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ESMT: Gekaufter Journalismus?

Von am 11. Juni 2011

Farhad Dilmaghani, Pressechef der ESMT, hat eine etwas eigenwillige Auffassung von Pressearbeit und informiert offenkundig nur Journalisten, die positiv über die ESMT schreiben. Dafür stellt er kritischen Journalisten gern positive Artikel aus der internationalen Presse zur Verfügung. Doch deren Unabhängigkeit ist zumindest teilweise fraglich.

Nicht einmal eine schriftliche Antwort auf einige Fragen zur Executive Education will Herr Dilmaghani geben. Dafür verweist er darauf, dass jedes Jahr „sehr viele positive Artikel“ über die ESMT erscheinen, „insbesondere in der internationalen Presse in den letzten vier Wochen beispielsweise in Le Figaro und in El Pais, die ich Ihnen gerne auf Nachfrage zur Verfügung stellen kann“.

Mit der internationalen Presse ist das allerdings so eine Sache. Einmal lassen sich ausländische Medien gern von den hinter der ESMT stehenden Konzernen wie Allianz, Deutsche Bank und Siemens blenden oder fallen auf die geschickt formulierten Pressemeldungen herein und setzen etwa die „Faculty Members“ mit Vollzeit-Professoren gleich. So brüstete man sich erst vor kurzem mit „31 Fakultätsmitgliedern“ aus 20 Ländern. Nimmt man nur die eigenen Professoren der Schule, kommt man jedoch lediglich auf 24. Dabei wollte man bereits bis 2009 schon 30 Professoren gewonnen haben.

Zum anderen ist da noch die Zusammenarbeit mit der britischen PR-Agentur BlueSky. „Für ausländische Medien arbeiten wir punktuell auch mit der Agentur BlueSky zusammen“, bestätigt Dilmaghani. Gründer der PR-Agentur ist laut eigenen Angaben Matt Symonds, der wiederum als Journalist für renommierte Medien wie Economist, Businessweek und Forbes, aber auch für das Handelsblatt schreibt. „Die ESMT nimmt dabei keinen Einfluss auf Blogeinträge oder Artikel, die Matt Symonds als Experte im MBA-Bereich schreibt“, betont der ESMT-Pressechef.

Da mutet es doch etwas seltsam an, dass Symonds zum Beispiel auf der rumänischen Website Dailybusiness im März einen – natürlich positiven – Artikel ausschließlich über die ESMT veröffentlicht hat. Vermutlich ist das nur Zufall – genauso wie die Tatsache, dass die ESMT auch in anderen Artikeln sowie auf dem Blog von Symonds – oftmals als einzige deutsche Schule – bemerkenswert oft erwähnt wird.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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