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MBA-Kritiker Sattelberger bekommt Doktortitel

Von am 2. Juni 2016
Thomas Reimer Fotolia Schild Doktortitel

Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger gilt als schärfster Kritiker der Business Schools und der MBA-Ausbildung. Ihm selbst fehlten als Diplom-Betriebswirt bisher höhere akademische Weihen. Nun bekommt er einen Doktortitel von der Universität Siegen.

Ideologisch gesehen seien die großen Business Schools doch fast alle lebendige Leichen, polterte Thomas Sattelberger 2010 in einem Interview bei Spiegel online. Vor allem die amerikanischen Business Schools seien „das ideologische Transport-Vehikel des Finanzkapitalismus“. Auch die meisten europäischen Business Schools seien nicht besser, behauptete Sattelberger. Und dass sie ihren Teilnehmern verantwortungsvolle Führung beibringen wollen, sei lediglich ein Phantasiegebilde.

Überhaupt könne man Leadership nicht an der Hochschule lernen. „MBA-Programme sind für kluge deutsche Unternehmen weder für die strategische Rekrutierung von Absolventen geeignet noch für die mittelfristige Personalentwicklung von Talenten, zum Beispiel durch Unterstützung beim berufsbegleitenden Studium“, so der Ex-Telekom-Vorstand. Doch dem nicht genug: „Die deutsche Wirtschaft ist auch und gerade erfolgreich ohne MBAs.“

Das sind steile Thesen. Doch zumindest waren sie gut fürs eigene Ego. „Bachelor Welcome – fürs eigene Ego“ betitelte das Managermagazin 2010 einen Artikel von Volker Stein. Darin kritisiert der Professor für Betriebswirtschaft an der Uni Siegen, dass sich Vorstände immer wieder vermeintlich für das Gemeinwohl engagieren. In Wirklichkeit gehe es jedoch um Ego-Lobbyismus. „Derzeitiger Spielführer ist Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger mit dem Programm „Bachelor Welcome“, schrieb Stein.

Ob MBA-Kritik, Bachelor welcome, Frauenquote oder seit kurzem das demokratische Unternehmen – Sattelberger versteht es sich immer wieder sich mit voller Wucht zu inszenieren. Auch als ruheloser Ruheständler ist er omnipräsent auf Tagungen und Kongressen – nun eben als Verfechter des demokratischen Unternehmens. Da dürfte sich so mancher seiner ehemaligen Mitarbeiter, der unter Sattelbergers erratischem Führungsstil litt, verwundert die Augen reiben. Und Journalisten versuchte er schon mal mit Nachdruck zu diktieren, was sie zu schreiben haben.

Das gilt vor allem für den von ihm initiierten HR-Master, den Sattelberger gern als die große Erfolgsgeschichte sehen möchte. Nach mehreren gescheiterten Versuchen an verschiedenen Hochschulen wird er inzwischen an der Ludwig-Maximilian-Universität angeboten. Ursprünglich sollte das Studium mit einem MBA-Titel abschließen. Nun ist es ein Executive Master of Human Resource Management geworden und Sattelberger sitzt im Beirat.

Die große Erfolgsgeschichte ist der Studiengang dennoch bisher nicht. Dafür sorgten nicht zuletzt auch interne Querelen und die fehlende Bereitschaft der Unternehmen, ihre Mitarbeiter beim berufsbegleitenden Studium zu unterstützten.

Doch was dem oft als „HR-Papst“ bezeichneten Ex-Personalvorstand bisher fehlte, waren akademische Weihen. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Sattelberger schon lange gern einen Doktortitel hätte. Ein Diplom-Betriebswirt von der Berufsakademie macht eben nicht allzu viel her. Doch für tiefgehende wissenschaftliche Arbeiten fehlte dem vielbeschäftigten Manager nicht zuletzt auch die Zeit. Und mit einem Dr.h.c. klappte es bisher nicht.

Aber nun ist er am Ziel. Am 16. Juni verleiht ihm die Fakultät III Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht an Universität Siegen die Ehrendoktorwürde. Dass alle Fakultätsmitglieder davon begeistert sind, darf getrost bezweifelt werden (siehe oben). Allerdings – so munkelt man – soll sich Uni-Rektor Professor Holger Burckhardt vehement dafür eingesetzt haben.

Schließlich sitzt er gemeinsam mit Sattelberger im Akkreditierungsrat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Dort ist Burckhardt, zu dessen Forschungsschwerpunkten Allgemeine Wissenschaftstheorie, Transzendental- und Sprachphilosophie sowie philosophische Grundlagen der Pädagogik unter Berücksichtigung sonderpädagogischer Fragestellungen gehören, als HRK-Vizepräsident zuständig für Lehre, Studium, Lehrerbildung und Weiterbildung.

Von intensiven Berührungspunkten zwischen Sattelberger und der Uni Siegen ist dagegen nichts bekannt. 2013 hatte er wohl einmal einen Vortrag auf einem Forschungskolleg gehalten. Am 12. November 2015 – als Insidern längst bekannt war, dass Sattelberger einen Ehrendoktor bekommen soll – war er Festredner auf dem Jahresempfang der Universität Siegen und referierte über „Die Herausforderungen der digitalen Ära für den Mittelstand und dessen Arbeitswelten“.  

Für welche wissenschaftlichen Leistungen Sattelberger seinen Ehrendoktor bekommt, ist offen. Dabei empfiehlt die HRK, eine Ehrendoktorwürde nur für herausragende wissenschaftliche Leistungen zu vergeben. Und auch in der der Promotionsordnung der Uni Siegen heißt es: „Zur Würdigung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen in der Forschung oder einer herausragenden Anwendung wirtschaftswissenschaftlicher Erkenntnisse in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung kann als Auszeichnung der Grad einer Doktorin oder eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften ehrenhalber verliehen werden.“ Und weiter. „In der Urkunde sind die wissenschaftlichen Verdienste der Ehrendoktorin oder des Ehrendoktors zu würdigen.“

Da darf man gespannt sein. Seinen Festvortrag anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde hält Sattelberger übrigens zu dem Thema: „Reflektionen zum Maschinenhaus Deutschland und die Zwillingsrolle von Betriebswirtschaft und Ingenieurwissenschaft.“

Mit dem Doktortitel dürfte sich Sattelberger allerdings nicht zufrieden geben. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis er sich auch mit einem Professortitel schmücken kann – vielleicht sogar an einer der vielen „fehlgeleiteten“ Business Schools.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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