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Titelstreit: Wirtschaftspsychologe oder nicht?

Von am 12. Februar 2016

Muss ein Wirtschaftspsychologe auch Psychologie studiert haben? Manche Hochschulen verzichten auf diese Voraussetzung – das ist gut für ihr Geschäft. Absolventen könnten aber wegen der Berufsbezeichnung vor Gericht landen. Erst vor kurzem hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) Klage gegen Jack Nasher, einen Professor der Munich Business School, wegen „Irreführung über seine Befähigung“ eingereicht. Weiterlesen bei Spiegel online

In eigener Sache: Seitdem ich im Mai 2015 einen kritischen Artikel in Wirtschaft&Weiterbildung über das damals neue Buch von Jack Nasher veröffentlicht habe, verbreitet der Professor der Munich Business School wiederholt teils massive Verleumdungen gegenüber Redaktionen und der Öffentlichkeit über mich. Daran änderte sich auch nichts, nachdem Nasher mit seiner Klage auf Gegendarstellung gegen den Verlag scheiterte.

In dem Artikel ging es unter anderem darum, dass sich Nasher zwar als „der meistgelesene Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas“ bezeichnete, er aber lediglich ein Magister-Studium in Philosophie mit dem zweiten Hauptfach Psychologie an der Universität Trier abgeschlossen hat.

Dabei bestätigt die Universität Trier, dass sich das von Herrn Nasher absolvierte Magister-Studium in Philosophie mit 2. Hauptfach Psychologie NICHT als „Psychologie-Studium“ bezeichnen lässt und schreibt: „Philosophie und Psychologie werden nicht zu je 50 Prozent studiert. Studiert wird primär Philosophie. Von der Psychologie wird nur ein sehr kleiner Teil studiert, nämlich nur zwei von sieben Grundlagenfächern. Anwendungsfächer (Klinische, Pädagogische, Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie) können überhaupt nicht studiert werden. Das Studium des 2. Hauptfaches unterscheidet sich lediglich in der Anzahl der verlangten Seminarscheine vom Nebenfachstudium. Insbesondere qualifiziert das Studium des 2. Hauptfaches in keinster Weise zu einer beruflichen Tätigkeit als Psychologin/Psychologe!“

Deshalb hat ihn auch der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) wegen „Irreführung über seine Befähigung“ verklagt. Ein Urteil liegt bisher noch nicht vor. Obwohl ich nichts mit dem Verfahren zu tun habe und auch keine Mitarbeiterin der BDP bin, stellt Nasher dies wider besseren Wissens immer wieder falsch dar. 

Zweifel an der Qualifikation von Nasher sind nicht neu. Bereits seit einigen Jahren wird auf Wikipedia immer wieder versucht, Nashers Lebenslauf „aufzuhübschen“.  Dort heißt es unter anderem: „Jack Nasher versucht seit rund drei Jahren seinen Artikel schön zu schreiben…. und schreckte zuletzt auch nicht davor zurück, in anderen Artikeln zu vandalieren, um Kritiker zu diskreditieren.“

Im Dezember 2015 startete Nasher bei Wikipedia unter seinem eigenem Namen einen neuen Anlauf. Dabei schreibt er, er sei 2006 „am Karl Popper Institut der Universität Wien zum Doktor der Philosophie promoviert worden“. Auch in der Pressemeldung zu seiner Ernennung zum Professor an der Munich Business School im Jahr 2010 heißt es: „Promotion zum Dr.phil. am Sir Karl Popper Institut an der Universität Wien“. Und auf seiner Homepage schreibt er: „Promotion am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie in Wien zum Doktor der Philosophie.“

Doch wie die Universität Wien bestätigt, gab es dort nie ein Karl Popper Institut und Nasher hat auch nicht am Institut für Wissenschaftstheorie promoviert. Und der langjährige Leiter des Instituts für Wissenschaftstheorie an der Universität Wien, Professor Erhard Oeser, schreibt: „An der Universität gab es kein Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie. Deshalb gibt es auch keine Doktorarbeit in Philosophie, die am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie in Wien 2005 eingereicht sein sollte.“  Und weiter: „Das Popper Institut für Wissenschaftstheorie ist nur ein privater Verein, der anscheinend wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht mehr existiert. Jedenfalls ist die Angabe von Nasher, dort ein Doktorat erworben zu haben, falsch.“

Bemerkenswert ist auch, dass die Dissertation aus der Nationalbibliothek Wien entwendet wurde und auch die Hauptbibliothek der Universität noch im Januar einen Verlust meldete.

 

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Annette Ehrenfeld

    12. Oktober 2017 at 15:05

    Ich unterstütze Frau Schwertfeger vollumfänglich in Ihren Aussagen über den unkontrollierten Etikettenschwindel in der Psychologie.
    Hier muss dringend von den Fachvertretern gehandelt werden!
    Ich bin ordentlich promovierte Diplom-Psychologin. Aus Furcht vor Sanktionen von Seiten privater Hochschulen und ominöser Instanzen kann ich dies nur anonymisiert äussern. Und dies in einem Land, in dem freie Meinungsäußerung die Regel sein soll.
    Ich möchte zudem darauf hinweisen, dass der BDP keine „Lobby“ ist, sondern einer der beiden wichtigen Berufsgruppenvertretungen von Psychologen, mit einem abgeschlossenen Universitätsstudium der Psychologie lege artis !. Verleumdungen von Seiten Etikettenschwindel betreibender Betrüger sollten überdies deutlicher geahndet werden. Es ist eine Schande, dass diese den Beruf „Psychologe“ und das Fach „Psychologie“ schädigenden Betrügereien nicht endlich rechtmäßig kontrolliert werden!

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