Prozess gegen Ex-EBS-Präsident: Jahns in Psychiatrie?

Prozess gegen Ex-EBS-Präsident: Jahns in psychiatrischer Behandlung?

By on 10. September 2014
© Charité- Universitätsmedizin Berlin

Erst war es das Herz, nun sind es schwere Depressionen. Der wegen Untreue angeklagte Christopher Jahns ist weiter nicht verhandlungsfähig und soll es auch so schnell nicht wieder werden. Sein Verteidiger will daher die Einstellung des Strafverfahrens.

Laut einem Artikel im Wiesbadener Kurier ist der ehemalige EBS-Präsident bereits seit 5. August stationär in der Neurologie der Charité untergebracht und leidet unter schweren Depressionen. Die werden allerdings in der Regel nicht in der Neurologie, sondern in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie behandelt und zwar mit Medikamenten und Psychotherapie.

Bei der letzten Verhandlung am 30.Juli war Jahns wegen schwerer Herzprobleme zusammengebrochen und in eine Wiesbadener Klinik eingeliefert worden. Kurz darauf sollte er in eine Fachklinik in Bad Nauheim verlegt werden. Doch offenbar entpuppten sich die Herzprobleme dann als schwere Depressionen.

Schon davor hatte ihn ein Herzspezialist der Charité für verhandlungsunfähig erklärt. Das hinderte Jahns jedoch nicht daran, just zu dem Zeitpunkt als er eigentlich auf der Anklagebank sitzen sollte, an einem Netzwerktreffen in einem Berliner Wellness-Tempel teilzunehmen. Kein Wunder, dass das Gericht das ärztliche Gutachten anzweifelte und den Arzt einer anderen Fachrichtung mit einem neuen Gutachten beauftragte.

Auch als Jahns angeblich längst stationär in der Charité war, hatte der schwer Depressive offenbar noch genug Energie, um zu veranlassen, dass die Fotos seines Auftritts im Wellness-Tempel von der Website des Clubs Aussergewöhnliche Berliner verschwanden. Selbst der Termin des Treffens wurde aus dem Kalender gelöscht. Und in der Augustausgabe des Club-Magazins wurde er als Neumitglied und „Deutschlands bekanntester Universität-Entrepreneur und Persönlichkeits-Entwickler“  gefeiert.

Sein Verteidiger Alfred Dierlamm hat nun erneut die Einstellung des Verfahrens gefordert, weil nicht absehbar sei, wie lange sein Mandant im Krankenhaus bleiben müsse. „Während der Therapie sei auf Anraten der Ärzte jede Konfrontation mit dem Verfahren zu unterlassen“, schreibt Christoph Cuntz im Wiesbadener Kurier. Laut dpa schrieb Dierlamm sogar, „wegen einer hohen Rückfallgefahr werde Jahns weitere Untersuchungen vor Abschluss einer Therapie ablehnen“. Eine interessante Aussage. Offenbar bestimmt also der Angeklagte, wann er wieder auf seine Verhandlungsfähigkeit untersucht wird.

Dierlamms Aussage zeigt aber auch, worauf es derzeit wohl vor allem ankommt: Das Hauptverfahren solange zu unterbrechen, bis es nach Paragraph 229 (Höchstdauer einer Unterbrechung) platzt und wieder neu beginnen müsste. Das ist angeblich Mitte Oktober der Fall.

Der nächste Gerichtstermin ist am 17. September angesetzt. Bis gestern war er noch nicht abgesagt.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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