Jack Nasher: Der Lügenpapst und der Campus Verlag

Jack Nasher: Der Lügenpapst und der Campus Verlag

Von am 23. Februar 2017
Campus

Im Oktober wurde Jack Nasher, Professor an der Munich Business School, wegen Irreführung über seine Befähigung verurteilt, weil er sich Wirtschaftspsychologe nennt, ohne ein entsprechendes Studium absolviert zu haben. Auch beim Campus Verlag, bei dem jetzt gerade das neue Buch des „Lügenpapstes“ erschienen ist, setzt man auf Irreführung – sei es bei den Angaben zum Autor oder den Verkaufszahlen.

Beim Campus Verlag ist Jack Nasher, der als Professor der Munich Business School auch MBA-Studenten unterrichtet, noch immer der „bekannte Wirtschaftspsychologe“. So steht es auch heute noch in der Pressemeldung zu seinem 2015 erschienenen Buch „Entlarvt“ und so haben es damals auch die Medien – von der Computerwoche über die Süddeutsche Zeitung bis zum WDR – verbreitet.


Doch Nasher, der sich auch als der meistgelesene Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas bezeichnete, hat lediglich ein Magister-Studium in Philosophie mit zweiten Hauptfach Psychologie an der Universität Trier absolviert. Im Oktober 2016 hatte das Landgericht München I (Az: 17 HK O 19533/15, noch nicht rechtskräftig) den Professor dazu verurteilt, es bei Meidung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, zu unterlassen, „im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken, insbesondere im Internet, sich selbst als Wirtschaftspsychologe zu bezeichnen“ (siehe Originalurteil). Geklagt hatte der Berufsverband Deutscher Psychologen.

Bei der Verwendung der Bezeichnung handele es sich um „eine zur Täuschung geeignete Angabe über seine Befähigung“. Die Verkehrskreise – sprich die interessierte Öffentlichkeit – erwarteten von einem Wirtschaftspsychologen „einen ausreichend ordnungsgemäß ausgebildeten Psychologen“, heißt es im Urteil. Vor Gericht behauptete Nasher zwar, er habe ein „fünfjähriges reguläres Psychologie-Studium“ abgeschlossen, laut Aufstellung der Studieninhalte umfasste sein damaliges „Psychologie-Studium“ jedoch gerade mal 16 Prozent der Inhalte, die im Rahmen eines regulären Psychologie-Studiums vermittelt wurden. Daran ändert sich auch in einem Berufungsverfahren nichts.

Beim Campus Verlag kennt man das Urteil, bezeichnet ihn aber weiter als „anerkannten Wirtschaftspsychologen“. Und das ist nicht die einzige Irreführung des Verlages. Denn obwohl sein Buch „Entlarvt“ offenkundig noch immer in der ersten Auflage vor sich hindümpelt, wirbt Campus in seiner Programmvorschau mit „über 20.000 verkauften Exemplaren“. Bei Fachbüchern liegt die Erstauflage in der Regel zwischen 3.000 und 5.000 Exemplaren. Selbst mit verkauften ebooks und Hörbüchern erscheint die Zahl daher abenteuerlich hoch. Campus verweigert die Auskunft zur Höhe der Erstauflage und antwortet auch nicht auf die Frage, wie diese hohe Verkaufszahl zustande gekommen sein soll.

Dass es der Campus Verlag mit den Zahlen nicht so genau nimmt, ist nicht neu. So erinnert sich die Autorin eines Bewerbungsbuches daran, wie sie vor einigen Jahren entdeckte, dass der Verlag mit einer Verkaufszahl ihres Buches warb, die etwa doppelt so hoch war wie die – laut Abrechnung – verkauften Exemplare. Als sie gegen diese unseriöse Praxis protestierte, wurde ihr damals erklärt, dass das so üblich sei. Aber immerhin hatte ihr Buch noch mehrere Auflagen. Inzwischen scheint Campus seinen Verkaufszahlen-Bluff wohl noch gesteigert zu haben.

Und auch bei dem neuen Buch von Jack Nasher setzt Campus bewusst auf irreführende Aussagen. Denn nun heißt es in der Pressemeldung: „Er studierte und lehrte an der Oxford University“. Dort hat er zwar ein Studium zum Master in Management Research (eine Art Vorbereitungsstudium für den Ph.D.) absolviert und war als Tutor tätig, hatte jedoch weder einen Lehrauftrag noch war er dort Professor, wie es die Formulierung suggerieren soll.

Beim Handelsblatt hat das bereits bestens funktioniert. Dort wurde Nasher am 25. Februar fälschlicherweise als Oxford-Professor bezeichnet. Am 27. Februar wurde der Fehler zumindest auf Handelsblatt.com korrigiert, auf wiwo.de ist Nasher jedoch weiter „Oxford-Professor“. Auch bei der Wirtschaftswoche selbst fällt die Rezensentin auf die Pressemeldung herein und verweist fälschlicherweise auf Nashers „ehemaligen Kollegen, den Oxford-Forscher Chris McKenna“. Das Kalkül des Autors und des Campus Verlages, mit der Formulierung die Medien in die Irre zu führen, geht also auf.

Dabei hat der „Lügenpapst“, der angeblich jede Lüge entlarven kann, offenkundig immer wieder Probleme mit der Wahrheit. So gab er jahrelang an, an einem Institut der Universität Wien promoviert zu haben, das es dort niemals gab. Auch mit seiner vom Bayerischen Wissenschaftsministerium verliehenen Lehrbezeichnung „Professor für Unternehmensführung und Organisation“ hat er immer wieder Schwierigkeiten, wobei es natürlich sowieso erstaunlich ist, dass jemand zum Professor für Unternehmensführung berufen wurde, der nach eigenen Angaben vor Gericht nie betriebswirtschaftliche Inhalte studiert hat und auch über keine erkennbare eigene Erfahrung in der Unternehmensführung verfügte.

Doch bei der Munich Business School, die sich als eine der „führenden Wirtschaftshochschulen im deutschsprachigen Raum“ bezeichnet, ist man flexibel. Dort bezeichnet sich Jack Nasher auf der Hochschul-Website auch als „Professor für Leadership und Unternehmensführung“ (und als Business-Psychologe – was natürlich auch gegen das Urteil verstößt). Und auf seiner eigenen Website nennt er sich „Professor für Leadership und Organizational Behavior“ – was etwas deutlich anderes ist. Aber für den „führenden Verhandlungsexperten und Deutschlands bekanntesten Lügenexperten“ (Campus Verlag) sind das natürlich alles nur Lappalien.

Sein neues Buch heißt übrigens „Überzeugt – Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen“. Recht überzeugt scheint selbst Campus wohl nicht von dem Buch nicht zu sein. So weigert sich der Verlag, der die Autorin sonst auch unaufgefordert mit Rezensionsexemplaren beglückt, ihr ein Besprechungsexemplar zur Verfügung zu stellen.

PS: Vor 19 Jahren (1998) hatte die Autorin ein Buch bei Campus veröffentlicht: Der Griff nach der Psyche – Was umstrittene Persönlichkeitstrainer in Unternehmen anrichten (drei Auflagen). Damals zählten auch beim Campus Verlag noch vor allem Fakten.

About Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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