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Neues Ranking: Economist bewertet Executive MBAs

Von am 1. August 2013

Das britische Wirtschaftsmagazin hat sein erstes Ranking zu Executive MBA Programmen herausgebracht. Auf dem ersten Platz landete der amerikanisch-kanadische Kellogg-Schulich Executive MBA. Auch zwei deutsche Programme schafften es unter die Top 20. Allerdings fehlen zahlreiche der weltweit besten Programme in der Rangliste.

Glaubt man dem neuen Economist-Ranking gehören der Global Executive MBA der IE Business School in Madrid (Platz 2), gefolgt vom Executive MBA der Oxford Said Business School (Platz 4) und dem Global Executive MBA der IESE Business School in Barcelona (Platz 5) zu den besten europäischen Programmen. Der Executive MBA des IMD in Lausanne landete auf Rang 10. Auch zwei deutsche Schulen sind dabei: Der Kellogg – WHU Executive MBA erreichte Platz 9 und der ESSEC&Mannheim Executive MBA Platz 16.

Die IE Business Schools, deren MBA-Programm vor allem auf Distance Learning basiert, punktet dabei vor allem mit einem Gehaltszuwachs von 52 Prozent nach dem Studienabschluss. Angesichts der darbenden Wirtschaft Spaniens klingt das zunächst befremdlich. Allerdings kommen die meisten Teilnehmer nicht aus Spanien und Teilnehmer aus Schwellenländern sorgen erfahrungsgemäß für hohe Gehaltsprünge.

Insgesamt dominieren jedoch US-Programme. Mehr als die Hälfte der gerankten Programme sind ganz oder teilweise aus den USA, darunter auch international kaum bekannte Schulen wie Hough School an der University of Florida (Platz 14) und die Neeley School of Business an der Texas Christian University (Platz 21). Gewinner ist – wie auch schon beim Ranking der Financial Times – vor allem die Kellogg School of Management, die gleich mit vier Programmen vertreten ist.

Bisher hatte der Economist nur Vollzeit MBA Programme gerankt. Beim ersten Ranking für Executive MBAs lud das Magazin nach eigenen Angaben alle Schulen im Vollzeit-MBA-Ranking zur Teilnahme ein. Dabei wurde ein Fragebogen an die Schulen verschickt, ein zweiter wurde von den Schulen an Studenten und Alumni der Programme gesendet. Detaillierte Daten, wie viele Schulen überhaupt teilgenommen haben, fehlen. Vermutlich waren es nicht mehr als die 62 gerankten.

Auffallend ist, dass viele der in anderen Rankings an der Spitze platzierten Programme von Topschulen fehlen. So tauchen weder INSEAD noch die London Business School, die Wharton School oder die Duke University auf der Rangliste auf. Auch in der Regel hoch gerankte Programme wie der TRIUM Global Executive MBA fehlt ebenso wie chinesische Schulen. Haben die Schulen das Ranking boykottiert?

Es gebe inzwischen so viele Rankings, dass man nur noch selektiv an einigen teilnehme, schreibt die Duke University. Zudem sei das Economist EMBA ein Ranking für Part-time Programme gewesen und die EMBA Programme von Duke seien keine Part-time Programme (sondern modulare Programme).

INSEAD wisse, dass einige Schulen es abgelehnt haben, an dem Ranking teilnehmen, schreibt die Schule. Das treffe aber nicht für INSEAD zu. Dort sei man aufgrund eines technischen Problems aufseiten des Economist überhaupt nicht über die Möglichkeit einer Teilnahme informiert gewesen. Der Economist habe die ausbleibende Antwort dann als Ablehnung der Teilnahme gedeutet. Kein Wunder, dass eine Anfrage an den zuständigen Economist-Redakteur William unbeantwortet blieb.

Neben solchen peinlichen Pannen könnte die Nichtteilnahme zahlreicher Topschulen aber auch noch einen anderen Grund haben. Viele Schulen glauben, dass bereits das Economist-Ranking zu Vollzeit-MBA Programmen so unzuverlässig und mangelhaft ist, dass sie nicht auch noch an einem weiteren Ranking des Wirtschaftsmagazins teilnehmen möchten, schreibt der amerikanische Ranking-Experte John Byrne.

In der Tat erschütterten bisher bizarre Abstürze und Aufstiege und abstruse Zickzack-Kurse mancher Schulen in den Economist-Rankings das Vertrauen in seine Aussagekraft.

Auch das neue EMBA-Ranking verursacht Stirnrunzeln. Abgesehen vom Fehlen zahlreicher Topschulen gehören nun bisher eher wenig bekannte britische Schulen wie die University of Bath und die University of Leeds zur weltweiten Spitze. Doch dem nicht genug. So landete die renommierte Columbia Business School lediglich auf Platz 19 und damit etliche Plätze hinter der international kaum bekannten Hough School an der University of Florida.

Bewertet wurden die Programme nach zwei Hauptkriterien: der persönlichen Entwicklung/Bildungserfahrung und der Karriereentwicklung. Beim ersten Kriterium zählten die Qualität der Studenten, die Diversität der Studenten, die Qualität der Professoren und des Programms mit je 25 Prozent. Bei der Karriereentwicklung machte das Gehalt 55 Prozent der Bewertung aus, der Karrierefortschritt zählte mit 30 Prozent und der Zugang zu Netzwerken mit 15 Prozent. Damit hat das Gehalt bzw der Gehaltszuwachs deutlich weniger Gewicht als beim Ranking der Financial Times.

Vergleicht man das Economist-Ranking mit dem der Financial Times zeigen sich teils krasse Unterschiede. Während der Economist das Kellogg-Schulich Programm als Nummer 1 rankt, erreichte dasselbe Programm bei der FT nur Rang 27. Oxford Said Business School kam beim Economist auf Platz 4 weltweit, bei der FT dagegen nur auf Platz 38.

Das bedeutet allerdings nicht, dass das FT-Ranking unbedingt aussagekräftiger ist. Denn dort machen das Gehalt bzw die Gehaltssteigerung 40 Prozent der Bewertung aus. Dabei wird das Gehalt entsprechend der Kaufkraftparität (purchasing power parity, PPP) umgerechnet. Da die Kaufkraft des Dollars in China und anderen Schwellenländern aber bei einem Vielfachen der Kaufkraft des Dollars in Europa liegt, kommt es zu enormen Verzerrungen. So verdienten Absolventen des Spitzenreiters im EMBA-Ranking 2012, des gemeinsamen EMBA der Kellogg School of Management und der Hongkong University of Science and Technology, stolze 465.774 Dollar. Wer dagegen seinen EMBA an der Universität St.Gallen macht bekam nur magere 136.325 Dollar.

Fazit: Das neue Economist-Ranking zeigt wieder einmal deutlich, wie fragwürdig die Ranglisten sind. Diesmal kommt allerdings auch noch der offenkundige Boykott zahlreicher Topschulen dazu, was das Ranking noch abstruser macht.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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