ESMT: erneute Informationsblockade • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

ESMT: erneute Informationsblockade

By on 2. Juni 2011

Die ESMT verweigert Informationen. Es ist nicht das erste Mal, dass die von 25 Konzernen finanzierte Business School mit ihrer fragwürdigen Kommunikationspolitik auffällt. Offenbar hat man so einiges zu verbergen.

„Wir sagen nichts, wir kommentieren nichts, uns ist egal, was die Medien schreiben – das war das Motto für die Pressearbeit der European School of Management and Technology (ESMT), als sie 2002 von 25 Konzernen gegründet wurde. Viel hat sich nicht geändert. Auch heute noch werden Informa-
tionen verweigert, vor allem wenn ein Journalist keine positiven Artikel schreibt.

Nachdem Gerhard Cromme sich jahrelang weigerte, überhaupt mit Journalisten über die ESMT zu sprechen, war der neue Präsident Lars-Hendrik Röller zugänglicher und 2007 durfte ich sogar mit ihm sprechen. Doch der Artikel in der Financial Times Deutschland mit dem Titel „Leer-Veranstaltung“ gefiel ihm nicht. Ein Jahr später kam daher die schriftliche Belehrung, dass man ausschließlich mit anderen Journalisten spreche.

Doch weil die ESMT dann doch irgendwie Einfluss auf den Artikel bei Spiegel online haben wollte, versuchte man es auf die linke Tour. Man beauftragte die PR-Agentur Hill&Knowlton, bei der Redaktion anzurufen und dieser – und nicht der Autorin des geplanten Artikels – ein Interview mit Herrn Röller anzubieten. Geholfen hat das nicht.

Dann kam Herr Dilmaghani als neuer Pressesprecher. Viel besser wurde es nicht. Ein Beispiel: Auf die Frage, wie viele der MBA-Studenten an der ESMT ein Stipendium bekommen, sagt Herr Dilmaghani, dass er die genauen Zahlen nicht kenne. Man solle doch „ungefähr“ schreiben. Auf die erneute Bitte um konkrete Zahlen reagiert er beleidigt. Vermutlich will er eben nicht zugeben, dass wohl jeder MBA-Student irgendeines der zahlreichen Stipendien bekommt.

Ein weiterer Versuch: Die Bitte um ein Gespräch mit Olaf Ploetner, dem Verantwortlichen für Weiterbildung. Es geht um einen Artikel über Executive Education in Deutschland. Auf die Anfrage per E-Mail gibt es keine Antwort. Auf erneute Nachfrage heißt es dann: „Bei uns sind alle zur Zeit sehr im Stress“ – und zwar in den nächsten drei Wochen. Nach dem Hinweis, dass das nicht gerade für eine professionelle Pressearbeit spricht, ist Herr Dilmaghani beleidigt. Noch ein letzter Versuch: Ein paar Fragen mit der Bitte um schriftliche Beantwortung. Doch Herr Dilmaghani schreibt: „Wir bitten Sie zukünftig von Anfragen an die ESMT und Angehörige der Hochschule abzusehen.“ Natürlich wurde auch Olaf Ploetner ein Maulkorb verpasst.    

Eigentlich schade. Denn die ESMT hatte sich gerade erst im Ranking der Financial Times zu Executive Education erstaunlich gut positioniert. Allerdings bleiben einige Fragen offen. So schneidet die ESMT zum Beispiel beim Kriterium „new skills & learning rank“ auffallend schlecht ab – ein nicht gerade unbedeutendes Kriterium.

Laut Informationen von Insidern sollen die offenen Seminare alles andere als gut laufen. Obwohl die Sponsorunternehmen sie ihren Mitarbeitern oftmals wie Sauerbier anbieten, wollen wohl nur wenige Mitarbeiter zu einem ESMT-Seminar. Auch beim Executive MBA hört man von so manchem Fall, bei dem Unternehmen ihre Mitarbeiter nur dann beim Studium unterstützen, wenn sie es an der ESMT absolvieren – doch die wollen lieber an eine andere Schule und zahlen das Studium dafür sogar selbst.

Und dann sind da noch die Gerüchte, dass einige Sponsorunternehmen schon seit langem mit ihrem Ausstieg bei der ESMT liebäugeln und nun bald ernst machen wollen.

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,572220,00.html

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Pingback: ESMT: Gekaufter Journalismus?

  2. Sepp

    6. Juni 2011 at 20:40

    Ob die ESMT an sich oder offensichtlich auch ihre Medienarbeit, es ist Murks von vorne bis hinten. Ein Wunder dass nicht schon einige der sponsernden Unternehmen abgesprungen sind.

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