Daher fordere man einen 80-prozentigen Discount für das „Spring Quarter“. Erst Anfang April hatte die Universität bekannt gegeben, dass man nicht erwarte, diesen Sommer Präsenz-Programme auf dem Campus anbieten zu können.

Auch die MBA-Studenten der Wharton School (Studiengebühren 160.000 Dollar) haben eine Petition gestartet, die inzwischen knapp 1000 Studenten unterzeichnet haben. „Wir möchten den Dialog erst beginnen, wenn sich die aktuelle Gesundheitskrise stabilisiert hat“, heißt es dort. Denn Gesundheit stehe stets an erster Stelle. Man verstehe die Petition auch nicht als Forderung, sondern als Bitte um den Beginn eines Dialogs.

Am 13. April starteten auch die MBA-Studenten an der Harvard Business School eine Petition und forderten eine Ermäßigung der Studiengebühren, die innerhalb eines Tages mehr als 250 Studenten unterzeichneten. HBS-Dean Nitin Nohria hatte diese bisher abgelehnt.

Auch an anderen Schulen wie der Kellogg School of Management, der Yale School of Management, der NYU Stern School of Business und der UCLA Anderson School of Management gibt es ähnliche Forderungen nach einer Ermäßigung der Studiengebühren aufgrund der Corona-Krise.

Laut Financial Times ist inzwischen auch INSEAD davon betroffen. Man könne keine individuellen Bitten um Ermäßigungen kommentieren, erklärt INSEAD-Dean Ilian Mihov gegenüber der Finanzzeitung. Aber man sei flexibel, was die Fristen für die Zahlungen und die Zulassung angehe.

Dabei sind die Business Schools selbst in einer misslichen Lage. Ihre Kosten laufen weiter, die Einnahmen aus den lukrativen Kursen der Executive Education brechen weg und ihr am Kapitalmarkt angelegtes Stiftungsvermögen schmilzt dahin.

Martin Boehm, Dean an der IE Business School in Madrid, hat durchaus Verständnis für die Studenten. „Sie haben sich explizit für ein Präsenzstudium und gegen ein Online-Studium entschieden und nun müssen sie sich mit einem Online-Studium zufriedengeben“, sagt Boehm. Schließlich bietet die spanische Schule mit dem Global Online MBA auch einen Online-MBA an, der laut Ranking der Financial Times sogar zu den weltweit besten gehört. Zwar bescheinigten die Studenten der Schule, einen tollen Job zu machen, aber sie wollten eben etwas anderes und hätten auch dafür bezahlt. Auch an der spanischen Schule gibt es inzwischen eine Petition für einen Preisnachlass, die mittlerweile von mehr als 600 Studenten unterschrieben wurde. Dort kommen 95 Prozent der Studenten aus dem Ausland.

Anders sei es dagegen bei den Studenten, die ihr Studium erst im Herbst beginnen wollen, so Boehm. Sie wüssten, dass sie vielleicht noch mit einem Online-Studium beginnen müssen. An der Business School gehe man davon aus, dass man bis Sommer nur online unterrichten kann, bereite sich aber auch darauf vor, dass das noch bis Dezember so bleibt.

Entscheidend werden aber die langfristigen Folgen der Corona-Krise sein. „Wie lange werden wir Angst davor haben zu reisen oder ins Ausland zu gehen?“, fragt sich Boehm. „Sollte das auch 2021 noch andauern, dann werden Schulen, die wie wir extrem abhängig von internationalen Studenten sind, Probleme bekommen.“

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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