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Economist: Neues Ranking zum Vollzeit-MBA wirft Fragen auf

Von am 14. Oktober 2013

Zum elften Mal hat das britische Wirtschaftmagazin Economist sein weltweites Ranking über Vollzeit-MBA-Programme herausgebracht. Die Ergebnisse wecken erneut Zweifel an der Aussagekraft der Rangliste. Sieger ist zum dritten Mal in vier Jahren die Booth School of Business an der University of Chicago. Beste europäische Schule ist IESE in Barcelona auf Rang 5. Bester Neueinsteiger ist die ESMT in Berlin auf Platz 30.

Glaubt man dem Economist-Ranking kommen die besten MBA-Programme erneut aus den USA. Unter den 25 Top-Schulen befinden sich 16 US-Schulen. Europäische Topschulen wie das IMD belegen nur Platz 13, INSEAD landet sogar nur auf Platz 26 und schneidet damit sogar sechs Plätze schlechter als die britische University of Bath.

Grund für die US-Dominanz dürften erneut die Bewertungskriterien sein. Denn 35 Prozent der Bewertung macht die Öffnung neuer Karrieremöglichkeiten aus. Derselbe Anteil entfällt auf die persönliche Entwicklung und die Bildungserfahrung (Qualität der Professoren, GMAT-Wert und Diversität der Klasse), 20 Prozent macht der Gehaltsanstieg aus und 10 Prozent entfallen auf das Netzwerk-Potential.

In den USA – und bei IESE – dauern die MBA-Programme zwei Jahre und das mehrmonatige Praktikum nach dem ersten Jahr verbessert die Chancen für neue Karrieremöglichkeiten deutlich mehr als dies bei einjährigen Programmen – wie sie in Europa dominieren – der Fall ist, wo für längere Praktika schlichtweg keine Zeit ist. Das gilt vor allem für Karrierewechsler, die in eine völlig andere Funktion oder Branche umsteigen wollen. Das spiegelt sich auch in der Rangliste wider: Nur acht der 25 besten Programme können in weniger als 18 Monaten absolviert werden.

Aber auch die teils exorbitanten Gehaltssteigerungen werfen erhebliche Zweifel an der Seriosität des Rankings auf. So konnten die MBA-Absolventen von IESE ihr Gehalt nach dem MBA-Abschluss um 153 Prozent steigern, bei der HEC Paris sind es 149 Prozent. In Harvard dagegen nur 50 Prozent und bei Stanford sogar nur 45 Prozent. Selbst der Sieger Chicago kommt nur auf 66 Prozent und das, obwohl die Gehaltssteigerungen nach dem MBA-Abschluss in den USA grundsätzlich deutlich höher sind als in Europa.

Schaut man sich die Zahlen genauer an, wachsen die Zweifel. So verdienen IESE-Absolventen 117.260 US-Dollar. Bei einer Steigerung von 153 Prozent heißt das, dass sie  vor dem Studium lediglich durchschnittlich 46.350 US-Dollar (34.200 Euro) im Jahr verdient haben – und das bei durchschnittlich fünf Jahren Berufserfahrung nach dem Erststudium. Erklären ließe sich das allenfalls dadurch, dass überdurchschnittlich viele Studenten aus Entwicklungsländern kommen.

Auffallend sind auch erneut die eklatanten Auf- und Abstiege. Die University of Queensland setzt ihren rasanten Aufstieg fort. 2010 noch auf Platz 81, 2011 bereits auf Platz 46 und im vergangenen Jahr auf Platz 27, erreicht sie nun Platz 14. Die IE Business School in Madrid stürzte dagegen von Platz 22 auf Platz 50 ab. Besonders krass ist auch der Zick-Zack-Kurs bei der britischen Henley Business School. 2011 stürzte sie von Platz 17 auf Platz 57 ab, erreichte 2012 dann wieder Platz 42 und in diesem Jahr findet man sie überhaupt nicht mehr unter den Top 100. Das heißt, sie schnitt um mehr als 58 Plätze schlechter ab. Solche gravierenden Veränderungen wecken erhebliche Zweifel an der Aussagekraft der Rangliste.

Auch drei deutsche Schulen sind unter den hundert besten Programmen vertreten. Neueinsteiger ESMT landete gleich auf Rang 30. Die Mannheim Business School erreichte Platz 41 (im Vorjahr Platz 36) und die WHU steht auf Platz 99 (im Vorjahr Platz 87). Zahlen zu den Gehältern sind – zumindest auf der Website – nicht veröffentlicht.

Auch wenn Rankings immer umstritten sind, die Ranglisten des Economist erscheinen besonders fragwürdig. Erst im Juli hatte das renommierte Wirtschaftsmagazin sein erstes Ranking zu Executive MBA Programmen herausgebracht, das heftiges Stirnrunzeln auslöste, vor allem weil etliche der weltweit besten Programme in der Rangliste einfach fehlten.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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