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Executive MBA in China: Regierung greift durch

By on 18. Dezember 2014

Beim Kampf gegen Korruption hat Chinas Regierung hohe Beamte und Manager von Staatsunternehmen gezwungen, ihr Executive MBA Studium abzubrechen. Manche Programme dienten offenbar vor allem dazu, Managern die Kontaktaufnahme zu einflussreichen Staatsdienern und Politikern zu ermöglichen und teils soll das Netzwerken dabei einen größeren Stellenwert gehabt haben als das akademische Studium.

Bereits im August hatte die chinesische Regierung angekündigt, die weit verbreitete Praxis zu unterbinden, dass Kader der kommunistischen Partei, Regierungsbeamte und Manager von Staatsbetrieben an teuren Managementtrainings wie dem Executive MBA Studium teilnehmen. Grund ist die – wohl nicht unberechtigte – Befürchtung, dass die Studiengänge von Geschäftsleuten vor allem dafür genutzt wurden, Kontakte zu wichtigen Staatsdienern oder Politikern zu bekommen, um diese für ihre Geschäfte zu nutzen.

Zwar sollen die Schulen zunächst entsetzt über die Anordnung gewesen sein, inzwischen sollen einige aber zugeben, dass das Netzwerken in manchen Programmen einen größeren Stellenwert hatte als das akademische Studium, schreibt die Financial Times.

Am stärksten seien die prestigeträchtigsten Schulen mit den teuersten Studiengebühren von der Anordnung betroffen. So verlange die Guanghua School an der Peking University für ihr zweijähriges EMBA-Studium 620,000 Renminbi (81.000 Euro). An der benachbarten Tsinghua School of Economics and Management sind es 560.000 Renminbi (73.000 Euro).

An der Guanghua School sollen bereits zwischen 10 und 20 Prozent der 800 EMBA-Studenten das Studium aufgeben haben oder demnächst aufgeben. An der Tsinghua School of Economics and Management sollen sogar mehr als 30 Prozent betroffen sein. Für die Schulen bedeutet das, dass sie hohe Summen an bereits bezahlten Gebühren zurück zahlen müssen.

In vielen Fällen sollen Regierungsbeamte auch Stipendien von den Schulen bekommen haben, um an dem Programm teilzunehmen und dieses attraktiv für Manager aus anderen Unternehmen zu machen.

Offen ist allerdings, wo die Manager von Staatsbetrieben künftig ihr Managementwissen erwerben sollen, das sie dringend brauchen. Die Anordnung gilt jedoch nicht für Führungskräfte auf der mittleren Managementebene, die ihre Studiengebühren selbst zahlen. Sie können ihr Studium beenden. Davon profitieren vor allem die günstigeren Schulen wie die Business School der Tongji University in Shanghai, wo das Studium nur 328.000 Renminbi (43.000 Euro) kostet und 80 Prozent der Staatsangestellten ihre Studiengebühren selbst bezahlen.

Die betroffenen chinesischen Schulen bieten auch Partnerprogramme mit US-Schulen und europäischen Schulen an. So gibt es am INSEAD einen gemeinsamen Executive MBA mit Tsinghua, die Kellogg School of Management und die ESADE Business School kooperieren mit der Guanghua School und die Mannheim Business School hat ein gemeinsames Executive MBA Programm mit Tongji.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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