Strafprozess gegen Ex-EBS-Präsident Jahns: Geheimer Deal? • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Strafprozess gegen Ex-EBS-Präsident Jahns: Geheimer Deal?

Von am 29. August 2016
Landgericht Wiesbaden Schwertfeger Landgericht Wiesbaden

Bis Ende Juni musste der wegen gewerbsmäßiger Untreue angeklagte Ex-EBS-Präsident, Christopher Jahns, ein gesundheitliches Attest vorlegen, ob er wieder verhandlungsfähig ist. Danach sollte entschieden werden, ob das seit Oktober 2014 ruhende Strafverfahren wieder aufgenommen wird. Doch das Landgericht in Wiesbaden schweigt seit fast acht Wochen.

Seit 6. Juli kann die Pressestelle des Landgerichts Wiesbaden die einfache Frage nicht beantworten: Ist der wegen gewerbsmäßiger Untreue angeklagte Ex-EBS-Präsident Christopher Jahns wieder verhandlungsfähig oder nicht? Bis Ende Juni musste er dazu ein gesundheitliches Attest vorlegen.

Am 28. Juli schrieb Cornelia Menhofer, Vizepräsidentin des Landgerichts, der Vorsitzende der 6. Strafkammer sei bis 14. August im Urlaub. Doch auch danach wurden weitere Anfragen nicht beantwortet.

Nur was hat das Gericht zu verbergen? Gibt es bereits einen geheimen Deal zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und dem Beklagten? Oder wird derzeit noch darüber verhandelt?

Seit Oktober 2014 ruht das Strafverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, weil der Angeklagte verhandlungsunfähig war. Dem ehemaligen Präsidenten der EBS Universität für Wirtschaft und Recht wird vorgeworfen, dass er 180.000 Euro veruntreut hat.

Das Geld wurde von der Hochschule an die Beratungsfirma BrainNet überwiesen, an der Jahns damals beteiligt war, ohne dass es – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – dafür entsprechende Leistungen gab. Die Gelder sollen dann von BrainNet an Jahns eigene Firmen in der Schweiz weiter geleitet worden sein. Zeitweise war er damals an 17 Beratungsunternehmen mit teils ähnlich klingenden Namen beteiligt. Seit April 2013 stand Jahns, der seine Schuld bestreitet, vor Gericht.

Inzwischen hat er die XU Exponential Berlin gegründet. Auf deren Website heißt es: „Die XU Berlin ist im Moment vollauf damit beschäftigt, den überwältigenden Bedarf zu decken, den Unternehmen deutschlandweit zum Thema der Digitalen Transformation entwickeln. Wir bringen Ihr Unternehmen und damit ihre Führungskräfte und Mitarbeiter in die digitale Zukunft. Deshalb wird die XU Berlin demnächst auch zur XU Exponential University of Applied Sciences.“

Und weiter: „Weil neben den Unternehmen viele junge Leute Lust auf Zukunft haben, plant die XU Exponential University of Applied Sciences in Gr. die folgenden Studiengänge: Digital Management (B.Sc. / M.Sc.), Digital Marketing & Social Media (B.Sc.) und Coding & Software Engineering (B.Sc.).“

Die Einreichung der Anträge auf Anerkennung der XU Berlin als Hochschule / University of Applied Sciences beim Berliner Senat und beim Wissenschaftsrat sei noch für dieses Jahr vorgesehen.

Es sieht also so aus, als ob Jahns, der gesundheitlich so angeschlagen ist, dass er vor Gericht nicht verhandlungsfähig ist, eine eigene Hochschule gründen und dann wohl auch betreiben kann.

Schließlich erklärte der Angeklagte bereits im Juni gegenüber der FAZ: „Ich will mich schon aus gesundheitlichen Gründen mit dieser Sache nicht mehr so ausgiebig beschäftigen.“

Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht, zu der eine Business und eine Law School gehört, war 2011 durch die Vorwürfe und die spätere Anklage gegen ihren damaligen Präsidenten Christopher Jahns in eine massive Krise gestürzt und kämpfte aber auch schon davor mit erheblichen Finanzproblemen. Im Dezember 2015 konnte die Hochschule erstmals seit fünf Jahren wieder ein positives Eigenkapital ausweisen. Möglich wurde dies nur durch ein Entgegenkommen der Banken, Zuwendungen der Dietmar Hopp Stiftung sowie der Übernahme von Gesellschafteranteilen des Alumni e.V.

Ende Juli gab die SRH Holding in Heidelberg bekannt, dass ihre Tochter SRH Higher Education die EBS inklusive ihrer Immobilien gekauft hat. 18 Millionen soll SRH der EBS dafür zur Verfügung stellen, etwa 20 Prozent davon sollen der Kaufpreis sein. Ziel sei es, so Pressesprecher Nils Birschmann, dass sowohl die Business School als auch die Law School in den nächsten fünf Jahren zu den Top 5 in den einschlägigen Rankings gehören.

Zur SRH Stiftung gehören diverse Tochterunternehmen im Bereich Gesundheit, Bildung sowie im Sozialwesen, darunter private Hochschulen, Berufsfach- und allgemeinbildenden Schulen, Weiterbildungszentren sowie Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken.

PS: Frau Menhofer schreibt nun, dass das Gericht klären müsse, „inwieweit der Angeklagte – in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten – gegenüber einem vom Gericht zu beauftragenden Sachverständigen mitwirkungsbereit ist“.

 

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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