INSEAD: Der MBA wird hybrider • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

INSEAD: Der MBA wird hybrider

Von am 21. Juni 2015
© INSEAD

Weil der Präsenzunterricht zu teuer ist, müssten auch Topschulen überlegen, welche Programmteile sich effektiver online gestalten lassen, sagt Professor Peter Zemsky, Deputy Dean von INSEAD. Auf MOOCs verzichtet die Schule bisher.

„Wir wollen weiter eine hohe Qualität anbieten und unsere hohen Standards in der Forschung halten“, erklärt Professor Peter Zemsky, Deputy Dean von INSEAD. „Daher glauben wir nicht, dass MOOCS die richtige Lösung sind.“ Deshalb gebe es bisher auch bei INSEAD keine MOOCs. MOOC steht für Massive Open Online Courses – also kostenlose Online-Kurse, wie sie inzwischen viele Schulen anbieten.

Business Schools bieten die Online-Kurse oft fürs Marketing an, um mehr potentielle Studenten zu erreichen. Und vor allem, um selbst mehr Erfahrung mit dem Online-Lernen zu bekommen, erklärt der Professor für Strategie und Innovation. „Dafür haben wir bessere Wege.“ So hat sich INSEAD zunächst auf firmeninterne Programme fokussiert.

2014 hat die Schule erstmals sehr erfolgreich einen Online-Kurs für 10.000 Global Client Executives von Microsoft entwickelt und durchgeführt. „Die brauchten eine schnelle und skalierbare Lösung, um die Mitarbeiter in neun Monaten in Betriebswirtschaft und Finanzen zu schulen, damit sie besser gegenüber ihren Firmenkunden argumentieren können“, so Professor Zemsky. 85 Prozent der Microsoft-Mitarbeiter haben den Kurs beendet, die Gesamtzufriedenheit lag bei 99 Prozent. Auch Accenture setzte bereits auf die Online-Kurse von INSEAD und schulte 4.000 Consultants weltweit in Strategie, Finanzen und Verkauf.

„INSEAD ist also ein erfolgreiches Start-up in Bereich Online-Lernen“, freut sich Professor Zemsky. Ziel sei es natürlich, die Erfahrung zu nützen, um die Angebote auszubauen. „Auch Topschulen können schnell in die Falle tappen“, warnt der Professor, der zudem Dean for Strategic Initiatives and Innovation ist und sich mit disruptiven Technologien beschäftigt. Kurzfristig seien die Online-Angebote von Schulen aus der zweiten oder dritten Liga nicht gefährlich für die Topschulen, aber wenn diese Schulen technologisch immer besser werden, könnten sie durchaus gefährlich werden.

Inzwischen teste INSEAD bereits einige Online-Programm in Indien und auch im MBA-Programm werden demnächst Online-Kurse eingesetzt. Im ersten Schritt wird gerade ein Kurs zu grundlegenden Karriere-Themen (Wie schreibe ich einen Lebenslauf) entwickelt. Was bisher im Präsenzkurs vermittelt wurde, sollen die Studenten künftig schon vor dem Studienbeginn online lernen. Auch der Präsenzkurs, den Studenten ohne betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse bisher vor dem zehnmonatigen MBA-Studium absolvieren, soll künftig online angeboten werden.

Gerade im Bereich Karriereentwicklung und Karriereservice müsse auch INSEAD noch mehr tun. Das sei ein wichtiger Teil des MBA-Angebots, zumal die Gehälter nach dem MBA-Abschluss inzwischen nicht mehr so schnell steigen wie früher.

Unterschiede gegenüber dem US-Markt sieht Professor Zemsky, selbst Amerikaner, einmal in der geringen Internationalität amerikanischer MBA-Programme. „Man bekommt dort keine wirklich internationale Perspektive“, sagt der Deputy Dean. „Das ist weiter alles sehr amerikanisch.“ Ein weiterer Unterschied sei das deutlich größere Stiftungskapital der US-Schulen. Mit 200 Millionen Euro habe INSEAD zwar das größte Stiftungskapital in Europa, aber das sei immer noch um ein Vielfaches kleiner als das mancher US-Schulen – ganz zu schweigen von Harvard.

Zur Strategie von INSEAD gehöre es aber auch, die Zahl der Angebote in den USA zu erhöhen. So gebe es beim Executive MBA bereits ein Modul in San Francisco sowie einige Executive Education Programme.

Bei der Nachfrage nach dem MBA sei vor allem Asien ein Wachstumsmarkt, Europa und die USA gelten als gesättigte Märkte. Auch Afrika sei interessant. Dabei nutzte INSEAD seinen Campus in Abu Dhabi für die Erschließung des Markts.

In Deutschland sei der MBA noch immer nicht so richtig angekommen, sagt Professor Zemsky. Dabei sei das MBA-Studium eine großartige Plattform, um über seine Karriere nachzudenken, ein Netzwerk aufzubauen und später ein Unternehmen zu gründen.

INSEAD gilt als eine der führenden und internationalsten Business Schools der Welt. Die Schule verfügt über drei Standorte in Fontainebleau bei Paris, Singapur und Abu Dhabi. Das zehnmonatige Vollzeit-Studium mit 1000 Teilnehmern gilt als das größte MBA-Programm der Welt. Zudem gibt es einen Global Executive MBA und einen Executive MBA mit der Tsinghua University in Peking. An den Executive Education Programmen nehmen jährlich 12.000 Manager teil.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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