AMBA: Mehr Qualität und Verantwortung

Von am 26. Februar 2018
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Seit Februar ist Professor Bodo Schlegelmilch als erster Deutscher Vorsitzender der Association of MBAs (AMBA), einer der drei wichtigsten internationalen Akkreditierungsagenturen. Der Gründungsdekan der WU Executive Academy über seine Ziele.

Sie sind der erste nicht gebürtige Brite an der Spitze der AMBA. Was ist Ihre Aufgabe dort?

AMBAs International Management Board, dessen Vorsitzender ich nun bin, besteht aus Akademikern und aktiven Managern. Es ist zuständig für die Führung der Organisation und bestimmt ihre Strategien und ihre Ausrichtung. Dabei versteht sich die AMBA nicht nur als Akkreditierungsagentur, sondern auch als Stimme der Kunden. Denn wir sind eine Organisation mit 32.300 Mitgliedern in über 150 Ländern, die an den von uns akkreditierten Schulen studieren oder studiert haben.

Wie viele Schulen sind derzeit akkreditiert und wie viele davon kommen aus Großbritannien?

Wir haben 256 Schulen in 75 Ländern akkreditiert. Davon sind 42 in Großbritannien. In Wirklichkeit ist es aber etwas komplizierter, weil viele Schulen zudem einen kleineren Campus in anderen Ländern haben oder Kurse dort anbieten. In China haben wir 32 Schulen akkreditiert und sind damit dort stärker vertreten als AACSB und EQUIS, also die beiden anderen internationalen Akkreditierungsorganisationen.

Warum gerade China?

China ist ein total interessanter Wachstumsmarkt genauso wie Südamerika. Wir haben zum Beispiel eine Schule in Chile akkreditiert, die ein sehr starkes Mentorenprogramm hat, bei dem erfahrene Manager die Studenten als Mentoren sehr intensiv begleiten. Man kann daher auch von der Peripherie lernen.

Wie funktioniert die Akkreditierung?

Die AMBA begutachtet die MBA-Programme einer Schule nach verschiedenen Kriterien. Im Focus stehen dabei alle ihre MBA und Master-in-Management-Programme. Erfüllt ein Programm die Kriterien nicht, wird die Schule nicht akkreditiert. Wenn eine Schule z.B. einen schlechten Master in Finance hat, interessiert uns das nicht. Im Gegensatz zu AACSB und EQUIS, die immer die gesamte Schule betrachten, gehen wir beim MBA also stärker in die Tiefe.

Wie ist das Procedere?

Zunächst wird ein Selbstreport eingereicht und wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, wird das Ganze bei einem Besuch von einem Team aus Professoren anderer Schulen noch einmal hinterfragt. Bei unseren Akkreditierungen ist auch immer ein Mitarbeiter der AMBA dabei. Der bringt Konsistenz und kennt die Regeln haargenau. Zudem sollte stets jemand im Team sein, der auch den jeweiligen Markt kennt. Bei der Akkreditierung geht es jedoch nicht nur um die Bewertung. Viele Schulen schätzen auch den Austausch mit ihren Peers. Es gibt oft einen wertvollen Gedankenaustausch, wie man sich zum Beispiel von anderen Schulen differenzieren kann. Das sind interessante und lehrreiche Gespräche.

AMBA gilt als die Akkreditierungsagentur für Schulen mit nur sehr wenigen eigenen Professoren. Bei AACSB und EQUIS gibt es dagegen Vorgaben, wie viele eigene Professoren eine Schule braucht. Ist das nicht etwas riskant?

Wir achten schon darauf, dass in der Fakultät aktive Forscher sind. Wenn Hochschulen vor allem Praktiker haben, die keine Forschung betrieben haben oder betreiben, dann ist das der falsche Weg. Eine Voraussetzung, an der etliche Schulen scheitern, ist bei uns, dass MBA-Studenten mindestens drei Jahre Berufserfahrung haben müssen. Denn beim MBA-Studium  lernen die Studenten nun mal auch stark voneinander. Wenn sie zu wenig Erfahrung haben, ist der Lernwert einfach reduziert.

Im Vergleich zu AACSB und EQUIS gilt AMBA häufig als fünftes Rad am Wagen. So darf eine Schule zum Beispiel seit 2011 nicht mehr am Ranking der Financial Times teilnehmen, wenn sie nur eine AMBA-Akkreditierung hat. Ist die Akkreditierung daher weniger wert?

Das sehe ich natürlich völlig anders. Der Wert einer Akkreditierung zeigt sich in ihrem Kundennutzen. Hier ist es bemerkenswert, dass AMBA laut der von CarringtonCrisp und der EFMD durchgeführten Umfrage Tomorrows MBA im Jahr 2016 einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad hatte als AACSB oder EQUIS. Studenten und Firmen vertrauen also AMBAs sorgfältigen und in die Tiefe gehenden Analysen der MBA Programme. Viele Rankings (z.B. Times Higher) beziehen AMBA daher auch in ihre Analysen mit ein. Ich kenne die Überlegungen der Financial Times nicht und möchte das natürlich wieder ändern. Allerdings ist es für AMBA in erster Linie wichtig, dass unsere Akkreditierung die Qualität der angebotenen MBA Programme widerspiegelt und nicht etwa das Einkommen der Executive MBA Studenten, wie das manchmal bei Rankings der Fall ist

Damals hieß es, dass auch eine neu eingeführte Akkreditierung für nur ein Jahr ein Grund für den Ausschluss gewesen sein soll.

Soweit ich weiß hatte AMBA nie eine Akkreditierung für nur ein Jahr. Wir haben lediglich in der Vergangenheit bereits akkreditierten Business Schools, die nicht alle unsere Kriterien erfüllt haben, eine finale Ein-Jahreswarnfrist gesetzt, um unsere Kriterien wieder zu erfüllen. Aber auch das gibt es nicht mehr.

Gerade die AACSB verfolgt derzeit einen aggressiven Wachstumspfad. Zieht die AMBA da auch mit?

Unser Ziel ist es, nur die besten Programme zu akkreditieren. Das führt natürlich zu einem wesentlich langsameren Wachstum. Wir sehen uns eher als ein Qualitätsanbieter und nicht als ein Volumenanbieter.

Im deutschsprachigen Raum ist die AMBA relativ unbekannt. Wie sieht es da aus?

In Deutschland haben wir derzeit fünf Schulen akkreditiert und einige befinden sich im Begutachtungsprozess. Ansonsten verweise ich auf die oben schon genannte Umfrage zu unserer Bekanntheit.

So manche Schule, die bereits eine Akkreditierung von AACSB und EQUIS hat, macht die AMBA-Akkreditierung vor allem, um die Triple Crown, also die Dreifach-Akkreditierung zu bekommen. Lohnt sich das?

Jede Akkreditierung hat eine Signalwirkung und zeigt, dass sich eine Schule um Qualität bemüht und sie auch unter Beweis gestellt hat. Eine Dreifach-Akkreditierung hat dabei natürlich noch die zusätzliche Signalwirkung zu den Besten der Besten zu gehören. Wer alle drei Akkreditierungen hat, kann schon stolz sein.

Welche Ziele haben Sie als Chairman bei der AMBA?

Der Markt befindet sich im Umbruch. Wir haben MOOCs – also kostenlose Online-Kurse, kommerzielle und neue Anbieter wie Verlage und Apple und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die auch Abschlüsse vergeben. Die Kunden sind sehr anspruchsvoll und wählerisch. Oftmals wollen sie nur das, was sie gerade in Job brauchen und nichts davor und danach. Business Schools müssen sich daher neu definieren, um relevant zu bleiben. Als AMBA wollen wir diesen Transformationsprozess begleiten und gleichzeitig darauf achten, dass die Qualität nicht leidet.

Und was tun Sie für Ihre Mitglieder, also die Studenten und Absolventen?

Für die wollen wir neue Informations- und Lernangebote nach dem MBA entwickeln und damit einen Mehrwert schaffen – natürlich in Kooperation mit den AMBA akkreditierten Business Schools. Wir verstehen uns aber auch als „Force for Good“, die sich darum kümmert, dass es bei der Managementweiterbildung nicht nur um das Ziel der Profitmaximierung geht, sondern dass MBAs und Business Schools auch einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Das wollen wir puschen und unsere Mitglieder dazu ermutigen, sich stärker für nachhaltige Ziele einzusetzen.

Das Interview führte Bärbel Schwertfeger

Professor Bodo Schlegelmilch ist Gründungsdekan der WU Executive Academy und leitete sie bis 2015. Er ist Vorstand des Instituts für Internationales Marketing Management der Wirtschaftsuniversität Wien (WU).

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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