China schmeißt internationale Hochschulen raus

Von am 26. Juli 2018
China Schwertfeger Shanghai

Das chinesische Bildungsministerium hat mehr als 200 akademische Partnerschaften zwischen chinesischen und internationalen Hochschulen beendet. Grund ist angeblich die schlechte Qualität. Kritiker sehen darin eine stärkere Kontrolle der Universitäten durch die Kommunistische Partei.

Vor kurzem hat das Ministry of Education das Ende von 234 Kooperationen mit ausländischen Unis im letzten Jahr bekannt gegeben. Laut Financial Times ist das mehr als ein Fünftel der Partnerschaften im Hochschulbereich.

Fünf davon sind Institute, die gemeinsam von ausländischen und chinesischen Universitäten gemanagt werden. Alle Studenten der nun beendeten Programme hätten das Studium bereits abgeschlossen, heißt es.

Die meisten Schließungen gibt es in der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas mit hundert Studiengängen. Es folgen Peking (32 Studiengänge) und Shanghai (28 Studiengänge).

Am stärksten sind britische Hochschulen mit 62 Programmen betroffen, gefolgt von Australien (45 Programme) und den USA (20 Programme).

Allein an der University of Leeds und der Edinburgh Napier University wurden mehr als 20 Studiengänge gestoppt. Betroffen ist auch die City University und die Bournemouth University. In Australien ist es die University of Melbourne, in den USA sind es die University of Florida und die City University in Seattle und in Frankreich ist es die Universität Lyon.

Sechs der in diesem Jahr beendeten Kooperationsprogramme waren sogar an China prestigeträchtigsten Universitäten wie der Peking und der Tsinghua Universität angesiedelt, was laut FT darauf hindeute, dass selbst die mächtigsten Universitäten den Druck der Regierung gegen westliche Ideen und Denkweisen spüren.

Gestoppt worden sein sollen alle 2+2 Undergraduate Programme, bei denen die Studenten zwei Jahre auf dem Campus in China und zwei Jahre bei der ausländsichen Partneruni studiert haben.

Ob davon auch MBA-Programme betroffen sind, ist nicht bekannt. Die Liste der Hochschulen findet man zwar auf der Website des Ministeriums, allerdings nur auf Chinesisch.

Die Partnerschaft mit einer chinesischen Universität war lange Zeit eine attraktive Möglichkeit für internationale Hochschulen, Eintritt in den riesigen chinesischen Markt zu bekommen und neue Einnahmequellen zu erschließen. Und für China war es eine Chance, Zugang zu westlichen Wissen zu gewinnen. Doch damit scheint nun Schluss zu sein.

Offiziell werden die Schließungen mit der schlechten Qualität der Studiengänge, zu wenigen Einschreibungen und finanziellem Missmanagement begründet. Kritiker sehen darin eine Anweisung von „ganz oben“, chinesische Hochschulen stärker auf Parteilinie zu bringen.

In den letzten zwei Jahren habe es ein zunehmendes Misstrauen gegenüber ausländischen Programmen, Curricula und Managementteams gegeben, erklärte Jiang Xueqin, Bildungsberater in in Chengdu, gegenüber der FT. Die Massenschließungen seien daher ein Wendepunkt und offenbar von „ganz oben“ angeordnet worden.

Verkündet wurden sie im selben Monat, in dem der Vertrag von Stephen Morgan von der Partei nicht mehr verlängert wurde. Der Wissenschaftler war seit 2016 Associate Provost an der 2004 eröffneten University of Nottingham Ningbo China (UNNC) in der Nähe von Shanghai. In einem Essay im Online-Magazin des Asia Research Institute der Universität hatte er sich kritisch zu dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei geäußert. Die UNNC war die erste chinesisch-ausländische Universität und hat derzeit mehr als 7.800 Studenten.

Bereits 2016 hatte sich Präsident Xi Jinping im Rahmen seiner Korruptionskampagne die Executive MBA Programme vorgeknöpft. Der Vorwurf: Manche Programme hätten vor allem dazu gedient, Managern aus der Wirtschaft die Kontaktaufnahme zu einflussreichen Staatsdienern und Politikern zu ermöglichen.

Seitdem müssen Interessenten für ein Executive Programm ein vom Bildungsministerium vorgegebenes Examen bestehen, zu dem auch ein Interview zur politischen Einstellung gehören soll. Das führte zu einem erheblichen Einbruch bei den Anbietern.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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