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MBA-Studium: Jobchancen entscheiden über Zulassung

Von am 9. Januar 2013

Wer ein teures MBA-Studium beginnt, erhofft sich danach einen interessanten und lukrativen Job. Doch den zu finden, ist in den letzten Jahren schwieriger geworden, obwohl gute Business Schools ihren Absolventen dabei umfangreiche Unterstützung bieten. Nun haben einige Schulen begonnen, schon bei der Zulassung der MBA-Studenten darauf zu achten, wie beschäftigungsfähig die Bewerber sind.

Der Ruf einer Schule hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut es ihren Absolventen gelingt, einen gut bezahlten Job zu finden. Schließlich muss sich das Investment in das MBA-Studium lohnen und viele müssen erst einmal ihre Studienkredite zurückzahlen. Doch manchmal sind die Erwartungen auch zu hoch und die Enttäuschungen später daher groß. Um das zu verhindern, arbeiten bei einigen Schulen inzwischen Mitarbeiter aus dem Zulassungsbereich enger mit den Mitarbeitern aus dem Karriereservice zusammen, berichtet das Wall Street Journal.

So sitzt Leigh Gauthier, Direktorin für Karriereservice im Vollzeit-MBA an der Rotman School of Management an der University of Toronto, seit letztem Jahr gemeinsam mit ihren Kollegen von der Zulassung in einem Komitee und entscheidet darüber, welche Kandidaten zum Studium zugelassen werden. Sie achte darauf, inwieweit die Fähigkeiten der potentiellen Studenten mit den Bedürfnissen der Unternehmen übereinstimmen, erklärte Gauthier. Interessiert sich ein Bewerber etwa für eine Karriere in der Beratung, schaut sie darauf, ob er oder sie gut mit Ambiguität umgehen kann. Dabei hat sie zwar kein Veto-Recht bei der Entscheidung, wer zugelassen wird, aber ihre Anwesenheit bringt das Komitee dazu, über manchen Kandidaten kritischer nachzudenken.

Auch an der Simon Graduate School of Business an der University of Rochester arbeitet das Team aus Zulassung und Karriereservice seit rund eineinhalb Jahren zusammen. Auslöser war das geringere Jobangebot im Finanzbereich. Bob Park, Executive Director of Corporate Relations and Career Management, trifft sich mindestens zweimal im Monat mit seinen Kollegen und liefert ihnen Daten über die Unternehmen, die an der Schule rekrutieren. Die Information hilft den Zulassungs-Mitarbeitern zu erkennen, welche Studenten am Ende ihres Studiums am meisten gefragt sein werden.

Mitarbeiter aus dem Karriereteam sind dabei auch immer öfter in den Auswahlprozess eingebunden und interviewen die Bewerber. Besonders wichtig für sie sind dabei die Präsentations- und Kommunikationsfähigkeiten der Bewerber. Denn die sind schließlich auch entscheidend, wie die späteren Absolventen bei potentiellen Arbeitgebern ankommen.

Amy Wittmayer, Direktorin des Karrierezentrums an der Kenan-Flagler Business School an der University of North Carolina, hat die Mitarbeiter aus der Zulassung in den letzten Jahren daher darin trainiert, auf dieselben Dinge zu achten, wie es Recruitingmanager später tun – zum Beispiel auf die Fähigkeit, Probleme zu erkennen und zu formulieren.

Der Fokus auf die spätere Vermittelbarkeit in den Job birgt allerdings auch Gefahren. Denn er kann risikobereitere Kandidaten wie Unternehmer oder Karrierewechsler benachteiligen. Und so mancher Bewerber wird sein wahres Karriereziel daher vielleicht sogar verschweigen.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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