MBA-Lounge: Unsinn für MBA-Interessenten

MBA-Lounge: Unsinn für MBA-Interessenten

Von am 22. November 2012

Am 27.November soll in Stuttgart die erste MBA-Lounge starten, das neue „MBA Event“. Bisher hat sich der Veranstalter der Master-and-More-Messen um konsekutive Studiengänge für Bachelor-Absolventen gekümmert. Nun brilliert er auf seiner neuen Website mit bisweilen komischer Unkenntnis.

So ganz scheint man beim Veranstalter Border Concepts noch nicht verstanden zu haben, was ein MBA eigentlich ist. Auf dem „Portal für MBA, EMBA & Weiterbildungs-Master“ kann man unter der Überschrift „MBA-Programme“ so seltsame Schwerpunkte wie Länder&Märkte, Medien, Kultur&Event anklicken. Aber immerhin gibt es auch MBAs mit Schwerpunkt auf Wirtschaft & Management.


Da heißt es dann: „Insbesondere Young Professionals, die bereits umfassende betriebswirtschaftliche Kenntnisse besitzen, aber auch Berufstätige mit einem fachfremden Hochschulabschluss können sich mit einem MBA-Studium in einem bestimmten Fachbereich spezialisieren. Auf diese Weise bauen Sie Ihren Experten-Status aus und entwickeln Ihre Karriere in diese Richtung.“

MBA für Interessenten mit umfangreichen betriebswirtschaftlichen Erkenntnissen?  Expertenstatus mit dem MBA? Mehr daneben geht es kaum.  Schließlich ist der MBA eine General-Management-Weiterbildung und richtet sich explizit an Interessenten, die bisher keine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse haben. Zudem dient ein MBA-Studium der Verbreiterung des Wissens und nicht der Verengung auf Expertenwissen.

Doch dem nicht genug: Bei der HHL, die bei der MBA Lounge Aussteller ist, heißt es: „Im April 2004 erhielt die HHL als erste private Hochschule in Deutschland das begehrte Gütesiegel von der renommierten amerikanischen Organisation AACSB (Association to Advance Collegiate Schools of Business). Fünf Jahre später ist das Gütesiegel der Standard an allen deutschen Business Schools und die HHL wird erneut erfolgreich reakkreditiert.“ Nun gibt es zwar immerhin schon acht deutschen Hochschulen mit einer AACSB-Akkreditierung. Vom Standard an allen deutschen Business Schools ist das allerdings noch etwas sehr weit entfernt.

Weiter heißt es bei der HHL: „Im Dezember 2009 wird das Vollzeit-MBA-Programm erstmals im Financial Times European Business Schools-Ranking erfolgreich auf Platz 1 in Deutschland und Platz 34 in Europa gelistet.“ Verwundert schon mal das „wird“ (Immerhin ist das ja schon drei Jahre her), so ist die Aussage auch schlichtweg irreführend. Denn im Vollzeit-MBA-Ranking ist die HHL nie aufgetaucht.

Auch die Ausführungen zum Executive MBA zeugen von fundierter Fachkenntnis: „Diese Weiterbildungsvariante soll die Führungskräfte von heute zu Managern von morgen machen, denn die Weiterbildung im Rahmen eines EMBA-Studiums stellt eine fähigkeitsbezogene wie persönliche Herausforderung dar.“ Gut zu wissen, dass Führungskräfte keine Manager sind.

Tipps zur Studienwahl bekommen die Besucher dann von einer Marketingdame, die Anzeigen für ein MBA-Webportal verkauft, und deren Firma zudem PR für die Alumni der britischen Henley Business School macht. Kein Wunder, dass die Schule gleich extra eine Pressemeldung über ihre Teilnahme an dem MBA-Event herausgibt und eine Alumna dort über die Vorteile ihres MBA-Studiums berichtet.

Dachte so mancher, dass sich das MBA-Portal der Süddeutschen Zeitung mit seinen teils peinlichen Texten und der Empfehlung fragwürdiger Schulen kaum noch toppen lässt, zeigt die MBA-Lounge nun, dass es doch geht.

 

 

 

 

 

About Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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