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MBA-Bewerbung: Hult lockt mit Trip nach Shanghai

By on 4. Dezember 2015

Eine Einladung nach Dubai oder Shanghai? Um MBA-Studenten zu gewinnen, lässt sich die Hult International Business School einiges einfallen und setzt potentielle Interessenten unter Druck. Ein Selbstversuch.

Im September hat die Hult Business School, die bisher weniger für ihre akademische Qualität bekannt ist, die britische Ashridge Business School geschluckt. Ashridge stellte seine MBA-Programme ein und konzentriert sich auf Executive Education. Hult-Präsident Stephen Hodges hat große Ziele und verkündete vollmundig: „Unsere Vision ist es, die bedeutendste Business School weltweit zu sein.“ Und dafür braucht man natürlich auch viele Studenten und im Marketing liegt offenbar die große Stärke der Schule.

Bereits im September 2014 bezeichnete das MBA-Portal Poets&Quants die Schule als die „aggressivste Rekrutierungsmaschine in der Welt der Business Schools“. Wie Hult von seinem Sitz in Schweiz auch deutsche MBA-Studenten zu rekrutieren versucht, zeigt ein Selbstversuch.

Am 10.November besuche ich zum ersten Mal die Website der Hult International Business School. Um eine Broschüre zum Executive MBA herunterzuladen, muss ich Namen, E-Mail und Telefonnummer angeben. Noch am gleichen Tag bekomme ich eine E-Mail von Francesco.

„We would like to remind you that we are offering scholarships to qualified candidates from Germany to join our Executive MBA program”, schreibt Senior Director of Recruiting & Marketing für das Executive MBA Program, der in Luzern sitzt. “Our next scholarship application round is on November 22nd, 2015. If you would like to take part in this round of scholarship allocations, please complete your application.” Es eilt also, nur wenn ich mich möglichst schnell bewerbe, bekomme ich vielleicht auch ein Stipendium. Ob das Studium überhaupt für mich geeignet ist oder ob ich die Zulassungsvoraussetzungen erfülle, spielt offenbar keine Rolle.

Ein paar Stunden später schreibt mir Yulia, Associate Director of Recruiting Executive MBA Program aus Luzern, auf Deutsch, ob es nicht gut für uns wäre, wenn wir das Programm im Detail besprechen könnten.

Am nächsten Tag, also am 11.November, lädt mich Francesco zu einem Marketing Master Class & Networking Event mit Professor David James ein. Thema: „Marketing: It is not as bad as you think”.

Dann ist sieben Tage Ruhe. Am 18.November – einem Mittwoch – ruft mich Romina, Application Manager Europe ­Executive MBA Program in Luzern, an und hinterlässt eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Es folgt eine Mail von Romina in holprigem Deutsch: „Da wir bis Samstag aktuell spezielle Stipendien fuer Deutsche Kandidaten haben, wollte ich Sie hierzu kontaktieren. Mit der Onlinebewerbung koennen wir den Stipendien- und Zulassungsprozess starten und ihnen die besten Moeglichkeit auf ein hoeheres Stipendium bieten. Die Frist fuer die Onlinebewerbung ist der 21.11.2015. Hierfuer muss die Bewerbungsgebuehr in Hoehe von 150USD bezahlt sein. Anschliessend koennen wir zusammen die Bewerbungsdokumente durchsprechen. Ideal waere, wenn Sie bereits einen Lebenslauf hochladen koennten.“

Ich muss mich also erst bewerben, 150 Dollar zahlen und dann bespricht Romina meine Bewerbungsunterlagen mit mir? Weiter schreibt sie: „Das EMBA Programm ist so flexibel, dass Sie nicht nur Module pausieren, sondern auch Online absolvieren koennen. Diese Campus stehen zur Verfuegung: London, Dubai und Shanghai. Besonderst ist die Rotationsmoeglichkeit nach San Fransisco, New York City oder die anderen drei Campus. Sie koennen somit mit Menschen von ueberall auf der Welt vernetzt werden und in 3 Weltmetropolen wirschaftliche Zusammenhaenge kennenlernen. Ich werde am 2. Dezember 2015 in Muenchen sein. Gerne koennen wir uns dort treffen und ich stelle Ihnen einen Professor der HULT International Business School und 1-2 Alumni vor.“

Am 21.November meldet sich Franceso wieder und macht Druck. Betreff: “24 hours until the Hult scholarship application deadline”. Nun endet die Bewerbungsfrist plötzlich einen Tag später am 22.November. Wenn meine Bewerbung akzeptiert wird, werde ich zu dem Event „Campus Premiere“ eingeladen, das an allen fünf Standorten stattfindet, und kann Hult selbst erleben, noch bevor ich mit meinem Studium beginne. „Attend the event at any of our campuses and we’ll help cover the cost of your trip.” Kann ich also auf Kosten von Hult nach San Franciso oder Shanghai reisen?

Am 26. November schreibt Francesco wieder. “Act now to to accelerate your global career is the best time to apply to our Executive MBA program. If you’re ready to make a change in 2016, complete your application before December 13th to accelerate your career next year. Offenbar gibt es viele Deadlines und viele Stipendien.

Drei Tage später, am 29.November erinnert mich Francesco zum letzten Mal an das Marketing Master Class & Networking Event: “The importance of Marketing in today’s International Business.”

Und am 1. Dezember schreibt mir sogar Stephen Hodges, Präsident der Hult International Business School, persönlich. Betreff: “apply by Dec 13th and visit Dubai on us”. Wenn ich mich bis 13.Dezember bewerbe, hilft man mir, nach Dubai zu fliegen, um – als Teil des Programms Campus Premiere – den Campus und die Stadt anzuschauen. Sogar zwei Übernachtungen spendiert die Schule. Und wenn ich nicht nach Dubai will, kann ich auch nach London oder Shanghai fliegen.

Acht unkoordinierte und teils dilettantische E-Mails von vier Mitarbeitern innerhalb von drei Wochen – die Hult International Business School macht ihrem Ruf als aggressive Marketingmaschine alle Ehre.

Solche Methoden kennt man eigentlich eher von windigen Verkaufsfahrten oder Verkaufsshows, wo Interessenten häufig nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen werden. Nur geht es hier nicht um Teppiche oder Küchengeräte, sondern um ein zweijähriges Managementstudium, das – am Standort London – mehr als 70 000 Euro kostet.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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