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Munich Business School: Akkreditierungs-Bluff

By on 17. Dezember 2015
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Die Munich Business School bezeichnet sich gern vollmundig als eine „der führenden Wirtschaftshochschulen im deutschsprachigen Raum“. Der Wissenschaftsrat sieht das etwas anders und bemängelte vor allem die ungenügenden Forschungsleistungen. Auch andere Aussagen der Privathochschule sind mit Vorsicht zu genießen.

Die Forschungsleistungen bewegten sich „nicht auf einem für eine Hochschule mit Masterangeboten angemessenen Niveau“, schreibt der Wissenschaftsrat in seinem Reakreditierungsbericht. Und weiter: Wie der Anspruch, „eine der führenden international anerkannten Wirtschaftshochschulen im deutschsprachigen Raum“ zu werden, erfüllt werden soll, sei „insbesondere angesichts der nicht ausreichenden Forschungsleistungen bislang nicht zu erkennen“.

Hinweise auf Forschungsarbeiten der Professoren findet man dabei teils nicht. Sehr hübsch auch die Publikationsliste von Professor Jack Nasher, auf der er vor allem seine teils eher fragwürdigen Beiträge bei „Focus online“ aufgezählt. Und Professor Dr.Dr. h.c. Josef Hackforth verweist auf seine Publikationen in „Sport Bild“ mit Titeln wie „Welche Stadion-Namen kennen Sie?“

Der Wissenschaftsrat, der auf Anfrage der Bundesländer tätig wird, überprüft unter anderem, ob die Lehre und Forschung der Hochschule anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben entspricht. Und da hat die Schule offenbar alles andere als überzeugt. Sie wurde zwar reakkreditiert, allerdings mit Auflagen und nur für fünf Jahre. Dem noch nicht genug. Der Wissenschaftsrat bittet sogar das Land Bayern als Aufsichtsbehörde, „nach Ablauf von zwei Jahren einen Zwischenbericht zum Stand der Erfüllung der Auflage zur Forschung vorzulegen“.

Die Munich Business School (MBS) feiert die veritable Ohrfeige dagegen als Erfolg. „Wir freuen uns, dass der Wissenschaftsrat unserer Hochschule erneut sein Qualitätssiegel verliehen hat“, wird Dekan Professor Stefan Baldi auf der Homepage zitiert. Der Bericht bescheinige der Schule, dass sie den „wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule“ entspricht.

Richtig ärgerlich ist es allerdings, dass die Hochschule auch noch schreibt, sie sei „auf internationaler Ebene“ von der FIBAA akkreditiert und dreist behauptet: „Die FIBAA ist eine der sechs wichtigsten internationalen Qualitäts- und Akkreditierungsagenturen“. Das ist schlichtweg Unsinn. Denn im internationalen MBA-Markt spielt die FIBAA keine Rolle.

Mit der Wahrheit ist das überhaupt so eine Sache. In einer aktuellen Broschüre bezeichnet sich die 1991 gegründete Munich Business als Bayerns erste und bisher einzige private Hochschule. Doch auch das ist eindeutig falsch. Laut Website des Wissenschaftsministeriums gibt es derzeit zehn Privathochschulen in Bayern. Dazu gehört auch seit 1972 in München beheimatete und staatliche anerkannte Hochschule für Philosophie.

Allerdings scheint die Schule besonders gute Kontakte im Bayerischen Wissenschaftsministerium zu haben. So wurde zum Beispiel der Antwortentwurf auf eine Presseanfrage von der für die Aufsicht der privaten Hochschulen zuständigen Ministerialrätin umgehend an den Dekan der Munich Business School mit einem vertraulichen „z.K.“ weitergeleitet – lange bevor der Journalist die Antwort bekam.

„Besonders stolz ist die Hochschule zudem auf ihre konstanten Spitzenplätze in allen relevanten Rankings“, heißt es in dem Werbetext beim MBA-Portal der Süddeutschen Zeitung. Dabei taucht die Business School bisher in keinem der relevanten internationalen MBA-Rankings auf, was sie auch gar nicht kann, weil ihr dazu die erforderliche internationale Akkreditierung fehlt.

Auch das Ranking der „Wirtschaftswoche“, in dem die Munich Business School als die „am besten platzierte private Fachhochschule Deutschlands im Bereich BWL“ abschnitt, ist mit Vorsicht zu genießen. Dass die von der Beratungsfirma Universum durchgeführten Umfragen fragwürdig sind und vor allem den Bekanntheitsgrad und nicht unbedingt die Qualität messen, ist seit langem bekannt.

Dabei wurden 540 Personalverantwortliche aus ganz Deutschland befragt. Sie konnten aus einer Liste die Hochschulen auswählen, deren Absolventen die Anforderungen deutscher Unternehmen ihrer Meinung nach am meisten erfüllen.

Und dabei votierten zehn Prozent für die MBS. Das ist nun wiederum erstaunlich. Denn um die Qualität der Absolventen beurteilen zu können, müssten die befragten Personaler eigentlich schon mal Erfahrung mit einem Absolventen der Munich Business School gemacht haben. Doch das wäre aufgrund der Absolventen-Zahlen etwas verwunderlich. Laut Bericht des Wissenschaftsrates haben im Wintersemester 2013 gerade mal 44 ein Bachelor-Studium und 35 ein Master-Studium abgeschlossen. Im Sommersemester 2014 waren 22 bzw 48.

Die Munich Business School wurde 1991 unter dem Namen „Europäische Betriebswirtschaftsakademie“ (EBA) in München als deutscher Standort der European Business Schools International (EBSI) Gruppe gegründet. Sie ist als rechtlich eigenständige Gesellschaft Mitglied der Euro-Schulen-Organisation. Im Mai 2010 wurde die Hochschule durch den Wissenschaftsrat für fünf Jahre – ohne Auflagen – institutionell akkreditiert. Das Land Bayern sprach daraufhin eine unbefristete staatliche Anerkennung für die MBS aus.

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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