Video-Essay: Bewerbung bei US Schulen kann peinlich enden

Video-Essay: Einfach peinlich

Von am 22. September 2014

Wer sich um einen MBA-Studienplatz an einer US-Schule bewirbt, muss immer häufiger per Video persönliche Fragen beantworten. Eine Umfrage zeigt, dass nicht alle Bewerber das gut finden.

Wenn Sie jeden Tag eine extra Stunde, was würden in der Zeit tun? So könnte eine Frage lauten, die MBA-Bewerber an der amerikanischen Kellogg School of Management in Chicago beantworten müssen. Über den Bildschirm – ähnlich wie bei Skype – bekommen sie zwei Fragen gestellt und haben 20 Sekunden zum Nachdenken und bis zu einer Minute Zeit für ihre Antwort.


Als erste Business School hatte die kanadische Rotman School of Management in Toronto mit einem Video-Essay experimentiert. Inzwischen ist es dort Standard. Auch die Yale School of Management fordert Video-Antworten zu drei Fragen.

Hintergrund der Stehgreif-Antworten: So wollen die Schulen mehr über die Persönlichkeit eines Bewerbers herausfinden. Dabei ersetzen die Videos zumindest einen Teil der bisher schriftlichen Essays. Doch ob das tatsächlich so gut gelingt, wie die Schulen gern behaupten, ist zweifelhaft.

So zeigten sich bei einer Umfrage der Association of International Graduate Admissions Consultants (AIGAC) bei weitem nicht alle der 813 befragten Bewerber begeistert von dem neuen Ansatz.

„Sehr peinlich“, kommentierte ein Bewerber. „Auf der Webcam sieht man in der Regel ziemlich grässlich aus. Daher muss man viel Zeit und Aufwand betreiben, bis man die Kamera, den Computer und das Licht richtig positioniert hat.“ Auch wenn das Aussehen – wie die Schulen behaupten – keine wichtige Rolle spiele, fördere es nicht gerade das Selbstvertrauen und die Präsentation, wenn so schrecklich aussehe. Das sei nicht fair.

„Eigentlich sollen die Video-Essays das Ganze persönlicher machen, aber für mich ist das Gegenteil der Fall“, sagte ein anderer Bewerber. „Denn in einen Computer zu sprechen ist etwas ganz anderes als sich mit einem realen Menschen zu unterhalten.“ Andere hatten Probleme mit der Technik: „Aufgrund der sehr langsamen Internet-Verbindung ruckelte das Video stark und hat daher keine echte Aussagekraft.“

Dabei sind Bewerber in den USA offenbar zufriedener mit ihrem Video-Auftritt. 62 Prozent waren extrem oder sehr zufrieden. 32 Prozent fühlten sich nicht sehr gut präsentiert, 6 Prozent überhaupt nicht. Von den Bewerbern im Ausland fühlten sich dagegen nur 50 Prozent extrem oder sehr gut präsentiert. Die andere Hälfte nicht.

About Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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