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EBS: Fragwürdige Scharmützel

By on 22. Juni 2011

Die krisengeschüttelte EBS kommt nicht zur Ruhe. Nun hat die gekündigte Geschäftsführerin Sabine Fuchs dafür gesorgt, dass der geschasste Präsident Christopher Jahns den Kanzler der EBS, Georg Garlichs, verklagt hat. Gegen Jahns war am 4.April Haftbefehl wegen des Verdachts der Untreue erlassen worden. Zum Sprachrohr in dieser undurchsichtigen Affäre hat sich das Wiesbadener Tagblatt gemacht.

„Er soll Angst und Schrecken verbreitet, seine Mitarbeiter massiv eingeschüchtert haben: Das sind Vorwürfe, mit denen die Staatsanwaltschaft am 4. April ihren Haftbefehl gegen Christopher Jahns, den früheren Präsidenten der European Business School (EBS), begründet hat“, schrieb das Wiesbadener Tagblatt am 8.Juni, einen Tag, nachdem Fuchs gekündigt wurde. So soll nach Aussage von Garlichs auch Sabine Fuchs von Jahns am 17.Februar „massiv eingeschüchtert“ worden sein, nachdem sie ihn zum Rücktritt aufgefordert habe.

Garlichs Aussage soll – laut Wiesbadener Tagblatt – noch vor dem Haftrichter von Fuchs widerlegt worden sein. „In Untersuchungshaft kam Jahns gleichwohl nicht. Verhindert hat das die Aussage von Sabine Fuchs“ spekuliert der Autor weiter und schreibt von „Webfehlern in der Argumentation der Staatsanwaltschaft.“

Der Haftbefehl sei auf den Haftgrund der Verdunkelungsgefahr gestützt und bestehe nach wie vor, schreibt dagegen Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse. An Spekulationen über die Gründe, die den Haftrichter bewogen haben könnten, seinen von ihm erlassenen Haftbefehl außer Vollzug zu setzen, beteilige er sich nicht. Im Ergebnis sei er offenbar der Überzeugung, dass der von ihm angenommenen Verdunkelungsgefahr durch die Auflagen der Ämterniederlegung und des Kontaktverbotes ausreichend begegnet werden könne.

„Der Haftbefehl ist nach unserer Auffassung auch nicht fehlerhaft“, so Ferse. Es stehe dem Beschuldigten frei, jederzeit die Aufhebung des Haftbefehls zu beantragen. Darüber müsste dann das Amtsgericht Wiesbaden entscheiden. Zutreffend sei ferner, dass sich die Ermittlungen nicht auf den Vorwurf des Haftbefehls beschränken. Sie seien immer noch nicht abgeschlossen. Er weise daher darauf hin, dass auch für Jahns, wie für alle Beschuldigte eines Ermittlungsverfahrens, die Unschuldsvermutung gilt.

Nun geht die Posse weiter. Laut Wiesbadener Tagblatt hat Ex-Geschäftsführerin Fuchs per Eidesstattlicher Versicherung der Aussage Garlichs widersprochen, dass sie Jahns im Februar zum Rücktritt aufgefordert hatte. Jahns wiederum, der alle Vorwürfe bestreitet, nutzte die Steilvorlage und verklagte Garlichs. So soll das Landgericht Köln dem EBS-Kanzler nun verboten haben, die Aussage, Fuchs habe ihn zum Rücktritt aufgefordert, zu wiederholen. Möglicherweise erhofft Jahns sich damit bessere Chancen bei seiner Klage gegen seine fristlose Kündigung als Geschäftsführer und Hochschullehrer der EBS.

Aber so richtig Sinn macht das alles nicht. Denn ob Ex-Geschäftsführerin Fuchs nun den Ex-Präsidenten Jahns zum Rücktritt aufgefordert hat oder nicht, dürfte für die Ermittlungen keine große Rolle spielen. Auch die Spekulation, dass der Haftbefehl nur wegen der angeblichen Bedrohung von Fuchs ausgestellt wurde, ist absurd. Schließlich gibt es auch andere EBS-Mitarbeiter, die sich von Jahns massiv unter Druck gesetzt fühlten und dazu auch ausgesagt haben. Will Fuchs sich damit für ihre Kündigung rächen? Unterstützt die Ex-Geschäftsführerin, die stets besonders enge Kontakte zu Jahns gehabt haben soll, deshalb nun Jahns? Zumindest lässt sich der ebenfalls im Wiesbadener Tagblatt verkündete Verdacht, Fuchs sei wegen ihrer Nähe zu Jahns gekündigt worden, nicht belegen.

Die Auflösung des Geschäftsbereiches Marketing sei ein Punkt bei den strukturellen Verbesserungen bei gleichzeitiger Kosteneinsparung gewesen, schreibt Rolf Cremer, der seit 1.Juni neuer Präsident der EBS ist. Dabei sei auch die Stelle der Geschäftsführerin weggefallen. „Meine Entscheidung hatte nichts mit der Person von Frau Fuchs zu tun, sondern mit den notwendigen Veränderungen des Bereiches, dem sie vorstand“, so Cremer.

Zu den neuen Scharmützeln erklärt der neue EBS-Präsident: „Unsere wichtigen Aufgaben liegen in Bereichen wie Governance, Strukturen, Ressourcenumschichtung und der Implementierung der Grundordnung und weniger darin, wer die Deutungshoheit über ein Gespräch am 17. Februar hat.“

Auch bei einem anderen Punkt kann man sich über die Aussagen des Wiesbadener Tagblatts nur wundern. So schrieb der Autor am 9.Juni, dass Cremer, der die EBS ab Herbst eigentlich zusammen mit Jahns führen sollte, die Fusion der EBS mit der Frankfurt School of Finance and Management vorbereiten sollte. Darüber zeigte man sich nicht nur bei der Frankfurt School äußerst überrascht, auch Cremer stellt klar: „Eine Fusion steht bei Niemandem auf der Agenda.“

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/wiesbaden/meldungen/10875184.htm
http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/wiesbaden/meldungen/10828203.htm
http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/wiesbaden/meldungen/10832304.htm
http://www.mba-journal.de/?p=771
http://www.mba-journal.de/?p=763

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Verschwörungstheoretiker

    20. Juli 2011 at 7:54

    Bei allen aktuellen Fragen in diesem Fall ist sehr in den Hintergrund geraten, dass es doch anscheinend seitens der Wiesbadener Politiker Einflussnahmen gab. Mindestens der Ministerpräsident und der Oberbürgermeister haben doch wohl die hiesige Presse unter Druck gesetzt, nicht weiter gegen sie zu schreiben. Nachdem erste Gerüchte aufgekommen waren und publiziert wurde, ist es plötzlich ganz still darum geworden. Warum das, denn eine Einflussnahme dieser Personen sollte doch die Gazetten über Wochen füllen und verlangt zudem nach Aufklärung. Aber bei dem, was mit politischer Unterstützung trotz einer fragwürdigen Personalie wie Herrn Jahns möglich war, 50-60 Millionen Euro Steuermittel zu verschwenden, muss man sich nicht wundern. Hessen ist der Bananenrepublik näher als man denkt.

  2. Zweifler

    24. Juni 2011 at 6:21

    Da wird die Wiesbadener Presse doch im Hintergrund von Jahns, Fuchs und Konsorten bedient, um gegen die Staatsanwaltschaft zu arbeiten. Warum die Journalisten so bereitwillig mitmache, bleibt offen.

    Dass Frau Fuchs hier an der EBS immer sehr eng mit Herrn Jahns gearbeitet hat, ist jedem bekannt. Er hat sie geholt und gefördert. Viele ihrer Projekte waren erfolglos und im Fundraising hat Jahns ihr Teile seiner Einwerbungen zugeschrieben, um nicht beim Aufsichtsrat dumm auszusehen. Er hatte ja Fuchs empfohlen.

    Dankbar für so viel Gnade hat sie ihm hier immer den Rücken gestärkt, was sich jetzt fortsetzt, weil beide davon noch profitieren können, wenn sie mit gegenseitig abgestimmten Aussagen vor Gericht erscheinen.

    Ich fürchte, dass wird teuer für die EBS!

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