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Topmanager in Deutschland: Noch dominiert der Doktortitel

Von am 17. August 2017
Fotolia Schild Doktortitel

Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Doktortitel bei Topmanagern in deutschen Dax-Konzernen noch immer stark verbreitet ist. Allerdings zeigt sich bei den Jüngeren bereits ein leichter Trend zum MBA-Abschluss.

Bereits seit Jahrzehnten dominiert in den Führungsetagen der deutschen Großunternehmen der Doktortitel – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Ländern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass noch immer 44,7 Prozent der Topmanager in den Dax-30-Unternehmen promoviert haben. Der Anteil der MBA-Absolventen liegt bei durchschnittlich 10 Prozent.

Von den analysierten 425 Vorständen und Aufsichtsräten haben 190 einen Doktortitel. Besonders häufig ist das bei Vorstandsvorsitzenden (58,1 Prozent) und bei Aufsichtsratsvorsitzenden (62,1 Prozent) der Fall. Die Zahlen deuteten darauf hin, dass ein Doktortitel für diese besonders exponierten Posten von erhöhter Wichtigkeit sei, schreiben die Autoren Professor Stefan Schmid, Frederic Altfeld (beide ESCP Europe in Berlin) und Juniorprofessor Tobias Dauth (HHL Leipzig).

Einen Grund für die nach wie vor hohe Verbreitung des Doktortitels sehen sie darin, dass der Promotion in Deutschland eine besondere Signalwirkung zukommt. Weil es keine ausgeprägten Qualitätsdifferenzieren zwischen den Hochschulen gebe, biete die Promotion eine Möglichkeit, dem Arbeitsmarkt ein „besonderes Potential“ zu signalisieren. Dagegen habe sich in anderen Ländern – wie den USA, Frankreich oder Großbritannien – ein hierarchisch gegliedertes Hochschulsystem mit Eliteuniversitäten herausgebildet, deren Abschluss „wertvoller“ als der einer „normalen“ Universität sei.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Branchen. Die meisten Doktortitel gibt es im Pharma-Bereich (57,7 Prozent) und bei den Versicherungen (57,1 Prozent). Am geringsten ist der Anteil bei den Finanzdienstleistern (23,5 Prozent) und in der Konsumgüter-Industrie (26,5 Prozent).

Aufschlussreich ist die Aufschlüsselung nach Altersgruppen. Danach sinkt der Anteil der Doktortitel mit dem Alter. So haben von den unter 50-Jährigen lediglich 30,3 Prozent eine Promotion abgeschlossen. Bei den 61- bis 65-Jährigen sind es 60,9 Prozent.

Gleichzeitig nimmt der Anteil der MBA-Absolventen zu, wenn auch nur gering. So haben unter den 61- bis 65-Jährigen nur 3,1 Prozent einen MBA-Abschluss. Bei den unter 50-Jährigen sind es 12,2 Prozent.

Die MBA-Abschlüsse der Topmanager stammen größtenteils von bekannten Topschulen im Ausland. Mit 17 Prozent führt INSEAD, gefolgt von der Booth School of Business an der University of Chicago (12 Prozent) und der Harvard Business School (10 Prozent).

Der Artikel „Der Doktortitel unter Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern der DAX-30-Unternehmen. Immer noch weit verbreitet und von hoher Bedeutung?“ ist in der Zeitschrift für Corporate Governance erschienen.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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