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EBS:Stiftungsvorstand: Governance – nein danke!

Von am 24. März 2011

Bayer, Deutsche Bank, Lufthansa, McKinsey, Nestlé und ThyssenKrupp – die Liste der
im Stiftungsvorstand der EBS Universität vertretenen Unternehmen ist lang. Letzte
Woche wurde bekannt, dass EBS-Präsident Christopher Jahns einen Zahlungsplan vorge-
legt haben soll, wonach die EBS in den nächsten Jahren rund 500.000 Euro an die
BrainNet Gruppe zahlen soll, an der der Geschäftsmann Jahns beteiligt ist. Der – vom
Stiftungsvorstand berufene – Aufsichtsrat hatte offenbar nichts dagegen. Und der
Stiftungsvorstand? Der will damit nichts zu tun haben.

Seit Wochen steht die EBS in den Schlagzeilen, weil EBS-Präsident Jahns unter dem
Verdacht steht, über Jahre seine Tätigkeit als Hochschulpräsident mit privaten Ge-
schäftsinteressen vermischt zu haben – zum Beispiel durch Auftragsvergabe an eines
der 17 Beratungsunternehmen, an denen er selbst beteiligt ist. Vergangenen Donners-
tag gab Jahns bekannt, sein Amt bis zu Ende der Ermittlungen ruhen zu lassen. Er
selbst hat die Vorwürfe stets bestritten. Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse bestätigte
dagegen, dass sich der Anfangsverdacht gegen Jahns verdichtet und ausgeweitet hat.
Inzwischen soll das Landeskriminalamt seine Ermittlungen deutlich intensiviert haben.

Auch der ehemalige kaufmännische Leiter des Supply Management Instituts wurde be-
reits stundenlang verhört. Er hatte seine Stelle gekündigt, nachdem er die „Machen-
schaften zum Nachteil der EBS“ nicht mehr mittragen wollte. Dabei ging es unter an-
derem darum, dass Jahns einen Zahlungsplan vorgelegt haben soll, wonach die EBS in
den nächsten Jahren insgesamt rund 500.000 Euro an die BrainNet Gruppe zahlen soll.
Jahns ist auch Präsident der BrainNet AG. Der Mitarbeiter informierte den Aufsichtsrat,
der – nach seiner Aussage – jedoch nichts dagegen unternahm.

Berufen wird der Aufsichtssichtrat vom 23köpfigen Stiftungsvorstand. Dazu heißt es
auf der Website der EBS: „Der Vorstand verwaltet die Stiftung, nimmt die Gesell-
schaftsrechte der Stiftung an der EBS Universität i. Gr. wahr und beruft die Mitglie-
der des Aufsichtsrats der EBS Universität i. Gr. Im Stiftungsvorstand engagieren
sich Vorstände renommierter Unternehmen unterschiedlicher Branchen ebenso wie hoch-
rangige Repräsentanten der Politik. Gemeinsam bilden sie ein repräsentatives Auf-
sichtsgremium, das unsere Hochschule national, als auch international auf höchstem
Niveau vernetzt.“

Aufsichtsgremium? Davon haben die Stiftungsvorstände offenbar noch nichts gehört.
Das zeigen zumindest die Antworten von acht befragten Stiftungsvorständen. Die Frage
lautete: Ist der Stiftungsvorstand damit einverstanden, dass die EBS in den nächsten
Jahren eine Summe von rund 500.000 Euro an Firmen zahlt, an denen EBS-Präsident Jahns
selbst beteiligt ist? Dabei geht es nicht darum, ob sich Herr Jahns strafbar gemacht
hat. Das entscheidet die Staatsanwaltschaft und es gilt die Unschuldsvermutung. Hier
geht es um die mögliche Verletzung der Aufsichtspflichten des Stiftungsvorstands.

„Wir verweisen auf die Pressestelle der EBS. Wir haben dazu nichts zu sagen“, antwor-
tet Christoph Blumenthal, Pressesprecher der Deutschen Bank. Dabei wird Jürgen Fit-
schen, Mitglied des Vorstandes Deutsche Bank, auf der Website der EBS wie folgt zi-
tiert: „Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen unserer Gesellschaft, um Innova-
tion und Wachstum zu stärken… Mit meinem Engagement im Stiftungsvorstand möchte ich
die Bedeutung unterstreichen, die auch die Deutsche Bank diesem Thema widmet.“

Die Pressestelle der Deutschen Lufthansa, wo Personalvorstand Stefan Lauer im Stif-
tungsvorstand sitzt, antwortet: „Das Aufsichtsorgan der EBS Universität ist der Au-
sichtsrat. Zu dessen Arbeit und Aspekten im Zusammenhang mit laufenden, staatsanwalt-
lichen Ermittlungen können wir keine Stellung nehmen. Für den Stiftungsvorstand
spricht dessen Vorsitzender.“ Dass der Vorsitzende des Stiftungsvorstands Karlheinz
Hornung ebenso wie sein Stellvertreter Hellmut K.Albrecht gleichzeitig im Aufsichts-
rat sitzen und damit die Planung der Zahlungen zumindest gebilligt haben, ist der
Lufthansa vielleicht entgangen.

Auch die Antwort von Nestlé-Pressechef Hartmut Gahmann überrascht: „Ich bin weder
Sprecher des Aufsichtsrats noch des Stiftungsvorstands. Daher bin ich auch nicht au-
torisiert, Kommentare über Entscheidungsprozesse der EBS abzugeben. Ich schlage vor,
dass Sie sich an die Gremien wenden, die über die Vorgänge in der EBS informiert
sind.“ Im Stiftungsvorstand sitzt der Vorstandsvorsitzende von Nestlé Deutschland,
Gerhard Berssenbrügge.

Bayer erklärt: „Herr Dr. Pott möchte den Äußerungen des Aufsichtsrats zu diesem The-
ma (zuletzt am 17.3.) nichts hinzufügen. Aus seiner Sicht werde alles getan, um die
Vorwürfe aufzuklären.“ Am 17.März hatte der Aufsichtsrat erklärt: „Der Aufsichtsrat
geht unverändert davon aus, dass sich die Untreuevorwürfe gegen Prof. Jahns als un-
begründet erweisen werden. Er sieht in ihm nach wie vor den – von manchen beneideten
– Initiator und Motor der erfolgreichen, dynamischen Entwicklung der EBS und hält
an der von ihm eingeleiteten Strategie zur Universitätsgründung fest.“ Vorstand
Richard Pott findet also alles in Ordnung.

Bei McKinsey heißt es zunächst, Deutschland-Chef Franz Mattern sei gar nicht im Stif-
tungsvorstand. Ein paar Stunden später korrigiert sich Pressechef Kai Peter Rath. Er
habe sich geirrt. Herr Mattern ist doch im Stiftungsvorstand. Die Stellungnahme über-
rascht wenig: „Zur EBS möchten wir derzeit keinen inhaltlichen Kommentar abgeben.“

Die ING-Diba antwortet für ihren Vorstand Martin Krebs: „Herr Krebs möchte zu dem
Sachverhalt keine Stellung beziehen.“ Und die Deutsche Post (Vorstand Jürgen Gerdes)
und Thyssenkrupp (Vorstand Edwin Eichler) halten es nicht einmal für notwendig, über-
haupt zu antworten.

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Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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