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EBS: Wissenschaft ohne Wissenschaft?

Von am 6. Juni 2017
EBS Universität Wiesbaden EBS EBS Universität Wiesbaden

Vor kurzem hat EBS Executive Education das neue Weiterbildungsprogramm „Socially Responsible Investments (SRI)“ angekündigt, das sich auch auf einen Master-Abschluss anrechnen lässt. Wissenschaftlicher Leiter des siebentägigen „Kompaktstudiums“ ist ein externer Berater. Angeboten wird das Programm vom PFI Private Finance Institute/EBS Finanzakademie, dessen wissenschaftlicher Leiter sich zwar Professor nennen darf, aber kein Professor an der EBS ist.

Das neue Kompaktstudium soll „institutionellen und privaten Investoren aller Asset-Klassen“ zeigen, wie sie die Chancen und Risiken, die aus globalen Entwicklungsprozessen entstehen, verstehen und dieses Wissen für die Gestaltung eines zukunftsfähigen Asset Management nutzen können, heißt es in der Pressemeldung.

Angeboten wird das Programm vom PFI Private Finance Institute/EBS Finanzakademie, dessen wissenschaftlicher Leiter Professor Rolf Tilmes ist, der sich zwar – dank Unterstützung der EBS Universität für Wirtschaft und Recht – noch als Professor bezeichnen darf, aber kein Professor an der EBS mehr ist und dessen private Institute offenkundig eng mit der Hochschule verflochten sind. So gehört zum Beispiel die Domain der Website www.ebs-kontakte.de dem Institut für Private Wealth Management (IPWM), einer 2005 von Tilmes gegründeten GmbH für Unternehmensberatung in Frankfurt.

Wissenschaftlicher Leiter des „Kompaktstudiums“ ist Thomas Schulz, Inhaber der BNU Beratung für Nachhaltige Unternehmensführung in Frankfurt. Der hat zwar an der EBS promoviert, Hinweise auf wissenschaftliche Forschungsaktivitäten lassen sich auf seiner Website aber nicht finden. Die EBS setzt also einen externen wissenschaftlichen Leiter ein, der kein Wissenschaftler ist. Auch unter den Dozenten des Kompaktstudiums gibt es keinen EBS-Mitarbeiter. Und selbst beim PFI Institut findet man keinen Professor der Universität – mit Ausnahme des Honorarprofessors Peter Schaubach.

Wobei man es bei der Positionsbezeichnung nicht so genau zu nehmen scheint. So ist Ralph Jakob (Dipl.-Kaufmann, Finanzökonom, Estate Planner, Commodity Advisor) Wissenschaftlicher Direktor beim PFI Institut, bei der EBS Finanzakademie – die eigentlich identisch sein sollte – aber nur Direktor der EBS Finanzakademie. 

Für die Universität ist der Nicht-Wissenschaftler als wissenschaftlicher Leiter kein Problem: „Die Zertifikatsprogramme, die von der EBS Executive Education GmbH angeboten und durchgeführt werden, sind nach der ISO Norm 9001:2008 zertifiziert“, erklärt die Pressesprecherin. Darunter falle die Entwicklung, Planung, Durchführung und Lenkung betriebswirtschaftlicher Weiterbildung auf Universitätsniveau. In diesem Rahmen würden alle Zertifikatsprogramme „in inhaltlicher, struktureller und personeller Hinsicht geprüft und genehmigt“.

Sofern ein wissenschaftlicher Leiter eines Programms nicht der EBS Universität angehöre, erfolge die Prüfung seiner Eignung durch die Universität nach den Qualitätskriterien, die die EBS an die wissenschaftliche Leitungsfunktion solcher Programme stellt. Welche Qualitätskriterien das sind, ist nicht bekannt. Und zudem steigere die Einbindung von renommierten Fach- und Marktexperten „die Relevanz der Programme, die starke Zielgruppenausrichtung und die Themenaktualität“.

Das Kompaktstudium umfasst eine Studiendauer von „sieben Präsenztagen zuzüglich der Zeit für die Ablegung einer schriftlichen Prüfung“, heißt es in der Pressemeldung. Ein Studientag umfasst dabei zwischen acht und zehn Stunden. Selbst wenn man dabei sieben Tage à zehn Stunden ansetzt, kommt man nur auf 70 Stunden. Doch dafür bekommt man erstaunlicherweise sechs ECTS-Leistungspunkte. Ein ECTS-Leistungspunkt entspricht 25 bis 30 Arbeitsstunden. Das wären also mindestens 150 Stunden, also mehr als das Doppelte.

Die Vergabe der ECTS entspreche den Richtlinien des ECTS Leitfaden der Europäischen Kommission, behauptet die Pressesprecherin. Dabei werde nicht nur die Präsenzzeit im Programm, sondern auch Vor- und Nachbereitung, Klausurvorbereitung sowie etwaige Projektarbeit berücksichtigt. Das lässt sich zwar schwer nachweisen, klingt allerdings nicht sehr glaubwürdig, zumal in der Pressemeldung lediglich die „Zeit für die Ablegung der Prüfung“ erwähnt wird. Auch in der Broschüre heißt es: „Die Studiendauer beträgt insgesamt 7 Tage zuzüglich der Zeiten für das Erbringen der Prüfungsleistungen.“ Einen Hinweis, dass man dabei mindestens noch einmal so viel Zeit benötigt, findet man nicht.

Das Zertifikat „Socially Responsible Investments (SRI)“ ist eines von mehreren Zertifikaten, das man sich auch auf den „Master in Business“ mit Spezialisierung in Wealth Management anrechnen lassen kann und mit sechs ECTS hat man damit bereits ein Zehntel der insgesamt 60 ECTS des Master-Abschlusses erworben. „Diese Anrechenbarkeit auf einen akademischen Abschluss schafft so eine langfristige Entwicklungsperspektive für die Teilnehmer und verbessert die Berufsaussichten der Teilnehmer nachhaltig“, wirbt die EBS.

Das Masterprogramm richte sich an Fach- und Führungs(nachwuchs)kräfte, Berater im Private Banking, Wealth Management oder Family Office sowie den angrenzenden rechts- und steuerberatenden Berufen, die „im Zuge zunehmender Regulierungen des Bereichs Finanzdienstleistungen einen Qualifikationsnachweis in Form eines international anerkannten Universitätsabschlusses nachweisen möchten“, heißt es auf der Website.

Im Klartext also an Finanzberater, denen ein Master-Abschluss aufgrund ihrer fehlenden akademischen Vorbildung in der Regel nicht so einfach möglich ist. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Zulassungskriterien auffallend schwammig formuliert sind. Nicht einmal das Abitur braucht man dafür zwingend. „Eine zweijährige Lehre in einem zum Studium affinen Bereich in Verbindung mit dem Abschluss eines IHK-Fachwirts wird als Äquivalent anerkannt“, heißt es. Und auch ohne abgeschlossene Lehre geht es. Natürlich ist auch kein Bachelor-Abschluss notwendig – eigentlich die Voraussetzung für ein Master-Studium. Ansprechpartnerin für den Master-Studiengang ist im Übrigen Jutta Tilmes, Direktorin des PFI Instituts und  – soweit bekannt – keine Mitarbeiterin der EBS.

Wie das alles zu dem Anspruch der EBS Universität für Wirtschaft und Recht passt, eine der „führenden privaten Wirtschaftsuniversitäten in Deutschland“ mit „wissenschaftlicher Exzellenz in Forschung und Lehre“ zu sein, ist nicht so recht nachvollziehbar. Aber für die EBS ist das alles völlig in Ordnung.

Die Zulassung zum Master erfolge unabhängig vom Zertifikatsprogramm und orientiert sich an den klaren Vorgaben des Hessischen Hochschulgesetzes und der anschließenden Entscheidung des Admissions Committee, schreibt die Pressesprecherin. Das Admissions Committee setze sich aus den Academic Directors, dem Programmmanager, dem Admission Manager des Master-Programms, dem Vice Dean Education und dem “Academic Director Foundation Management” zusammen. Ob es diese Positionen an der EBS überhaupt alle gibt und ob sie besetzt sind, bleibt offen. Auf die Bitte, doch die Namen der entsprechenden Personen mitzuteilen, antwortet die Hochschule nicht – vermutlich aus gutem Grund.

Keine Antwort gibt es auch auf die Frage, ob die EBS inzwischen einen Dean für ihre Business School gefunden hat bzw ob sie überhaupt noch einen sucht. Bereits seit August 2016 ist der bisherige Dekan der EBS Business School, Sebastian Heese, als Professor an einer amerikanischen Universität tätig. Laut EBS war er jedoch bis einschließlich Januar gleichzeitig auch noch EBS-Dekan in Wiesbaden – eine durchaus erstaunliche Leistung.

Seit Februar 2017 ist Professor Markus Kreutzer Acting Dean der EBS Business School. „In dieser Funktion verantwortet er die akademische Führung der Business School bis zur Ernennung eines neuen Dekans“, heißt es auf der Website. Im Klartext: Die Business School hat seit mehr als zehn Monaten keinen ordnungsgemäß ernannten Dekan.

Da ist natürlich die Frage, ob man überhaupt noch einen sucht. Zumindest wurde man noch Anfang Juni von der Website auf die Ausschreibung verlinkt. Dort heißt es: „EBS has been EQUIS accredited since 2012 and stands for excellence in research and teaching.“ Das suggeriert, dass die Business School noch immer über eine EQUIS-Akkreditierung verfügt. Doch die wurde ihr bereits im Dezember 2016 entzogen, was wiederum durchaus auch als Hinweis gesehen werden kann, dass es mit der Exzellenz in Forschung und Lehre vielleicht doch nicht so gut bestellt ist. Bei EQUIS steht übrigens stets auch die Weiterbildung (Executive Education) einer Schule auf dem Prüfstand.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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