European MBA Career Fair: Der große Flop • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

European MBA Career Fair: Der große Flop

By on 10. März 2011

Eigentlich wollten die Initiatoren für ihre 2. European MBA Career Fair am 4. April in Berlin in diesem Jahr noch mehr Partnerschulen aus Europa gewinnen als im Vorjahr. Doch nun stehen die Gisma Business School und HHL- Leipzig Graduate School of  Management mit ihren rund 80 Vollzeit-MBA-Studenten allein da. Die eingeladenen  Schulen haben alle abgesagt. Doch damit nicht genug. Nun verbreitet Kooperationspartner MBA Channel auch noch falsche Informationen.

Eigentlich war die Idee gut. Die führenden deutschen Business Schools tun sich zusammen und bieten ihren Studenten auf einer gemeinsamen Messe die Möglichkeit, mit künftigen Arbeitgebern in Kontakt zu kommen. Jede Schule nützt dabei ihre Kontakte  zu Unternehmen. Die erhalten vorab die Lebensläufe aller teilnehmenden Studenten.

Am Vormittag finden Workshops statt, am Nachmittag werden Einzelinterviews geführt, parallel dazu finden offene Foren und Firmenpräsentation statt. Und um die Qualität der MBA-Programme zu sichern, dürfen nur Schulen mit einer Akkreditierung von AACSB, Equis oder Amba teilnehmen.

Das war das Konzept der ersten MBA Career Fair vor sieben Jahren. Mit dabei waren die Gisma Business School, die HHL-Leipzig Graduate School of Management, die Mannheim Business School und die WHU – Otto Beisheim School of Management. Doch dann gab es Streit. Mannheim und die WHU stiegen aus.

2010 wurde die MBA Career Fair dann zur European MBA Career Fair. Erstmals waren  auch europäische Schulen wie Audencia Nantes -School of Management (Frankreich),  MIP Politecnico di Milano (Italien) und die Warwick Business School (Großbritannien) dabei. Knapp 300 Studenten sollen – laut Pressemeldung – dort auf Personalleiter getroffen sein. Nur die Unternehmen machten sich rar. Viel mehr als eine Handvoll  Firmen war nicht vertreten – schließlich war ja auch noch Wirtschaftskrise.

Dieses Jahr sollte alles viel größer werden. Doch dann lief so einiges schief. Eingeladene Schulen wie das italienische MIP, die niederländische TiasNimbas Business  School oder die ESMT in Berlin standen plötzlich als Teilnehmer-Schulen auf Web-
sites wie studyguide24.net, hatten aber wohl nie zugesagt.

Man sei zwar als Partner eingeladen gewesen, habe aber aus zwei Gründen abgelehnt, erklärt die ESMT. Zum einen beginne das MBA-Studium an der ESMT erst im Januar und der April sei daher viel zu früh für die Jobsuche. Zum anderen hätten die Studenten an dem bereits festgelegten Datum den ganzen Tag Unterricht. Daher sei die ESMT wieder von der Website entfernt worden.

Audencia Nantes schreibt, dass ihre Studenten zwar teilnehmen könnten,  die Schule aber keine Partnerschule mehr sei und daher auch keine Unternehmen für  das Event rekrutiere. Man habe im letzten Jahr Probleme gehabt, seine französischen Partnerfirmen von einer Teilnahme an der Messe zu überzeugen.

Nun mangelt es den Veranstaltern also an Studenten. Deshalb haben sie nun Studenten  aller akkreditierten europäischen Schulen zu der Messe eingeladen. Doch ob jemand dafür extra aus Mailand oder Nantes anreist, ist fraglich. Immerhin hat man diesmal laut Website sieben Unternehmen gewonnen: Deutsche Post/DHL Inhouse Consulting, Henkel, ECE, Bertelsmann, SAP, Barilla und BASF. Doch für die ist die Auswahl mit rund 80 Studenten nicht allzu groß. Schließlich haben sowohl Unternehmen als auch Studenten ihre Präferenzen.

Ist das alles schon peinlich genug, so verbreitet der Kooperationspartner der 2.European MBA Career Fair, das Webportal MBA Channel nun auch noch jede Menge falsche Informationen. So schreibt Chefredakteurin Barbara Bierach am 9.März: „Es beteiligen sich Business Schools aus Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien“. Rekruiting-Experten hätten so die „Chance, ihre Wunschkandidaten unter 150 handverlesenen jungen Führungskräften in Berlin zu treffen“. Und: „Nach der ersten European MBA Career Fair im vergangenen Jahr hatten zehn Prozent der Teilnehmer mindestens ein Stellenangebot durch Kontakte, die sie auf der Messe aufgebaut hatten.“

Das galt jedoch nur für die ursprüngliche MBA Career Fair – wie es deutlich auf der Website der MBA Career Fair steht. Das sei wohl „eine MBA-Channel-Eigenkreation und aus was auch immer alles zusammen geschrieben“, heißt es dazu von der Gisma.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

  1. Dennis

    13. März 2011 at 21:09

    Lehrreicher Artikel. Bereichernd, wenn man das Thema auch mal aus einem anderen Blickwinkel ansehen kann.

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