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Gisma Business School kurz vor der Pleite?

Von am 2. Mai 2013

Die Gisma Business School in Hannover steht offenbar mal wieder vor dem Aus. Grund sind vor allem dramatisch gesunkene Studentenzahlen und absurd hohe Zahlungen an die amerikanische Purdue University, die den MBA-Titel vergibt. Gisma-Geschäftsführer Sonning Bredemeier, der erst seit Februar im Amt ist, sieht dennoch alles positiv. Genaueres zu den Pleite-Gerüchten will er allerdings nicht sagen.

Bereits letzten Freitag schrieb die Hannoversche Allgemeine, dass die Gisma demnächst pleite ist. Am Montag meldete auch der NDR, dass das Ende der Managerschmiede wohl besiegelt sei.

Gisma-Geschäftsführer Sonning Bredemeier schmettert Fragen dennoch ab: „Lassen Sie mir erst mal meine ersten hundert Tage Zeit.“ Erst im Februar hatte der pensionierte Banker die Position übernommen, nachdem die bisherige Geschäftsführerin Anette Tronnier nach sieben Jahren in einen Job in der Wirtschaft wechselte. Der Unterrichtsbetrieb laufe weiter und die Gisma Business School sei zahlungsfähig, so Bredemeier. Wie lange noch, kann er nicht sagen. Er habe das Gerücht von der Pleite schließlich nicht in die Welt gesetzt.

Die Landesregierung stehe weiter hinter der Gisma und habe die jährliche Förderung in Höhe von 700.000 Euro bis 2017 in ihrem Haushaltsplan vorgesehen, so der Gisma-Geschäftsführer.

Zudem gebe es Sponsorengelder aus der Wirtschaft. „Die Fördergelder der Wirtschaft sind weit höher als die des Landes“, behauptet er. Und die Sponsorenverträge liefen weit über 2013 hinaus. Ob VW die Zahlung von Fördergeldern in Höhe von jährlich 1,2 Millionen Euro tatsächlich im nächsten Jahr beendet, wie die Hannoversche Allgemeine behauptete, will Bredemeier nicht sagen.

Was er auch nicht sagt: Die Sponsorengelder sind natürlich auch an die Studenten gekoppelt. Warum soll die Wirtschaft eine Schule unterstützen, an der kaum jemand studiert? Die Gisma war 1999 auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder und des Unternehmers und ehemaligen RWE-Chefs Jürgen Grossmann gegründet worden, um den Managementnachwuchs für die niedersächsische Wirtschaft auszubilden.

Doch im letzten Jahr sind die Studentenzahlen dramatisch abgestürzt. 2012 fingen gerade einmal 24 MBA-Studenten an. In besten Zeiten waren es einmal 70, 2010 immerhin noch 55. Bei Studiengebühren in Höhe von 33.000 Euro hat das natürlich auch zu erheblichen Mindereinnahmen geführt. Auch der neue Partime-MBA läuft nicht gerade prächtig. Insgesamt gibt es 26 Teilnehmer – in zwei Jahrgangs-Klassen. Schuld daran dürften auch die internen Querelen sein, die die Business School im letzten Jahr blockierten und mit dem Ausscheiden mehrerer Mitarbeiter endeten.

Seit über einem Jahr hört man so gut wie nichts von der Gisma. Es gebe erste Anmeldungen für den Vollzeit-MBA, der erneut im August starten soll, sagt Bredemeier. Ob es mehr werden als im vergangenen Jahr ist allerdings mehr als fraglich.

Den elfmonatigen Vollzeit-MBA bietet die Gisma in Kooperation mit der amerikanischen Krannert School of Management an der Purdue University an. Die Absolventen bekommen einen Abschluss der US-Schule. Das lässt sich Purdue teuer bezahlen. 1,9 Millionen Dollar pro Jahr muss die Gisma an die Amerikaner zahlen, erklärt Bredemeier. Eine abstrus hohe Summe, vor allem für so wenige Studenten. Laut Gisma-Geschäftsführer hat die Schule ihre Rate im Januar an Purdue bezahlt und wird auch die im April fällige Rate zahlen, sobald die Rechnung vorliegt.

Im Klartext heißt das, dass das Geld von Land und Wirtschaft vor allem nach Purdue fließt. Zwar hieß es bereits 2011, als sich die Gisma schon einmal in erheblicher finanzieller Schieflage  befand, Purdue wolle auf Geld verzichten und den Betrag schrittweise senken. Doch passiert ist offenbar nichts.

Neben dem Vollzeit-MBA bietet die Gisma seit Jahren mit Purdue und zwei weiteren Business Schools in den Niederlanden und Ungarn einen 22monatigen, berufsbegleitenden Executive MBA an, der unter dem Namen “International Master’s in Management Program (IMM)” läuft, und dessen Module jeweils an den Partnerschulen stattfinden. Die Absolventen bekommen einen Abschluss von Purdue und einen einer europäischen Schule. Dabei wurde die Zahl der Partnerschulen Ende letzten Jahres auf nun insgesamt sieben Partnerschulen erweitert. Das Modul, das bisher an der Gisma stattfand, fällt dabei – zumindest in diesem Jahr – aus. Und auf der Website der Gisma ist das Programm inzwischen so versteckt, dass es nur wenige Interessenten überhaupt finden dürften.

Am vergangenen Montag gab es Gespräche über die Zukunft der Gisma, die offenbar ohne Ergebnis endeten. Die Landesregierung und auch der einstige Mitgründer Jürgen Grossmann schweigen. „Wir haben beschlossen, dass die Gespräche fortgesetzt werden“, sagt Bredemeier. „Wir haben das als positives Signal gesehen. Ich bin Geschäftsführer, ich muss das positiv sehen.“

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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