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Economist-Ranking: Bizarre Abstürze

By on 17. Oktober 2011

Im neuen MBA-Ranking von Vollzeit-Programmen des britischen Wirtschaftsmagazins gibt es enorme Abstürze und Aufstiege. Das wirft erneut die Frage auf, wie aussagekräftig Ranglisten sind.

Das britische Wirtschaftmagazin Economist hat zum neunten Mal sein weltweites Ranking über Vollzeit-MBA-Programme herausgebracht. Platz 1 belegt diesmal die Tuck School of Business, gefolgt von der Booth School of Business der University of Chicago und dem IMD in Lausanne, das sich damit um drei Plätze verbessern konnte.

Wenig vertrauenserweckend sind allerdings die falschen Angaben bei den Studiengebühren am IMD. So wird die Total Tuition mit 57 692 Dollar angeben. Die Kosten liegen jedoch bei 85.000 Schweizer Franken, also  95 275 Dollar. Wenn man schon bei so einfachen Daten ungenau arbeitet, dann fragt man sich natürlich, wie der Rest des Rankings zustande kommt.

Das gilt umso mehr für die rasanten Abstürze einiger Schulen. So erreichte die britische Henley Business School im vergangenen Jahr noch Rang 17, diesmal langte es nur für Platz 57. Doch wie lässt sich ein Absturz von 40 Plätzen erklären? Auch die Warwick Business School stürzte von Platz 34 auf Platz 55 ab und die Mannheim Business School liegt auf Rang 42, im Vorjahr war sie noch auf Platz 26. Zu den Absteigern gehört auch die belgische Vlerick Leuven Gent Management School. Landete sie 2009 noch auf Platz 10 weltweit, so fiel sie letztes Jahr auf Platz 47 und erreichte jetzt Platz 41.

Ähnliches gilt für die Aufsteiger. So konnte sich zum Beispiel die Business School der University of Queensland von Platz 81 auf Platz 46 verbessern. Doch wie kann sich eine Schule in einem Jahr so massiv verbessern oder verschlechtern?

35 Prozent der Bewertung machen die Öffnung neuer Karrieremöglichkeiten aus, derselbe Anteil entfällt auf die persönliche Entwicklung und die Bildungserfahrung (Qualität der Professoren, GMAT-Wert und Diversität der Klasse), 20 Prozent macht der Gehaltsanstieg aus und 10 Prozent entfallen auf das Netzwerk-Potential. Detaillierte Angaben findet man hier: Ranking-Methode

Dazu kommt, dass hier einjährige Programme mit zweijährigen Programmen – also Äpfel mit Birnen – verglichen werden. So hat sich das Praktikum nach dem ersten Jahr bei den zweijährigen Programmen als wichtige Möglichkeit erwiesen, dadurch einen Job nach dem Abschluss zu bekommen. Das gilt vor allem für Karrierewechsler, die sonst deutlich schwerer tun, in einer völligen anderen Funktion oder Branche einzusteigen. Bei einjährigen Studiengängen ist für mehrmonatige Praktika naturgemäß keine Zeit.

Ob es nun an Fehlern, falsch erhobenen Daten oder der Methodik liegt – ein Ranking mit derartigen Schwankungen ist wenig hilfreich.

Economist

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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