Ist der klassische MBA vom Aussterben bedroht? • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Ist der klassische MBA vom Aussterben bedroht?

Von am 14. Mai 2012

Ist die MBA-Ausbildung noch zeitgemäß? Wo liegen die größten Herausforderungen? Darüber diskutierten mehr als 60 Akademiker von Topschulen und internationale Rekruitmentmanager Ende April an der IESE Business School in Barcelona. Identifiziert wurden zehn Problemfelder.

1. Weniger Nachfrage, mehr Konkurrenz: Die Zahl der MBA-Bewerber geht zurück, 20 Prozent allein in den USA, gleichzeitig steigt jedoch die Zahl der Bewerber aus Indien und China. Andere Master-Programme stehen immer stärker in Konkurrenz zum klassischen Vollzeit MBA. Neue Angebote entstehen in Ländern wie Indien.

2. Mangel an relevanter Forschung: Zunehmende Kritik von einzelnen Branchen und in der Öffentlichkeit über die Beschränkungen der akademischen Forschung, Bedarf an breitereren Forschungsansätzen

3. Abnehmendes Engagement bei den MBA-Studenten: stärkere Ablenkungen durch Aktivitäten außerhalb des Klassenzimmers und zunehmender Druck, einen Job nach Studienabschluss zu finden.

4. Zu starke Fokussierung des MBA-Programms auf Banken und Beratung. Wer an anderen Karrierewegen interessiert ist, findet den MBA oft irrelevant.

5. Fehlende praktische Erfahrung der Studenten: MBA-Programme sind gut darin, ihren Studenten Wissen zu vermitteln, aber nicht, wie sie es anwenden können. Werden sie erstmals mit realen Arbeitssituationen konfrontiert, fehlt ihnen oft ein Verständnis für die Unternehmensrealitäten.

6. Fehlende Konzentration auf gesellschaftliche Verantwortung:  MBA-Absolventen und damit den Leader von morgen fehlt das Verständnis für ihre Verantwortung für andere Menschen und die Gesellschaft.

7. MBA-Lehrpläne gehen fälschlicherweise oft von einer bereits globalisierten Welt aus und übersehen den Bedarf von interkulturellen Ansätzen.

8. Leadership-Fähigkeiten werden nicht effektiv vermittelt.

9. Zu viele Durchschnitts-Absolventen: MBAs sind oft schlecht im innovativen Denken und kreativen Problemlösen.

10. MBA-Programme erfüllen nicht die Ansprüche der Unternehmen. So stimmen die Erwartungen der Studenten oft nicht mit dem Personalauswahlprozess der Unternehmen überein.

Weitere Informationen: IESE Business School

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Kommentar verfassen