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Jack Nasher: Der entlarvte Entlarvungs-Experte

By on 30. Mai 2015

Jack Nasher, selbst ernannter „Entlarvungs-Experte“, nimmt es mit den Tatsachen offenbar selbst nicht so genau. Er nennt sich „Wirtschaftspsychologe“, obwohl er dazu offensichtlich nicht berechtigt ist. „Deutschlands bekanntester Lügenforscher“ (Bild-Zeitung) liefert ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Trainer, Berater und Speaker gelegentlich gerne nach dem Motto „Mehr scheinen als sein“ positionieren. Artikel in Wirtschaft&Weiterbildung

PS: Gegen den Artikel hatte Nasher Klage eingereicht, die das OLG München im Juni 2016 zurückwies. Zudem hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) den Professor an der Munich Business School im August 2015 wegen „Irreführung über seine Befähigung“ (Unlauterer Wettbewerb) abgemahnt. Nachdem die Abmahnung erfolglos war, Klage eingereicht. Im Oktober 2016 wurde er wegen Irreführung über seine Befähigung verurteilt.

Auch die Universität Trier bestätigt, dass sich das von Nasher absolvierte Magister-Studium in Philosophie mit 2.Hauptfach Psychologie nicht als „Psychologie-Studium“ bezeichnen lässt. Sie schreibt: „Philosophie und Psychologie werden nicht zu je 50 % studiert. Studiert wird primär Philosophie. Von der Psychologie wird nur ein sehr kleiner Teil studiert, nämlich nur zwei von sieben Grundlagenfächern. Anwendungsfächer (Klinische, Pädagogische, Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie) können überhaupt nicht studiert werden. Das Studium des 2. Hauptfaches unterscheidet sich lediglich in der Anzahl der verlangten Seminarscheine vom Nebenfachstudium. Insbesondere qualifiziert das Studium des 2. Hauptfaches in keinster Weise zu einer beruflichen Tätigkeit als Psychologin/Psychologe!“

Nasher behauptet dagegen weiter, dass er sich als „Wirtschaftspsychologe“ bezeichnen darf. Öffentlich unterstützt – zumindest nach Nashers Angaben – wird der „Lügenpapst“ (Eigenwerbung) dabei von der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie GWPs. Dort hält man offenbar Nashers „Psychologie-Studium“ im Rahmen seines Magister-Studiums in Philosophie, das vom Umfang her etwa einem Viertel eines Bachelor-Studiums entspricht, für ausreichend.

Und für den Dekan der Munich Business School, Stefan Baldi, kennzeichnet der Begriff „Wirtschaftspsychologe“ sogar „lediglich ein akademisches Interessengebiet“.

Auch dass sich Nasher weiter als Professor für Leadership & Organizational Behavior bezeichnet, obwohl sogar das Bayerische Wissenschaftsministerium bestätigte, dass er zum Professor für Organisation und Unternehmensführung berufen wurde und sich daher auch nur so (oder mit der korrekten englischen Übersetzung) bezeichnen darf, stört die private Hochschule offenbar nicht. Da verwundert es auch nicht, dass es in der Pressemeldung zu seiner Ernennung zum Professor hieß, Nasher habe am Sir Karl Popper Institut der Universität Wien promoviert, dass es dort niemals gab.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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