KPMG: Rätselraten um Incore

KPMG: Rätselraten um Incore

Von am 21. Januar 2013

Im November hatte KPMG das Institute of Corporate Education (Incore) gegründet und will nun selbst in die Executive Education einsteigen. Incore-Geschäftsführerin ist Nicole Gaiziunas, zuletzt Geschäftsführerin von SMI Campus, dem Weiterbildungs-Dienstleister der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. Doch das neue Institut wirft Rätsel auf. Stutzig macht vor allem das Schweigen von KPMG.

Zur Erinnerung: KPMG hat mit BrainNet auch die dazu gehörende SMI Campus GmbH gekauft, die bisher unter der Leitung von Frau Gaiziunas recht erfolgreich Weiterbildung im Supply-Chain-Bereich an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht durchgeführt hat. Der Umsatz von SMI Campus soll bei rund vier Millionen Euro gelegen haben. Die EBS bekam davon allerdings nur geringe Royalities. Die Rede ist von weniger als zehn Prozent.


Dabei profitierte SMI Campus natürlich davon, dass man unter dem Namen der Hochschule auftrat. Frau Gaiziunas fungierte dabei zeitweise sogar als Geschäftsführerin Executive Education des SMI-Instituts der EBS, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt nicht an der EBS angestellt war.

So eine Anbindung an eine Hochschule vermittelt schließlich den Eindruck von Seriosität und Wissenschaftlichkeit, mit dem man sich auf dem Weiterbildungsmarkt profilieren kann. Nun will KPMG verstärkt in den Bereich Executive Education einsteigen. Allerdings fehlt der Wirtschaftsprüfung bisher die Anbindung an eine Hochschule. Soweit, so verständlich.

Im November hatte KPMG nun das Institute of Corporate Education (Incore) gegründet. Geschäftsführerin ist Frau Gaiziunas. „Incore baut auf das Know-how der im Executive Education-Bereich tätigen Tochtergesellschaft der BrainNet Supply Management Group auf. Ziel von Incore ist es, praxisorientierte Bildungsforschung zu betreiben und innovative Methoden und Konzepte zur Wissensvermittlung in Organisationen zu entwickeln“, hieß es in der KPMG-Pressemeldung.

Doch nun gibt ein völlig verwirrendes Interview auf der Website der Wirtschaftswoche mit Frau Gaiziunas und Robert Gutsche, Vorstand und Leiter der Consultingbranche von KPMG, Rätsel auf. Selbst Weiterbildungsexperten verstehen nicht, was KMPG eigentlich will. Klar ist nur: Statt SMI Campus gibt es nun den Verein Incore, der kein Training und keine Beratung durchführt, sondern „an inhaltlichen und methodischen Grundlagen für Weiterbildungskonzepte forschen“ soll, was dann in die Trainingskonzepte von KPMG einfließen soll.

Auf der Website von Incore ist von „vier fachlich ausgerichteten Departments“ die Rede, die sich „auf die wissenschaftliche Erforschung langfristiger Trends und die Konzeption grundlegender Weiterbildungsprogramme in den Bereichen Strategy & Leadership, Procurement & Supply Chain Management, Finance & Accounting und Tax & Legal konzentrieren“. Nur wer forscht dort? Wer ist überhaupt außer Frau Gaiziunas in dem Verein? Und warum ist Frau Gaiziunas jetzt nicht mehr im Bereich Training und Beratung (und vor allem der Akquise) tätig – wo doch offenbar ihre Stärke lag? So schwärmt KPMG selbst: „Das bislang unter dem Dach der EBS arbeitende Team von Frau Gaiziunas führte jährlich 10.000 Teilnehmertage durch und hat weltweit mehr als 175.000 Mitarbeiter und Führungskräfte trainiert oder gecoacht.“

Weiter heißt es in dem Interview, man wolle vier Stiftungsprofessuren ausschreiben. Da der Verein kaum die finanziellen Mittel dafür haben dürfte, würde das wohl bedeuten, dass KPMG rund eine Million Euro pro Jahr in die Lehrstühle steckt. Die Forschung, die an den Lehrstühlen gemacht wird, gehört jedoch weder Incore noch KPMG. Zudem gilt an Hochschulen noch immer die Freiheit von Wissenschaft und Forschung. Was also verspricht sich KPMG von dieser doch erheblichen Investition?

Sollen die Stiftungsprofessoren KPMG vielleicht Instrumente liefern, mit dem sich der Return on Education messen lässt und den Beratern damit ein „wissenschaftliches Akquise-Instrument“ liefern? Schließlich schwärmte Frau Gaiziunas schon 2010 von dem Return on Education, der sich angeblich bei Weiterbildungsangeboten messen lässt – eine Aufgabe, an der noch so mancher Forscher scheitern dürfte.

Weiter heißt es in dem rätselhaften WiWo-Beitrag: „Eine Zukunftsstudie zu den Perspektiven der Weiterbildung im Jahr 2030 läuft bereits.“ Doch wer macht diese Studie? Frau Gaiziunas? Oder vielleicht ihr Lebensgefährte Christopher Jahns, der geschasste Ex-Präsident der EBS, gegen den die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage wegen des Verdachts gewerbsmäßiger Untreue erhoben hat. Grundlage der Anklage sind vier Rechnungen von BrainNet an die EBS, bei denen es sich nach Meinung der Staatsanwaltschaft um Scheinrechnungen handelt. Jahns selbst hält sich dagegen wie vor für vollkommen unschuldig.

Viele Fragen also. Doch KPMG schweigt. Mehrfache Anfragen an die Pressestelle blieben unbeantwortet. Was KPMG wohl zu verbergen hat?

 

 

About Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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