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MBS-Professor Jack Nasher: Der Lügenpapst und seine Doktorarbeit

Von am 15. August 2016

Jahrelang behauptete Jack Nasher, Lügenpapst und Professor an der Munich Business School (MBS), dass er am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie an der Universität Wien promoviert hat. Doch das Institut gab es dort nie. Selbst die Munich Business School, wo er auch im MBA-Programm unterrichtet, fiel offenbar auf die falsche Angabe herein.

Warum behauptet jemand, an einem Institut promoviert zu haben, das es an der Universität nie gab? Warum tauchte dieses Institut auch auf dem Deckblatt der in der Bibliothek eingereichten Doktorarbeit auf? Und warum verschwand die Doktorarbeit gleich aus zwei Bibliotheken?

Wer sich näher mit der 2005 eingereichten Doktorarbeit von Jack Nasher befasst, stößt auf etliche Fragen. Seit 2010 ist er Professor für Organisation und Unternehmensführung an der Munich Business School (MBS) und bezeichnet sich gern als „Lügenpapst“, weil er angeblich weiß, wie man Lügner entlarvt. Im WDR wurde er sogar schon als „Wahrheitsexperte“ tituliert.

Schon bei der Pressemeldung zu seiner Berufung als Professor an der MBS hieß es: „Promotion zum Dr. phil. am Sir Karl Popper Institut an der Universität Wien“. Auch auf seiner eigenen Website stand lange „Promotion am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie in Wien zum Doktor der Philosophie“. Und beim Schweizer Weiterbildungsinstitut ZfU International Business School, wo Nasher ein Seminar mit dem Titel: „Wie Sie bekommen, was Sie wirklich wollen“ anbietet, steht auch heute noch: „Promotion am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie in Wien zum Doktor der Philosophie.“

Doch das Institut gab es an der Universität Wien nie. Dazu schreibt der langjährige Leiter des Instituts für Wissenschaftstheorie an der Universität Wien, Professor Erhard Oeser: „An der Universität gab es kein Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie. Deshalb gibt es auch keine Doktorarbeit in Philosophie, die am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie in Wien 2005 eingereicht sein sollte.“ Und weiter: „Das Popper Institut für Wissenschaftstheorie ist nur ein privater Verein, der anscheinend wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht mehr existiert. Jedenfalls ist die Angabe von Nasher, dort ein Doktorat erworben zu haben, falsch.“

Da auf der Promotionsurkunde überlicherweise keine Institute genannt werden, sei man bei ergänzenden Detailinformationen auf Informationen der Mitarbeiter angewiesen, die auch Grundlage unserer damaligen Pressemeldung waren, schreibt Stefan Baldi, Dekan an der Munich Business School. Im Klartext: Auch die Hochschule ist auf Nashers falsche Angabe herein gefallen.

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Doch dem nicht genug. So gibt es sogar zwei verschiedene Titelblätter der Doktorarbeit. Einmal eine mutmaßlich gefälschte Version mit dem Popper Institut, die damals in der Nationalbibliothek und der Unibibliothek in Wien eingereicht wurden sowie ein Exemplar in der Fachbereichsbibliothek. Und zum anderen das Original der Uni mit den notwendigen Stempeln, aber ohne Popper-Institut.

Wie es dazu kam, dass die Doktorarbeit mit dem an der Uni nicht existierenden Institut auf dem Titelblatt in den Bibliotheken landete, könne man sich nur so erklären, dass die Doktoranden ihre Doktorarbeit damals noch selbst in der Bibliothek einreichen konnten, erklärt die Uni. Hat Jack Nasher also das Titelblatt seiner Doktorarbeit gefälscht?

Doch es wird noch seltsamer. So sind die beiden Exemplare in der Nationalbibliothek und der Unibibliothek in Wien verschwunden. Nur wer hat Interesse daran, eine Arbeit verschwinden zu lassen, die man sich jederzeit ausleihen oder in der Bibliothek einsehen kann?

Interessant ist, dass es jahrelang Plagiatsvorwürfe gegen eine andere Dissertation bei Nashers Doktorvater Professor Peter Kampits gab, die aber letztlich von der Uni zurückgewiesen wurden. Dabei sind dessen Äußerungen zu der 1987 eingereichten Dissertation gegenüber der Wiener Zeitung zumindest bemerkenswert. Dort wird Kampits 2011 damit zitiert, dass die seinerzeit kritisierte Arbeit „nach heutigen Maßstäben mehr Diplomarbeit denn Dissertation“ sei. Zudem habe es damals keine verbindlichen Zitier-Regeln für die Doktorats-Kandidaten gegeben (Anmerkung der Autorin: Was natürlich Unsinn ist, dann auch schon damals gab es Zitier-Regeln). Die Arbeit habe den damaligen Anforderungen genügt, sei aber „kein Meisterwerk“ gewesen. Der damalige Plagiatsverdacht hat aber nichts mit Nashers Doktorarbeit zu tun.

Inzwischen ist Nashers Dissertation mit dem Original-Titelblatt – ohne Popper Institut – wieder in den Bibliotheken verfügbar. Auch er selbst hat den Text auf seiner Website abgeändert. Dort heißt es nun: „Promotion über die Wissenschaftstheorie Sir Karl Poppers am Philosophischen Institut der Universität Wien.“ Doch auch das ist nicht ganz korrekt. Denn der Titel der Doktorarbeit lautet: „Die offene Gesellschaft und ihre Freunde – Über die Staatstheorie Sir Karl R. Poppers und ihren Einfluss“.

Auffälligkeiten bei der Qualifikation von Jack Nasher sind nicht neu. Bereits seit einigen Jahren wird auf Wikipedia immer wieder versucht, Nashers Lebenslauf „aufzuhübschen“. Dort heißt es unter anderem: „Jack Nasher versucht seit rund drei Jahren seinen Artikel schön zu schreiben.“

Dazu passt auch, dass er sich gern als der „meistgelesene Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas“ bezeichnete, aber lediglich einen Magister-Abschluss in Philosophie mit zweiten Hauptfach Psychologie von der Universität Trier hat. Laut Universität lässt sich das Magister-Studium in Philosophie nicht als „Psychologie-Studium“ bezeichnen: „Philosophie und Psychologie werden nicht zu je 50 Prozent studiert. Studiert wird primär Philosophie. Von der Psychologie wird nur ein sehr kleiner Teil studiert, nämlich nur zwei von sieben Grundlagenfächern. Anwendungsfächer (Klinische, Pädagogische, Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie) können überhaupt nicht studiert werden.“ Und was den Umfang seines „Psychologie-Studiums“ angeht, liegt der bei rund 26 Prozent eines heutigen Bachelor-Studiums.

Und statt einem „Master in Management“ an der Saïd Business School der Universität Oxford, den Nasher sowohl auf seiner Website als auch beim ZfU angibt, hat er 2004 einen „Master in Management Research“ absolviert und damit kein klassisches Management-Studium, sondern einen Studiengang, der international als Vorbereitung für einen Doktor (Ph.D) im Bereich Management gilt. Kein Wunder, dass der Professor für Unternehmensführung sogar selbst erklärte, während des Studiums „überhaupt kein BWL“ studiert zu haben. Trotzdem behauptet der Dekan der Munich Business School, Stefan Baldi, Nasher habe in dem Studium einen akademischen Hintergrund in Wirtschaft erworben.

Da verwundern auch die Wirrnisse um die Doktorarbeit nicht. Dennoch setzt man offenbar sogar an der renommierten Technischen Universität München auf die Expertise von Jack Nasher. So heißt es auf der Website der Munich Business School: „Zudem gibt er regelmäßig Doktorandenseminare an der TU München.“ Was er den Doktoranden da wohl beibringt?

PS: Für den Lügenpapst sind das im Übrigen alles nur unwichtige Petitessen. Besser kann man sich eigentlich nicht selbst entlarven.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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