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EBS-Skandal: Der Ex-Präsident und die Post

By on 29. November 2011

Ein Artikel aus der Wirtschaftswoche erweckt den Eindruck, dass der derzeitige EBS-Präsident Rolf Cremer Gelder aus dem von der Deutschen Post geförderten SVI-Lehrstuhl* an der EBS nicht ordnungsgemäß verwendet hat. Hintergrund soll ein entsprechender Vorwurf des geschassten Ex-Präsident Christopher Jahns gegen Cremer sein. Dabei war es Jahns selbst, der offenbar eine halbe Million Euro aus dem SVI-Lehrstuhl für angefallene Kosten in seinen Privatfirmen nutzen wollte.

EBS-Präsident Cremer müsse sich wohl demnächst gegenüber der Post erklären, schreibt die Wirtschaftswoche in ihrem gestern erschienenen Artikel. Der Bonner Logistikkonzern stelle jährlich 250 000 Euro zur Finanzierung eines EBS-Lehrstuhls für Einkauf und Logistik zur Verfügung. Gezahlt werde quartalsweise in vier Tranchen zu je 62 500 Euro. Die vierte Tranche, die eigentlich zum 1. Oktober fällig gewesen wäre, habe die Post vorerst auf Eis gelegt – „bis die satzungsgemäße Verwendung der Stiftungsgelder aufgeklärt ist“.

Inhaber des SVI-Lehrstuhls war bis April Christopher Jahns. Dann erließ die Staatsanwaltschaft Haftbefehl gegen Jahns wegen Untreue-Verdacht, unter anderem wegen vier Rechnungen über rund 180.000 Euro, die von der EBS – angeblich ohne Leistungsnachweise – an die Firmengruppe BrainNet geflossen sind, an der Jahns wiederum beteiligt ist. Der Haftbefehl wurde zwar gegen strenge Auflagen außer Vollzug gesetzt, besteht aber bis heute. Jahns bestreitet seine Schuld. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht das Supply Management Institut (SMI) der EBS.

Seit Juni versucht der neue EBS-Präsident Rolf Cremer aufzuräumen. „Manche Presseberichte, die am 28.11.2011 erschienen, haben aus der Tatsache, dass ein Unternehmen einen 2011 eigentlich noch fälligen Sponsoren-Teilbetrag nicht auszahlt, falsche Schlussfolgerungen gezogen. Das fragliche Unternehmen hat bislang den Lehrstuhl von Prof. Jahns gesponsert. Dieser ist inzwischen nicht mehr für die EBS tätig und ein Nachfolger für den Lehrstuhl noch nicht gefunden“, schreibt Cremer in einer Presserklärung. An dem Lehrstuhl entständen also so gut wie keine Kosten und ein Teil des für die Finanzierung dieses Lehrstuhls zur Verfügung gestellten Geldes sei folglich noch nicht verausgabt. Insofern machten weitere Zahlungen dieses Sponsors derzeit auch keinen Sinn. „Ich lege Wert auf die Feststellung, dass die EBS dem Unternehmen alle notwendigen Informationen, die eine sachgerechte Verwendung der ausgezahlten Mittel eindeutig belegen, ausgehändigt hat. Ein von der EBS zusätzlich angebotenes Gespräch hat das Unternehmen leider abgelehnt“, so Cremer.

Die Post-Geschichte ist vor allem deshalb brisant, weil verschiedene Mails zumindest die Vermutung nahe legen, dass Jahns offenbar Geld aus dem Post-Stiftungslehrstuhl für angefallene Kosten in seinen Privatfirmen nutzen wollte.

Am 15.Oktober 2010 schickte Jahns eine E-Mail an den kaufmännischen Leiter der EBS. Überschrift: „Memo Rückzahlungen Aufbaukosten SMI“. „Ich weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen soll, um diese Kosten zu decken, wenn nicht aus dem SMI. Ich denke, hierfür sollten wir dann meinen SVI (gemeint ist der SVI-Lehrstuhl an der EBS) nehmen; dann tut es niemanden weh und wir haben das Potential der Rückzahlung, ohne andere damit zu belasten. Ich manage SVI ja eh selber mit allen meinen Aktivitäten betreffend Gerdes (Jürgen Gerdes ist Vorstand der Deutschen Post) und Post und Politik. Ich bin der Lehrstuhl-Inhaber“, schrieb Jahns.

Es folgt eine Mail des damaligen Controllers von BrainNet, mit detaillierten Anweisungen wie das Geld von der Hochschule an die Firmengruppe von BrainNet bezahlt werden sollte. Unter „Planung SMI 2011 bis 2015 berücksichtigen“ werden „Aktivierte Aufbaukosten Ausland, die bisher zur Rückzahlung mit dem SMI vereinbart sind“ ausgeführt: Indien: 37.294 Euro, China: 60.741 Euro und Russland: 96.540 Euro. Es folgen weitere „aktivierte Kosten, die noch zurückgezahlt werden müssen vom SMI der EBS gGmbH“. Gesamtrückzahlungsbedarf: 414.555 Euro. „Die Positionen müssen ebenso als Beratungsleistungen Ausland, Angebotserstellung etc. deklariert werden“, schreibt der Controller.

Dazu kommen weitere „aktivierte“ 125.600 Euro für die LCC AG. Dahinter steht The Logistics Consulting Company, ebenfalls eine Firma, an der Jahns beteiligt war. „Hier ebenso Beratungsleistungen als Ausweis vermerken.“

Fraglich ist jedoch, ob den Rechnungen auch  entsprechende Leistungen zugrunde liegen. Zumindest fehlen die Belege und Verträge. So legte der BrainNet-Buchhalter dem kaufmännischen Leiter der EBS lediglich eine offenbar speziell für ihn zusammengestellte „Version“ mit der Überschrift „Habenbuchungen = Gegenfinanzierung im Zeitraum“ vor. In der Tabelle stehen angebliche Kosten von 2004 bis 2009 in Gesamthöhe von 529.546, darunter etwa „Marketingkosten, Logo, Marke“: 36,832 allein für das Geschäftsjahr 2004. „Interne Sachkosten SMI, Porto: 10.763 allein für 2006.

Am 24.Dezember schrieb Jahns dann die Anweisung an den BrainNet-Controller: „Bitte mache die Rechnung fertig. Wir stellen jeweils am Jahresanfang die 124.811 von SMII an die EBS, SMI.“ Hinter dem SMII steht wiederum eine Jahns-Firma.

Zur Ausführung des Zahlungsplans kam es jedoch nicht, da Jahns merkwürdiges Geschäftsgebaren davor aufflog. Bereits im Januar berichtete der Spiegel über die fragwürdigen Verflechtungen der Hochschule mit Jahns Privatfirmen.

Gegenüber der Wirtschaftswoche verteidigte Jahns Anwalt Alfred Dierlamm sich damit, dass es „zwar richtig sei, dass Jahns und BrainNet ab 2004 erhebliche Investitionen für das SMI erbracht hätten“. „Es war aber zu keiner Zeit geplant, diese Investitionen ganz oder zum Teil durch „Scheinrechnungen“ zurückzuführen. Allen Rechnungen von BrainNet an die EBS liegen werthaltige Leistungen zugrunde“, behauptet Dierlamm.

Als Jahns Anfang des Jahres von der EBS zur Rede gestellt wurde, soll er sofort eine Verzichtserklärung über die halbe Million unterschrieben haben. Nur warum verzichtet er, wenn es doch angeblich nachweisbare Leistungen gab?

Die Deutsche Post gibt keine Stellungnahme ab. Man wolle alle Fragen im Zusammenhang mit der ordnungsgemäßen Verwendung der von uns für die EBS bereit gestellten Fördermittel direkt mit der EBS klären.

* SVI steht für Siegfried Vögele Institut, einer Tochterfirma der Deutschen Post.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Pingback: Übernimmt KPMG künftig die Logistik-Weiterbildung der EBS? • MBA Journal

  2. Gerold Keefer

    23. Dezember 2011 at 12:17

    Hallo Frau Schwertfeger,

    danke für diese detaillierte und hartnäckige Recherche!

    Es ist kaum zu glauben von was für Figuren hier eine „Elite“ ausgebildet wird.
    Vermutlich ist es kein Versehen, sondern Absicht, und EBS steht für
    „Euopäische Betrüger Schule“?

    Herzliche Grüße

    Gerold Keefer

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