Corona-Krise: Harvard ermöglicht Verschiebung

Von am 3. Mai 2020
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Wer für den Herbst einen MBA-Studienplatz an der Harvard Business School bekommen hat, kann sein Studium verschieben.

Ob im Herbst wieder ein Präsenzstudium möglich ist oder die MBA-Studenten sich weiter mit Online-Unterricht begnügen müssen, ist derzeit nicht absehbar. Gerade für Studenten von zweijährigen Vollzeit-Programme an den amerikanischen Topschulen ist das ein Problem. Denn der Online-Unterricht macht nur einen Teil des MBA-Studiums aus. Das lebt vor allem vom intensiven persönlichen Austausch mit Professoren und Kommilitonen, von gemeinsamen Projekten, Studientrips ins Ausland, Vorträgen von Topmanagern und Firmenpräsentationen auf dem Campus.

Als erste und bis heute einzige Topschule bietet die Harvard Business Schools den zugelassenen MBA-Studenten an, ihren Studienbeginn zu verschieben. Von 15. Mai bis 1. Juni können sie eine Verschiebung auf 2021 oder sogar später beantragen.

“Wir sehen, dass sich die Welt signifikant verändert hat, seitdem Sie sich beworben haben“, heißt es in einer Email vom 24. April an die neuen Studenten. „Ihre Arbeits-, Gesundheits-, Visa- und Finanzsituation (oder die Ihrer Familien) hat sich in den letzten Monaten verschoben.“ Um mehr Flexibilität zu bieten, lasse man daher eine Verschiebung zu.

Allerdings könne es sein, dass man den Studienbeginn über die nächsten beiden Jahre verteilen müsse, auch um eine gute Klassenstruktur zu sichern. Wer also 2021 beginnen möchte, muss – wenn er Pech hat – bis 2022 warten. Dennoch hoffe man, dass sich die Mehrheit für einen Studienbeginn im Herbst entscheidet.

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Für die Studenten ist eine Entscheidung bis 1. Juni schwierig, da keiner weiß, wie lange es keinen Präsenzunterricht geben wird. Und internationale Studenten, die ihr Studium im Herbst beginnen wollen, müssten sich daher auch auf einen Online-Unterricht einstellen. Wer dabei in einer anderen Zeitzone lebt, müsste sich damit abfinden, dass der Unterricht zu ungewohnten Zeiten wie etwa im Morgengrauen stattfindet, da es schwierig sei, verschiedene Versionen des Lehrplans zu verschiedenen Zeiten zu haben, schreibt das Portal Poets & Quants.

Für die Business School ist das Angebot, den Studienbeginn zu verschieben, auch eine Möglichkeit, die Zahl der Studenten zu reduzieren, die aufgrund des Online-Unterrichts eine Reduzierung der Studiengebühren fordern. Denn wer sich selbst für den Start im Herbst entscheidet, trägt auch das Risiko.

Als die reichste Business School der Welt steht die Harvard Business School dabei unter besonderer Beobachtung, zumal ihre Einnahmen laut dem vor kurzem veröffentlichten Financial Report 2019

Der größte Teil kommt aus den Bereichen Harvard Business Publishing (262 Millionen Dollar), Executive Education (222 Millionen Dollar) und den Zuteilungen aus dem Stiftungsvermögen („Endowment Distributions“) mit 162 Millionen Dollar. An vierter Stelle liegen die Einnahmen aus den MBA-Studiengebühren mit 140 Millionen Dollar (Vorjahr: 138 Millionen Dollar). Die Einnahmen aus den Online-Angeboten HBS online steigen auf 42 Millionen Dollar und haben sich damit mehr als verdoppelt (Vorjahr: 19 Millionen Dollar). Das Stiftungskapital ist von 3,79 Milliarden Dollar auf 3,98 Milliarden Dollar gestiegen.

Für das nächste Finanzjahr erwartet die Schule allerdings laut einem Artikel im Harvard Crimson fast 115 Millionen Dollar weniger Einnahmen und statt einem Plus von 43 Millionen Dollar ein Minus von 22 Millionen Dollar. Besonders schwer zu schaffen macht der Schule dabei die derzeitige Einstellung der lukrativen Executive Education.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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