Corona-Krise: Appell für Ranking-Pause

Von am 27. April 2020
MBA-Rankings Fotolia

Aufgrund der Corona-Krise fordern die Präsidenten dreier Organisationen eine Verschiebung der nächsten Rankings.

Mit einem ungewöhnlichen Appell richten sich der Präsident des Graduate Management Admission Council (GMAC), das den Zulassungstest GMAT verwaltet, und die Präsidenten der beiden internationalen Akkreditierungsorganisationen AACSB und EFMD an die Medien, die Veröffentlichungen ihrer Ranglisten aufgrund der Corona-Krise zu verschieben. Die aktuelle Krise werde bisher unbekannte Auswirkungen auf die wichtigsten, dem Ranking zugrundliegenden Kriterien haben, heißt es in dem Brief. Aktuelle Absolventen, die Alumni der letzten Jahre und rekrutierende Unternehmen ständen vor enormen Herausforderungen.

MBA-Bewerber wissen nicht, ob es im Herbst wieder ein Präsenzstudium gibt oder sie überhaupt in ihr Studienland reisen können, was Auswirkungen auf die internationale Zusammensetzung der Klasse hat. Etliche Schulen verlängern ihre Bewerbungsfristen oder verschieben den Start der neuen Klassen sogar ins nächste Jahr. Und weil es weniger Bewerber gibt, könnte die Zulassungsquote steigen – ebenfalls ein Bewertungskriterium in einigen Rankings.

MBA-Bewerber können die notwendigen Zulassungstests nicht absolvieren, weil die Testzentren geschlossen sind, auch wenn die beiden Tests GRE und GMAT inzwischen mit einigen Einschränkungen online abgelegt werden können. Das könnte dazu führen, dass die durchschnittlichen Werte sinken – was sich wiederum in so manchem Ranking negativ auswirken würde. Manche Schulen – wie die Kellogg School of Management – verlangen sogar keinen GMAT mehr, um so mehr Bewerber zu gewinnen.

Ganz zu schweigen von den Jobaussichten und Gehältern der aktuellen Absolventen – auch das ein wichtiger Wert in vielen Rankings.

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Unterschrieben wurde der Brief von Thomas Robinson, Präsident und CEO der AACSB, Eric Cornuel, Präsident der EFMD, die das Gütesiegel EQUIS verleiht, und Sangeet Chowfla, Präsident und CEO des GMAC. Er ging an U.S. News & World Report, die Financial Times, Bloomberg Businessweek, den Economist, Forbes und QS.

Laut dem MBA-Portal Poets & Quants hat U.S. News bereits angekündigt, seine Strategie für das nächste Ranking U.S. News Best Business Schools und die Datensammlung dafür im Herbst 2020 zu überdenken. Auch der Economist soll die Datenabgabe für die Ranking-Umfragen bereits verschoben haben.

Ein Zeitraum, wie lange die Rankings aufgrund der Corona-Krise ausgesetzt werden sollten, wird in dem Brief nicht genannt. Allerdings wird vorgeschlagen, die Ranglisten so lange auf Eis zu legen, bis die Schulen weltweit die Chance haben, sich von dem Rückschlag wieder zu erholen. Das würde wohl eine Aussetzung von mindestens einem Jahr bedeuten.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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