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ESMT sondiert Fusion mit der Frankfurt School

By on 20. Juli 2011

Es gibt offenbar Überlegungen, die European School of Technology and Management (ESMT) in Berlin mit der Frankfurt School of Finance and Management zu fusionieren. Während die Frankfurter Privat-
uni von einem Zusammenschluss profitieren könnte, dürfte es bei der ESMT eher um eine elegante Abwicklung der von 25 deutschen Konzernen gegründeten Business School handeln. Denn die 2002 als „deutsches Harvard“ angetretene Business School gilt als gescheitert.

Das Treffen Ende Juni war geheim, das Thema brisant. „Creating a leading European Business School in Germany: A joint vision for ESMT and Frankfurt School“ lautet der Titel der Präsentation, über die Allianz-Chef und Vorstand der ESMT Stiftung, Michael Diekmann und McKinsey-Deutschland-Chef Frank Mattern auf der Seite der ESMT mit Frankfurt-School-Präsident Udo Steffens und dem Commerzbank-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Peter Müller diskutiert haben sollen. Müller ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Frankfurt School.

Für die Frankfurt School könnte die Fusion durchaus Vorteile bringen. Die ehemalige Hochschule für Bankwirtschaft hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, ist finanziell gesund und möchte sich gern breiter im Managementbereich aufstellen und wachsen.

Für die ESMT wäre eine mögliche Fusion wohl eher ein Eingeständnis des Scheiterns. Denn die Ge-
schichte der ESMT ist vor allem ein Lehrstück darüber, wie man es nicht macht. Von Anfang an fehlten ein überzeugendes Konzept und genügend Geld. Noch immer mangelt es an Professoren und Studenten sowie der Attraktivität im internationalen Markt. Die beiden MBA-Studiengänge mit insgesamt 106 Studenten können wohl nur überleben, weil es massive Stipendien gibt.

200 Millionen Euro Stiftungsvermögen wollte man bis 2012 eingesammelt haben. Doch bisher sind es gerade mal 115,2 Millionen Euro. 2010 schossen die Unternehmen noch eine Geldspritze in Höhe von 22 Millionen Euro nach. Weitere 28 Millionen Euro wollen sie „in den nächsten Jahren“ einzahlen. Die Unternehmen würden das Geld „kollektiv einbringen“ und zwar so, wie es für jedes Unternehmen passe, erklärte Pressesprecher Farhad Dilmaghani. Das klingt nicht gerade nach einem großen Commit-
ment. Insider berichten seit langem, dass etliche der Sponsoren längst nach einem Ausstieg aus dem Millionengrab suchen. Da wäre eine Fusion sicher eine gute Möglichkeit.

Bemerkenswert ist vor allem der Alleingang von Diekmann und Mattern. McKinsey gehört – neben der Allianz, Bosch, Eon, Lufthansa, SAP, Siemens, Telekom, ThyssenKrupp und anderen – nicht nur zum illustren Kreis der Sponsorunternehmen, sondern soll damals auch das Konzept für die ESMT geschrie-
ben haben.

„Es gibt immer wieder Gespräche über mögliche Kooperationen bis hin zu Zusammenschlüssen von Business Schools. Es gibt auch ein Papier der Frankfurt School mit dem von Ihnen zitierten Titel.  Dieses Papier ist aber nie in irgendeinem Gremium der ESMT diskutiert worden“, erklärte Diekmann auf Anfrage am Dienstag. Inzwischen sollen auch Sponsorunternehmen und ESMT-Mitarbeiter über den Fusionsplan informiert worden sein.

www.esmt.org
www.fs.de

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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