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EBS-Präsident Cremer legt Ämter nieder

Von am 14. Februar 2013

Vor neun Tagen hatte EBS-Aufsichtsratsvorsitzender Hellmut K. Albrecht noch bestritten, dass EBS-Präsident Rolf Cremer seinen Rücktritt angeboten hat. Nun legt Cremer seine Ämter als Präsident und CEO der EBS Universität für Wirtschaft und Recht bereits am 21.Februar nieder – aus gesundheitlichen Gründen.

Bereits seit langem kursierten Gerüchte, dass Cremer die schwierige Lage der EBS über den Kopf gewachsen und er zudem gesundheitlich angeschlagen ist.  Dennoch hatte Cremer – angesprochen auf Spekulationen von seinem möglichen Rücktritt  – noch im Dezember in der Frankfurter Rundschau geantwortet, dass daran „absolut nichts“ dran sei: „Ich bin hier, ich bin hier gerne und ich bleibe hier.“


Cremer trat sein Amt im Juni 2011 an. Ursprünglich sollte er eine Doppelspitze mit dem im April 2011 geschassten damaligen EBS-Präsidenten und CEO, Christopher Jahns, bilden. Gegen Jahns wurde inzwischen das Hauptverfahren wegen des Verdachts der Untreue eröffnet.

Cremer stand daher vor der schweren Aufgabe, die EBS wieder aus dem schwierigen Fahrwasser zu führen. Zu den Streitereien mit Ex-Präsident Jahns kamen die Finanzprobleme, die vom Landesrechnungshof angeprangerte Zweckentfremdung der Fördergelder für den Aufbau der neuen juristischen Fakultät und die dringend erforderlichen Veränderungen in der Kultur an der Hochschule.

Eine nachhaltige Lösung der Probleme ist Cremer in keinem der drei  Bereiche gelungen. Die akuten Finanzprobleme der EBS sind offenbar noch immer nicht gelöscht. Zu der fragwürdigen Millionen-Förderung durch das Land gibt es einen Untersuchungsausschuss. Und in akademischen Dingen wird weiter gemauschelt, wie zuletzt der Fall von Ralph Tunder zeigte.

Offiziell klingt das natürlich anders. „Professor Cremer hat den Neuanfang der Hochschule mit einer klaren Vision vorangetrieben und dafür erfolgreich um Vertrauen geworben. Damit hat er sich für unsere Universität in besonderem Maße verdient gemacht. Wir bedauern seine Entscheidung, müssen sie aber akzeptieren“, sagt EBS-Aufsichtsrat Albrecht.

Für Cremer ist das Ganze bitter. Denn als Krisenmanager ist er letztlich gescheitert. Inwieweit seine Gesundheitsprobleme dabei die tragende Rolle spielen, sei dahin gestellt. Sie ermöglichen zumindest einen Ausweg ohne allzu großen Gesichtsverlust.

Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten durch den Senat werden gemäß der Grundordnung der EBS Universität die Aufgaben von den beiden Vizepräsidenten, Professor Rolf Tilmes und Professor Gerrick Frhr. v. Hoyningen-Huene wahrgenommen. Die Geschäftsführung hat weiterhin Georg N. Garlichs inne. Der Aufsichtsrat wird in seiner Sitzung vom 21. Februar zur Frage der Nachfolge von Professor Cremer beraten.

Laut Hochschulsatzung muss eine Findungskommssion einberufen werden, die einen geeigneten Nachfolger sucht, den der Senat dann wählt. Doch was zählt schon die Satzung an der EBS? So wäre es nicht verwunderlich, wenn der Aufsichtsrat am 21.Februar bereits den Nachfolger Cremers verkündet. Das dürfte dann ein interner Kandidat sein.

Laut einem Artikel in der FAZ von heute (15.Februar) soll EBS-Professor Nico Rottke Nachfolger werden. Der 37-Jährige, der einen MBA-Abschluss an der EBS erworben hat und dort auch promoviert und habilitiert hat, ist Inhaber eines von der Aareal-Bank gesponserten Immobilien-Lehrstuhls und soll vor allem von Wolf Schumacher unterstützt werden. Der Vorstandsvorsitzende der Aareal Bank sitzt im Aufsichtsrat der EBS. Ob sich der Aufsichtsrat damit durchsetzt, ist allerdings noch offen.

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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