Gisma Business School startet neu

Gisma: Scheitern ist keine Option

Von am 11. August 2014
© GUS

Im vergangenen September hat die Firmengruppe Global University Systems (GUS) mit Sitz in London die insolvente Gisma Business School in Hannover übernommen. Ein Gespräch mit dem CEO des Bildungsunternehmens Maurits van Rooijen.

Nach der Übernahme haben Sie die Gisma als neue Perle im Portfolio bezeichnet. Was hat sich seitdem getan?

Wir haben ein neues MBA-Programm zusammen mit der niederländischen Maastricht School of Management gestartet. Das war recht kurzfristig. Wir haben erst im März mit dem Rekrutieren der Studenten angefangen und sind im Juni mit immerhin 24 Studenten gestartet. Die Hälfte der Studenten wurde dabei in Deutschland rekrutiert. Das sind aber nicht unbedingt nur Deutsche, sondern auch Ausländer, die hier leben. Die haben natürlich das Schnäppchen ihres Lebens gemacht. Denn sie zahlen nur 15.000 Euro für das Studium. Im Herbst werden die Studiengebühren deutlich steigen auf über 20.000 Euro.

Die Maastricht School of Management gehört allerdings nicht zu den führenden Business Schools in Europa.

Wir mussten erst einmal wieder völlig neu anfangen und da brauchten wir eine Partnerschule, die flexibel genug für einen schnellen Start ist. Die Gisma kann keinen MBA-Titel vergeben. Das war auch bisher schon so. Der MBA-Abschluss kam entweder von der amerikanischen Purdue University oder der Leibniz Universität in Hannover.

Und wie geht es weiter?

Wir haben natürlich noch viele andere Pläne. Wir planen einen konsekutiven Master, für den man keine Berufserfahrung braucht, und langfristig auch einen Executive MBA für erfahrene Führungskräfte. Auch mit der Leibniz Universität sind wir im Gespräch, ob es vielleicht wieder gemeinsame Programme geben kann. Zudem wollen wir die Executive Education aufbauen und kürzere Managerkurse anbieten. Auch im Bereich Blended Learning wollen wir aktiv werden.

Aber bisher hat die Gisma nicht einmal eigene Professoren.

Die Gisma hatte noch nie viele eigene Professoren. Und auch künftig wollen wir mit einer Mischung aus einer kleinen Kernfakultät und Gastprofessoren arbeiten. Vor kurzem haben wir die Stelle des Rektors neu ausgeschrieben. Seine Aufgabe ist es dann auch zu bestimmen, welche Art von Professoren wir brauchen. Später wollen wir noch einen eigenen Rektor für Executive Education einstellen. Wir bauen die Gisma völlig neu auf und wollen dabei auch innovative Ansätze nutzten.

Wie viel Geld wollen Sie in die Gisma investieren?

Das werden schon ein paar Millionen Euro werden. Im Moment verlieren wir noch Geld. Aber im Bildungsbereich braucht man mindestens zwei Jahre, bis sich Erfolge zeigen. Das muss man langfristig sehen.

Wie lange hat die Gisma Zeit, bis sie rentabel sein muss?

Wir haben keinen festen Plan. Das ermöglicht es uns, innovativer zu sein und nicht nur auf die festgelegten Ziele fixiert zu sein. Im Kerngeschäft wollen wir in drei Jahren schon rentabel sein. Aber wir müssen mit der Gisma kein Geld verdienen.

Ein profitorientiertes Bildungsunternehmen muss kein Geld verdienen?

Unser Ziel ist es, mit der Gisma das gesamte Qualitätsspektrum abzudecken und auch im Premium-Markt zu operieren. Wir haben 15 Büros weltweit. Wenn da ein MBA-Interessent mit Berufserfahrung, einem guten GMAT und dem notwendigen Geld kommt, wollen wir ihn nicht wegschicken müssen. Das hat daher auch etwas mit dem Image zu tun. Wenn man heute schnell Geld machen will, dann ist es wohl besser eine Sprachschule zu betreiben als eine Business School.

Eine Sprachschule gehört ja auch zum Portfolio von GUS.

Die Vielfalt unserer Institute ist unser Vorteil. Das Geld, das wir verdienen, investieren wir wieder in die Organisation. Wir zahlen nichts an Aktionäre. So haben wir zum Beispiel etliche Millionen Euro in die Online-Kurse und in unseren Campus in Singapur gesteckt. Eine Business School allein kann das nicht. Die tut sich heute sehr schwer, überhaupt finanziell zu überleben mit all den Gemeinkosten für IT, Marketing etc. Da fließen doch höchstens 30 bis 40 Prozent des Geldes wirklich in die Lehre. Da ist es schon einfacher, wenn man Teil einer Universität ist und sich die Kosten teilen kann. Daher profitieren wir davon, dass wir mehr als zehn völlig unterschiedliche Schulen und Institute haben.

Aber die haben nicht alle einen guten Ruf wie zum Beispiel die London School of Business & Finance (LSBF), die selbst auch keine akademischen Grade vergeben darf und daher mit teils fragwürdigen Hochschulen wie der University of Wales kooperierte.

Die LSBF ist – wie alle unsere Institute – gut in ihrem Segment und sehr erfolgreich mit ihren Accounting-Kursen. Bei den akademischen Abschlüssen setzen wir auf ein Partnerschaftsmodell. So arbeitet die LSBF bereits seit zehn Jahren sehr erfolgreich mit der Grenoble Graduate School of Business zusammen und die hat als eine der wenigen Schulen weltweit alle drei wichtigen internationalen Akkreditierungen. Inzwischen haben rund 500 Studenten unterschiedliche Programme der französichen Schule absolviert. Davon profitiert natürlich auch Grenoble. Ich halte es nicht unbedingt für notwendig, dass wir selbst Abschlüsse vergeben können. Denn damit müssten wir uns auch zahlreichen Regeln unterwerfen und wären weniger flexibel.

Warum setzen Sie ausgerechnet auf Deutschland, wo sich selbst führende Business Schools schwer tun, genug MBA-Studenten zu finden?

Ich bin davon überzeugt, dass in Deutschland noch Platz ist für eine hochwertige internationale Wirtschaftsausbildung. Die deutsche Wirtschaft wird weltweit bewundert und viele Studenten wollen wissen, wie Deutschland tickt. Sie wollen Deutsch lernen und nach dem Studium auch hier arbeiten – zumal Großbritannien mit seiner aktuellen Visa-Politik die Grenzen weitgehend dicht gemacht hat. Die Gisma soll daher die Topschule in unserer Firmengruppe und eine Topschule in Deutschland werden.

Und wenn das nicht klappt?

Scheitern ist für mich keine Option. Und es gibt auch keinen Grund, warum wir nicht erfolgreich sein sollten.

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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