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Gisma Business School ist pleite

Von am 15. Mai 2013

Die Gisma Business School in Hannover hat gestern einen Insolvenzantrag gestellt. Nun sucht man Lösungen für die MBA-Studenten. Gescheitert ist die 1999 gegründete Business School nicht nur an stets zu knappen Finanzmitteln, sondern auch an Managementfehlern.

Die Probleme zeichneten sich bereits Mitte 2012 ab, als die Business School lediglich 24 Studenten für ihren Vollzeit-MBA gewinnen konnte. In besten Zeiten waren es einmal 70. Daraus hätten sich zwangsläufig Finanzierungsengpässe ergeben, die sich auch für das Jahr 2013 belastend auswirkten, so die Presseerklärung.

Auch das in den letzten Wochen konsequent durchgeführte innerbetriebliche Sparprogramm habe nicht verhindern können, dass sich die Zahlungsfähigkeit der Gisma nachhaltig verschlechterte. Vor nicht einmal zwei Wochen wehrte sich der – erst seit Februar tätige – Geschäftsführer Sonning Bredemeier noch gegen Pleite-Gerüchte und wollte erst einmal in Ruhe die ersten hundert Tage in seinem neuen Job absolvieren.

Grund für das Finanzloch sind auch die hohen Gebühren von 1,9 Millionen Euro, die die Gisma pro Jahr an die amerikanische Krannert School of Management an der Purdue University zahlen muss. Die Absolventen bekommen einen Abschluss der US-Schule, was sich diese teuer bezahlen lässt. Warum die Gisma-Stiftung daher nicht bereits im vergangenen Jahr mit Purdue über eine Reduzierung der Summe aufgrund der wenigen Studenten verhandelt hat, bleibt rätselhaft. Die Gisma-Geschäftsführung war dazu nicht befugt.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Volker Müller, Vorstand der Gisma Stiftung, nun die Amerikaner für das Scheitern mitverantwortlich macht. In besonderer Weise negativ wirke sich für die Zukunft der Gisma aus, dass die Purdue Universität im Alleingang den Prozess der Zulassung von Kandidatinnen und Kandidaten für das im August diesen Jahres beginnende MBA Programm gestoppt habe, heißt es in der Pressemeldung. „Diese Maßnahme der Verantwortlichen an der Purdue Universität ist weder vertragsgemäß noch entspricht sie einem fairen partnerschaftlichen Umgang“, so Müller. Allerdings ist fraglich, ob es überhaupt genug Anmeldungen gab.

Zumindest scheint die Kommunikation mit Purdue nicht die beste gewesen zu sein. So erklärte Purdue-Professor David Schoorman, bis Juli 2012 Dean der Gisma und seitdem verantwortlich für den berufsbegleitenden MBA, noch vor zwei Wochen, dass er außer den Presseberichten auch nichts von der finanziellen Situation der Gisma wisse.

Die Gisma habe im Rahmen des Insolvenzverfahrens drei Monate Zeit, um für die verbleibenden Studenten der MBA Programme zielführende Lösungen zu finden, erklärt Gisma-Geschäftsführer Bredemeier. Trotz der Insolvenz der Gisma würden die Studenten des aktuellen Vollzeit-MBAs ihr Studium wie vorgesehen Mitte des Jahres beenden können. Für die beiden Wochenend-MBA-Programme, die Ende 2013 bzw. Ende 2014 abgeschlossen werden sollten, suche man noch nach Lösungen, die es den Teilnehmern ermöglichen, ihren angestrebten Abschluss erreichen zu können.

Finanziert wird die Gisma vom Land Niedersachen, Sponsorengeldern aus der Wirtschaft und den Studiengebühren.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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