St.Gallen: Schleichwerbung statt Ethik? • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

St.Gallen: Schleichwerbung statt Ethik?

By on 25. Mai 2012

Im MBA-Programm an der Universität St.Gallen gehört Ethik zu den Pflichtfächern. Selbst handelt die Business School – zumindest im Vollzeit-MBA-Programm – nicht gerade ethisch und betreibt verdeckte Werbung. Dabei fehlt MBA-Direktor Professor Simon J. Evenett auch noch jegliches Unrechtsbewusstsein.

Die Häufigkeit, mit der Professor Simon J. Evenett, akademischer Direktor des MBA-Programms an der Universität St.Gallen, mit seinen Blog-Einträgen und News-Beiträgen auf dem Online-Portal MBA Channel zu Wort kam, war auffallend. Zumal es sonst keine Presseinformationen über das Vollzeit-MBA-Programm gab. Nun gab Marketingmanager Oliver Matthews zu, dass es einen Marketingvertrag mit dem MBA-Portal gibt, wonach die Hochschule ihre News und Blogs auf der MBA-Plattform veröffentlichen kann.

Marketingverträge sind für alle Beteiligten nicht ungefährlich. Wird die Veröffentlichung zugelieferter Werbe-Beiträge nicht als werbliche Veröffentlichungen gekennzeichnet, liegt häufig ein Verstoß gegen die Trennung von Redaktion und Werbung vor. Bei solchermaßen getarnter Werbung wird eine Werbebotschaft an Leser adressiert, ohne dass diese auf Anhieb oder überhaupt den werblichen Charakter der Botschaft erkennen können. Es geht daher letztlich auch um eine Irreführung von MBA-Interessenten

Getarnte Werbung („Schleichwerbung“) ist laut dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) unzulässig, weil jede Werbemaßnahme so beschaffen sein muss, dass ihr werbender Charakter von den Angesprochenen erkannt werden kann. Da der von unabhängigen Journalisten gestaltete redaktionelle Teil meist eine höhere Glaubwürdigkeit genießt, stellt Schleichwerbung zudem den Versuch dar, unter journalistischer Tarnkappe Werbung zu betreiben. Dies wiegt umso schwerer, wenn das Partner-Medium auch noch mit „erstklassigem Journalismus“ wirbt.

Und was sagte MBA-Direktor Simon J. Evenett dazu? Der Brite reagierte indigniert darüber, dass man das Vorgehen überhaupt kritisiert und bestätigte nochmals den Marketingvertrag mit MBA Channel. Von Unrechtsbewusstsein keine Spur. Dabei ist es eigentlich kaum vorstellbar, dass der Professor für internationalen Handel und Wirtschaftsentwicklung, der zudem Direktor am Swiss Institute for International Economics ist, noch nie etwas von unlauterem Wettbewerb gehört hat.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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