Ex-EBS-Präsident Jahns: Gründerszene.de verbreitet Fake News • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Ex-EBS-Präsident Jahns: Gründerszene.de verbreitet Fake News

By on 9. Juni 2017
Gründerszene mit Fake-News Gründerszene.de mit Fake-News

Das Online-Magazin „Gründerszene“ verbreitet Fake News und behauptet, das Strafverfahren wegen Untreue gegen den Ex-EBS-Präsidenten Christopher Jahns wurde 2014 eingestellt. Der Verdacht habe sich „nie erhärtet“.

„Vom Uni-Rektor zum Hochschul-Gründer“ titelt Redakteur Marco Weimer auf Gründerszene.de, dem nach eigenen Angaben führenden Online-Magazin für die Start-up-Szene. „In Potsdam soll eine neue private Hochschule rund ums Thema Digital-Geschäft entstehen. Christopher Jahns erklärt, wie sie sich von anderen Unis unterscheiden soll“, heißt es im Vorspann. Und weiter „Hinter dem Projekt steckt Christopher Jahns, ehemaliger Präsident der European Business School (EBS). Er musste 2011 seinen Posten räumen, weil ihm Veruntreuung von Universitätsgeldern zur Last gelegt wurde. Der Verdacht hat sich nie erhärtet, 2014 wurde der Prozess eingestellt. Mit der XU versucht der Wirtschaftswissenschaftler und Ex-Rektor nun einen Neustart hinzulegen.“ Das ist falsch.

Der ehemalige Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht stand seit April 2013 wegen des Verdachts gewerbsmäßiger Untreue in Wiesbaden vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, dass er 180.000 Euro veruntreut hat. Das Geld wurde von der EBS an die Beratungsfirma BrainNet überwiesen, an der Jahns damals beteiligt war, ohne dass es – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – dafür entsprechende Leistungen gab. Die Gelder sollen dann von BrainNet an seine eigene Firmen in der Schweiz weitergeleitet worden sein. Jahns bestreitet seine Schuld.

Im Oktober 2014 wurde das Strafverfahren vorläufig eingestellt, weil ein psychiatrisch-neurologisches Gutachten dem Angeklagten bescheinigte, verhandlungsunfähig zu sein. Ob sich die Vorwürfe erhärten lassen oder nicht, ist daher bis heute nicht geklärt.

Im Dezember 2016 bestätigte das Gericht, einen neuen Gutachter damit beauftragt zu haben, die Verhandlungsfähigkeit von Jahns erneut zu überprüfen. Nach Auskunft des Gerichts liegt das neue Gutachten noch nicht vor.

Einstellen kann das Gericht das Verfahren nicht. Dazu bedarf es der Zustimmung der Staatsanwaltschaft. Und die besteht weiter auf die Wiederaufnahme des Hauptverfahrens, sollte Jahns wieder verhandlungsfähig sein, wie der Pressesprecher erneut bestätigt. Eine vorzeitige Verhandlungsbeendigung, wie sie von Jahns Strafverteidiger Alfred Dierlamm gefordert wurde, habe man abgelehnt.

Ein Ende des Strafverfahrens ist also vorerst nicht in Sicht. Die Verjährungsfrist für gewerbsmäßige Untreue in einem besonders schweren Fall – so wie es in der Anklage formuliert ist – liegt bei zehn Jahren ab dem Zeitpunkt der vorläufigen Einstellung des Strafverfahrens. Das wäre Oktober 2024.

Die Anklage wegen des Verdachts gewerbsmäßiger Untreue schwebt also weiter über dem laut bisherigem Gutachten psychisch schwer angeschlagenen und daher verhandlungsunfähigen Hochschulgründer.

Dabei musste der Ex-EBS-Präsident bei seiner neuen Digital-Uni schon einen Rückschlag einstecken. So scheiterte er mit der Anerkennung als Hochschule in Berlin. Nun versucht er es in Brandenburg, das jedoch zuerst eine Konzeptprüfung durch den Wissenschaftsrat fordert.

Dafür soll das Geschäft mit der Managerweiterbildung bereits brummen. Allein im ersten Jahr habe man schon mehr als 4.000 Teilnehmer aus Unternehmen geschult, erklärt Jahns in dem Video. „Der Corporate-Teil läuft wie verrückt.“ Im September 2018 sollen dann fünf Studiengänge in Potsdam starten. Sechs Inverstoren habe er schon gewonnen. Und auch ein großer Investor aus dem Silicon Valley soll bereits Interesse gezeigt haben. Da kann die Fake News bei Gründerszene.de sicher gute Dienste leisten.

PS: Auch nach einem entsprechenden Hinweis an den Redakteur korrigierte Gründerszene.de die falschen Aussagen nicht.

 

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Martin Gertler

    11. Juni 2017 at 0:20

    Gründungsvorhaben von nichtstaatlichen Hochschulen werden vom Wissenschaftsrat nicht „akkreditiert“. Akkreditierungen sind nur bei seit mehreren Jahren bestehenden Einrichtungen möglich. Vielmehr wird vom Wissenschaftsrat eine „Konzeptprüfung“ angeboten und durchgeführt, die allerdings in ihren Kriterien der (späteren) Akkreditierung gleicht.

    • Bärbel Schwertfeger

      11. Juni 2017 at 7:45

      Das stimmt natürlich. Vielen Dank für den Hinweis.

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