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Goethe Universität startet Pharma-MBA

Von am 25. Mai 2016
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Die Goethe Universität in Frankfurt bietet ab Herbst einen „Master of Pharma Business Administration“, der maßgeblich von der Pharmaindustrie mit konzipiert wurde. Ob hinter der kreativen Bezeichnung ein echter MBA steckt, ist fraglich.

Bei der Namensfindung für ihren neuen Studiengang zeigt sich die Goethe Universität kreativ. Der „Master of Pharma Business Administration“ dürfte weltweit ein Novum sein. Nur was soll das sein? Vor allem im internationalen MBA-Markt dürfte der Titel eher für Kopfschütteln sorgen.

Ein Master in Business Administration – also ein Master in Unternehmensführung – ist ein weltweit bekannter wirtschaftswissenschaftlicher Abschluss, bei dem die Teilnehmer Kurse zu den wichtigsten Bereichen der Unternehmensführung – von der Rechnungslegung über die Finanzierung und Operations bis zum Personalmanagement – belegen. Dabei kann sich ein MBA-Programm zwar auf eine bestimmte Branche fokussieren, also zum Beispiel ein MBA in Health Care sein, aber was soll ein „Master in Pharma Business Administration“ sein? Gelten in der Pharmabranche gänzlich andere Grundlagen der Unternehmensführung?

„Struktur und Inhalte des Master of Pharma Business Administration wurden in enger Abstimmung zwischen der Akademischen Leitung des Weiterbildungsstudiengangs und Vertretern ausgewählter Pharmaunternehmen entwickelt, um sicherzustellen, dass das Programm gleichermaßen aktuelle akademische und wissenschaftliche Standards wie die besonderen Anforderungen der Unternehmenspraxis in der pharmazeutischen Industrie erfüllt“, heißt es. Vonseiten der Goethe-Universität sei der Studiengang eine Kooperation des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften – also der Goethe Business School – und des Fachbereichs Biochemie, Chemie und Pharmazie.

Akademischer Direktor des Studiengangs ist Professor Theo Dingermann, Senior Professor, Institute for Pharmaceutical Biology. Ein wirtschaftswissenschaftlicher Hintergrund lässt sich bei dem Apotheker und Pharmazeuten nicht finden.

Da ist es auch nicht verwunderlich, dass der MBA-Titel als wirtschaftswissenschaftlicher Abschluss nicht nur von der Business School, sondern auch vom Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie der Goethe-Universität verliehen wird – wohl ein Novum in der deutschen Universitätslandschaft.

„Die Kombination aus klassischen Managementkenntnissen und aktuellem pharmaspezifischen Wissen ist hierzulande in dieser Form einzigartig“, betont Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität und Präsident des House of Pharma & Healthcare. „Mit diesem Masterstudiengang verwirklichen wir ein Leitprojekt mit bundesweiter Ausstrahlung.“

Das House of Pharma & Healthcare wurde 2013 von der Goethe-Universität Frankfurt und der hessischen Landesregierung mit dem Ziel gegründete, das Profil des Pharma- und Healthcare-Standorts Hessen schärfen und weltweit sichtbar machen. Zu diesem Zweck soll es die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren der Gesundheits- und Pharmabranche in Deutschland fördern.

Ein „richtiges“ MBA-Studium – also eine General-Management-Ausbildung in allen wesentlichen Bereichen der Unternehmensführung – hatte das House of Pharma & Healthcare dabei wohl eher nicht im Sinn. So zeigt der Blick ins Curriculum, das offenbar nur 30 der insgesamt 90 Credit Points (ECTS) für General-Management-Kurse vergeben werden, die lediglich im ersten Semester stattfinden. Bereits im zweiten Semester geht es um pharmaspezifische Inhalte wie „Foundations of Patent & Pharmaceutical Law“ oder „Pharmaceutical Value Chain“. Die Wahlpflichtmodule fokussieren sich fast ausschließlich auf praxisrelevante pharmaspezifische Inhalte. Und auch in der Masterarbeit muss eine Fragestellung aus einem Fachgebiet des Pharmamanagements bearbeitet werden.

Allgemein gilt, dass mindestens 50 Prozent eines MBA-Studiums General-Management-Inhalte sein sollten. So bieten internationale Business Schools wie zum Beispiel die amerikanische Rutgers Business School einen MBA in Pharmaceutical Management an, bei dem das Kerncurriculum identisch mit dem des allgemeinen MBA-Programms ist und sich die Teilnehmer dann im zweiten Studienabschnitt auf die Pharmabranche spezialisieren können.

Sofern die interne Akkreditierungskommission der Goethe-Universität zustimmt, soll der Studiengang im Wintersemester auf dem Campus Westend in Frankfurt starten. Zulassungsvoraussetzungen sind ein erster Studienabschluss, Englischkenntnisse sowie mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Das Studium umfasst vier Semester. Der Unterricht findet in den ersten drei Semestern alle zwei Wochen am Freitagnachmittag und Samstag statt. 20 Wochen werden für die Masterarbeit im vierten Semester veranschlagt.

Die Studiengebühren liegen bei 35.000 Euro. Wer sich vor dem 15.August anmeldet, bekommt eine Ermäßigung ebenso wie Mitgliedsfirmen des Pharma Business Administration Advisory Board oder des House of Pharma & Healthcare. Wer im Advisory Board sitzt, ist der Broschüre nicht zu entnehmen. Dort schwärmen Manager von Sanofi, Merck und Roche Pharma von dem neuen Studiengang.

Und auch der Geschäftsführer der Goethe Business School, Christian Jansen, freut sich, dass der neue spezialisierte MBA-Studiengang das innovative Programmportfolio der Business School hervorragend ergänze. Außer dem Master of Finance gibt es dort allerdings keine Master-Programme mehr.

Dabei war die Goethe Business School vor einigen Jahren auf gutem Weg, eine der führenden deutschen Business Schools zu werden. Zumal der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bereits 2005 als eine der ersten deutschen Institutionen von der AACSB akkreditiert wurde. Damals gab es einen Executive MBA mit der renommierten Fuqua School of Business an der Duke University und einen durchaus innovativen Vollzeit-MBA. Doch dann kam es offenbar zu Unstimmigkeiten innerhalb der Fakultät.

2011 wurde der Executive MBA eingestellt. 2013 folgte der Vollzeit-MBA. Man wolle auch künftig General Management Programme anbieten, erklärte Professor Andreas Hackethal, ehemaliger Dean der Goethe Business School, Anfang 2012. Weil Management und Strategie aber keine Schwerpunktbereiche im Fachbereich seien, werde man verstärkt auf europäische Partnerschaften setzen und führe daher Gespräche mit anderen Business Schools.

Im Sommer 2012 hieß es, man sei „sehr nahe an einer Einigung mit einem chinesischen Partner“ und werde „höchstwahrscheinlich im Herbst 2013 oder spätestens 2014“ wieder in den MBA-Markt einsteigen. Doch daraus wurde nichts.

Und nun kommt der neue Pharma-MBA. Zwar muss der Studiengang keineswegs schlecht sein. Titel und Inhalt lassen allerdings Zweifel aufkommen, ob der Pharma-MBA dem Konzept eines MBA-Studiengangs entspricht. Schade, dass sich die Goethe Business School dafür hergibt. Aber möglicherweise waren die finanziellen Verlockungen der Pharmabranche einfach zu groß.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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