Ermittlungen gegen EBS-Präsident Jahns: Warum schweigt der Aufsichtsrat? • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Ermittlungen gegen EBS-Präsident Jahns: Warum schweigt der Aufsichtsrat?

By on 14. März 2011

Schon vor einigen Wochen forderten neun Professoren und ein Prorektor den Rücktritt
von EBS-Präsident Christopher Jahns, auch drei von vier Geschäftsführern sprachen
sich gegen ihn aus und der akademische Mittelbau verlangt Aufklärung. Doch der Auf-
sichtsrat steht weiter hinter ihm. Dabei haben seine Mitglieder interessante Ver-
flechtungen mit dem System Jahns, wie der SPIEGEL in seiner heutigen Ausgabe
schreibt. Berufen wird der Aufsichtsrat wiederum vom Vorstand der Stiftung zur För-
derung der EBS. Seine Mitgliederliste liest sich wie das Who is Who der deutschen
Wirtschaft.

Seit Wochen steht die EBS in den Schlagzeilen, weil EBS-Präsident Jahns unter dem
Verdacht steht, über Jahre seine Tätigkeit als Hochschulpräsident mit privaten Ge-
schäftsinteressen vermischt zu haben – zum Beispiel durch Auftragsvergabe an eines
der 17 Beratungsunternehmen, an denen er selbst beteiligt ist. Inzwischen wurden
die Ermittlungen an das Landeskriminalamt delegiert. Der Kanzler der EBS soll be-
reits mehrmals vernommen worden sein.

Während die Hochschule seit Wochen weitgehend gelähmt ist und der Imageschaden von
Tag zu Tag größer wird, klebt EBS-Präsident Jahns an seinem Sessel. Unter den Mitar-
beitern wächst der Frust, den Studenten sollen bereits Sponsorengelder wegbrechen
und gerade international umworbene Professoren reagieren sehr sensibel auf die Ge-
fahr eines Imageschadens ihrer Hochschule. Neun Professoren haben Jahns bereits of-
fen zum Rücktritt aufgefordert.

Der behauptet seit Wochen, das Ganze sei eine Kampagne von aktuellen und ehemali-
gen EBS-Mitarbeitern. In einem Artikel im Wiesbadener Kurier von heute nennt er so-
gar Namen – und liegt damit ziemlich daneben.

„Die Versammlung war sehr auf die juristischen Probleme ausgerichtet. Jedoch finden
wir, dass man unbedingt auch die ethisch-moralische Verantwortung in Betracht zie-
hen sollte – gerade wenn sich die EBS auf dem Kurs befindet, den „Manager-Eid“ ver-
stärkt in den Fokus des öffentlichen Interesses zu rücken“, schreibt ein Vertreter
des akademischen Mittelbaus in einer Email im Anschluss an eine außerordentliche Be-
triebsversammlung am 16.Februar. „Thema Imageschaden: Die Frage, die wir aus dem
akademischen Mittelbau an Sie weitergeleitet hatten, wurde leider nicht beantwortet.
Daher: Wir würden Sie bitten dazu Stellung zu beziehen, wie man sich den heutigen
Probleme stellt, für Transparenz sorgt und wie künftig mit solchen „Kampagnen“ um-
gegangen werden soll. Wurde aus den Erfahrungen gelernt und kann von einer zielfüh-
renderen Pressearbeit ausgegangen werden, wenn sich etwas Derartiges wiederholen
sollte?“

Die zielführende Pressearbeit sieht derzeit wohl so aus, dass Fragen von unliebsa-
men Journalisten nicht beantwortet werden. Anfragen werden offenbar mit einem Stan-
dardtext abgespeist. So antwortet Hellmut K. Albrecht, Vorsitzender des Aufsichtsra-
tes EBS gGmbH: „Herr Prof. Jahns hat unverändert das volle Vertrauen des Aufsichts-
rates als Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Gründung und
als CEO unserer EBS gGmbH. Der Aufsichtsrat hat bei der Prüfung der Angelegenheit
den Eindruck gewonnen, dass in bestimmten Kreisen die Absicht besteht, die erfolg-
reiche Umsetzung der Strategie der EBS durch vage Anschuldigungen und die unrecht-
mäßige Weitergabe interner Unterlagen, die teilweise absichtlich verändert wurden,
zu verhindern. Wie Sie wissen, sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wiesba-
den noch nicht abgeschlossen. Alle dem Aufsichtsrat vorliegenden Unterlagen sind
der Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Wir werden auch in Zukunft alles da-
ran setzen, dass die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht beeinträch-
tigt werden. Aus diesem Grunde sind wir auch nicht bereit, öffentlich zu internen
Vorgängen der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Gründung Stellung zu neh-
men.“

Doch warum hält der Aufsichtsrat so verbissen an Jahns fest, obwohl inzwischen of-
fenbar klar ist, dass sich die Ermittlungen noch länger hinziehen? Laut der letzten
veröffentlichten Bilanz sitzen im Aufsichtsrat folgende Personen:• Dr. Hellmut K.
Albrecht, Vorsitzender des Aufsichtsrates (seit 03.04.2009), Prof. Dr. h.c. Karl-
heinz Hornung, Stellvertretender Vorsitzender (seit 03.04.2009), Prof. Dr. Roland
Mattmüller (seit 24.04.2009) und Dr. Walter Arnold (seit 17.06.2009).
Karlheinz Hornung war bis 2009 Finanzvorstand beim LKW-Hersteller MAN und musste
dann in Folge der Korruptionsaffäre gehen. Er soll Jahns noch von seiner Tätigkeit
bei der Metallgesellschaft kennen. Laut SPIEGEL hat er Jahns Promotion finanziert
und bekam 2006, wenige Monate nachdem Jahns Rektor der EBS geworden war, die
Ehrendoktorwürde der Hochschule verliehen.
Walter Arnold war Staatssekretär für Finanzen in Hessen und war als solcher auch
daran beteiligt, öffentliche Gelder für die geplante Law School in Wiesbaden zu be-
fürworten. Laut SPIEGEL promoviert sein Sohn an der EBS zum Thema – schöner könnte
es nicht sein – Manager-Eid, was EBS-Präsident Jahns im Wiesbadener Kurier bestä-
tigt.
Mattmüller ist nicht nur – wie Jahns – im Weiterbildungsgeschäft tätig, das im Mit-
telpunkt der Vorwürfe steht, sondern hat – wie sie Lebenslauf zeigt – eine wahre
Fülle von Ämtern angehäuft: Seit März 2009 Mitglied im Aufsichtsrat der EBS gGmbH,
seit Mai 2009 Mitglied im Vorstand der Stiftung der EBS, seit 2008 Head of Depart-
ment des Departments für Marktorientierte Unternehmensführung, seit November 2008
Mitglied der Senatskommission Corporate Governance und seit Juni 2007 Stellvertre-
tender Vorsitzender des Senats.

Ernannt wird der Aufsichtsrat von Vorstand der Stiftung zur Förderung der EBS. „Der
Vorstand verwaltet die Stiftung, nimmt die Gesellschaftsrechte der Stiftung an der
EBS Universität wahr und beruft die Mitglieder des Aufsichtsrats der EBS Universi-
tät“, heißt es dazu auf der Website. Seltsam mutet es dabei an, dass im Stiftungs-
vorstand mit Hornung und Albrecht auch die beiden Aufsichtsrats-Vorsitzendenden sit-
zen. Auch Mattmüller gehört zu den Mitgliedern des Stiftungsvorstands. Wählt sich
der Aufsichtsrat also selbst? Die Mitgliedsliste des Stiftungsvorstands liest sich
wie das Who is Who der deutschen Wirtschaft. Das reicht von Topmanagern der Deut-
schen Bank und Deutsche Post über die Lufthansa und Nestlé bis zu ThyssenKrupp und
den beiden Beratungen McKinsey und Roland Berger.
Hier der Auszug von der Website:
Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung zur Förderung der European Business School:
Prof. Dr. h.c. Karlheinz Hornung, Präsident Deutsches Aktieninstitut e. V.
Stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung zur Förderung der Euro-
pean Business School: Dr. Hellmut K. Albrecht, Vorsitzender des Aufsichtsrats der
European Business School (EBS) Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hugo Boss AG
Mitglieder des Stiftungsvorstandes sind:
– Gerhard Berssenbrügge
Vorsitzender des Vorstandes Nestlé Deutschland AG
– Dr. Friedrich Caspers
Vorsitzender des Vorstandes R+V Versicherung AG
– Edwin Eichler
Mitglied des Vorstandes ThyssenKrupp AG
– Jürgen Fitschen
Mitglied des Vorstandes Deutsche Bank AG
– Jürgen Gerdes
Mitglied des Vorstandes Deutsche Post AG
– Martin Krebs
Mitglied des Vorstandes ING-DiBa AG
– Stefan H. Lauer
Mitglied des Vorstandes Deutsche Lufthansa AG
– Frank Mattern
Managing Partner Deutschland McKinsey & Company, Inc.
– Prof. Dr. Roland Mattmüller
Head of Department of Market-oriented Management der EBS Business School (Senatsvertreter)
– Dr. Helmut Müller
Oberbürgermeister, Stadt Wiesbaden
– Yves Müller
Mitglied des Vorstandes Tchibo GmbH
– Dr. Richard Pott
Mitglied des Vorstandes Bayer AG
– Christian A. Rast
CEO BrainNet Supply Management Group AG
– Florian Rentsch
Vorsitzender der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag
– Dr. Stefan Schulte
Vorsitzender des Vorstandes Fraport AG
– Dr. Wolf Schumacher
Vorstandsvorsitzender Aareal Bank AG
– Prof. Dr. Burkhard Schwenker
Vorsitzender der Geschäftsführung Roland Berger Strategy Consultants GmbH
– Dagmar Sikorski
CEO Internationale Musikverlage Hans Sikorski GmbH & Co. KG
– Volker Sparmann
Ehem. Sprecher der Geschäftsführung Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH
– Falk F. Strascheg
Gründungsgesellschafter EXTOREL GmbH
– Matthias Wissmann
Präsident Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA)

Es sei einfach unglaublich, wie die gesamte Hochschule inzwischen durch Jahns demon-
tiert werde, klagt ein EBS-Mitarbeiter. Und leider sei die Hochschule offenbar auch
nicht fähig, selbst für die notwendigen Bereinigungen zu sorgen. Auf Hilfe von der
Deutschland AG kann sie dabei wohl auch nicht hoffen. Dort scheint sich bisher nie-
mand um den Reputationsverlust der EBS Universität in Gründung zu kümmern.

www.spiegel.de
www.wiesbadener-tagblatt.de
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Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

3 Comments

  1. Marco

    21. März 2011 at 15:54

    Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen. Das ist unabhängiger, kritischer Journalismus. Und Scharlatane wie Herr Jahns werden schonungslos demaskiert.

  2. Tobias

    15. März 2011 at 19:48

    Gut gefuehrter Blog, gefaellt mir sehr gut. Auch gute Themen.

  3. Klaus

    15. März 2011 at 12:04

    Liebe Frau Schwertfeger,
    herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Es gibt EBS-intern schon länger keinerlei verlässliche Informationen mehr seitens der Geschäftsführung oder des Aufsichtsrats. Von daher sind wir Mitarbeiter auf Informationen aus der Presse oder dem Hörfunk angewiesen. Bitte machen Sie weiter mit Ihrer sachlichen Arbeit! Ich bin einfach nur froh, dass es in Deutschland noch unabhängige Medien und kritische Journalisten gibt. Chapeau!
    Besten Gruß, Klaus

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