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EBS: Der Ex-Präsident und die Intrigen

By on 17. August 2011

Der ehemalige EBS-Präsident Christopher Jahns hat eine Kündigungsschutzklage gegen seinen Raus-
wurf als Hochschullehrer bei der EBS Universität in Gründung eingereicht, über die das Amtsgericht Wiesbaden morgen entscheidet. Dabei versucht Jahns offenbar mit Hilfe des Wiesbadener Tagblatts seit Wochen die Stimmung zu seinen Gunsten zu drehen. Nun berichtet das Blatt von einer angeblichen Intrige gegen Jahns.

Zwei ehemalige EBS-Mitarbeiter hätten eine Intrige gegen Jahns gesponnen, berichtet Redakteur Christoph Cuntz. Das Motiv der Verschwörer soll „Hass auf Jahns“ gewesen sein. Der Präsident habe nur auf Wachstum gesetzt, die wissenschaftliche Exzellenz aber vernachlässigt. Eine reichlich abstruse Behauptung.

Weiter heißt es: „Kenntnis von der Intrige hatte mindestens ein weiterer Mitarbeiter aus dem Füh-
rungszirkel der EBS. Ihm werden Kontakte zu Bärbel Schwertfeger, der Betreiberin einer Internet-Plattform, nachgesagt, die zu Beginn dieses Jahres immer wieder Interna aus der EBS berichtet hatte.“

Dummerweise hatte dieser Mitarbeiter aber gar keine Kenntniss von irgendeiner Intrige. Dennoch soll Jahns ihn – wie auch andere Mitarbeiter – vehement bedroht und als Verräter beschimpft haben. Es ist daher anzunehmen, dass Cuntz seine – falschen – Informationen direkt von Jahns hat.

Auch in anderen Artikeln fällt auf, dass der Redakteur eine bemerkenswert deutliche Position für Jahns einnimmt. So will er beharrlich nicht wahrhaben, dass Jahns nicht nur die – inzwischen auch gekündigte – Geschäftsführerin Sabine Fuchs bedroht haben soll, sondern mehrere EBS-Mitarbeiter. Die mögliche Einschüchterung von potentiellen Zeugen – und die damit verbundene Verdunklungs-
gefahr – war auch ein Grund für den Haftbefehl gegen Jahns. Dass dieser nur deshalb außer Vollzug gesetzt wurde, weil sich Fuchs, die als langjährige enge Vertraute von Jahns gilt, nun doch nicht bedroht gefühlt habe, ist abstrus und dürfte vor allem im Sinne von Jahns sein.

Ein schönes Beispiel ist auch die Dienstwagen-Affäre. So spielt bei der Kündigungsklage offenbar auch die unberechtigte private Nutzung seines Dienstwagens, eines Audi A8, eine Rolle. Mal habe der Chauffeur das Gepäck des Hochschulpräsidenten und seiner Lebensgefährtin – die auch als an der EBS tätig war – in ein Hotel in Ascona fahren, mal die Schuhe seines Chefs zum Schuster bringen müssen. Das habe die EBS gegenüber dem Gericht vorgetragen, so Cuntz. Der Sachverhalt scheint dabei eindeutig und über ähnliche Dinge sind schon Minister gestürzt.

Doch was sagt Jahns? Er hält den Vorwurf „für konstruiert“, so Cuntz. So habe er zwischen 80 und 100 Stunden pro Woche für die EBS gearbeitet. Bei einem solchen Pensum gingen Dienstliches und Privates zwangsläufig ineinander über, so Cuntz. Warum bei einem Urlaub mit Freundin in Ascona Dienstliches und Privates ineinander über gehen, weiß vermutlich nur Jahns selbst. Da ist es schon gut, wenn man ein so williges Presseorgan wie das Wiesbadener Tagblatt auf seiner Seite hat.

Gegen den ehemaligen CEO und Präsidenten der EBS, Christopher Jahns, wurde bereits im April ein Haftbefehl wegen Verdachts der Untreue erlassen, der jedoch außer Vollzug gesetzt wurde. Jahns wird vorgeworfen, rund 180.000 Euro von der Hochschule in seine eigenen Firmen geleitet zu haben. Jahns bestreitet die Vorwürfe.

Wiesbadener Tagblatt 17.08.2011

Wiesbadener Tagblatt 13.08.2011

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

5 Comments

  1. Versöhnung

    23. September 2011 at 11:58

    Man könnte heulen vor Rührung. Erst mit seinem Erfolg so nah am Himmelszelt, dann jäh durch eine fiese Intrige gestoppt, tief in einen Sumpf aus Lug und Trug gezogen, endlich (fast) rehabilitiert, nun nach FAZ endlich auch mit der EBS geeinigt und gleich als moralischer Höhepunkt (und moralisch war er ja immer ganz weit oben) eine Spende an Zwerg Nase. Die Selbstinszenierung findet kein Ende.

  2. Defence

    20. September 2011 at 18:15

    Wer zeigt jetzt eigentlich den Kölner Anwalt wegen übler Nachrede u.a.m. an? Das stinkt doch gewaltig, wenn bisher niemand von der Strafanzeige weiß, in der (manipulierten) Presse aber wieder mal Namen kursieren. Das kann ja nur von demjenigen selbst kommen. Und da stecken dann sicher Jahns Anwälte dahinter. Haben sich nur nicht getraut selbst Anzeige zu erstatten.

    Was für eine dreckige Story. Und wenn die EBS jetzt noch blechen muss wirds ganz verrückt.

  3. Verteidigung

    19. September 2011 at 20:06

    Hallo Insider,

    Du stellst interessante Fragen! Warum hat der Aufsichtsrat Herrn Jahns das alles durchgehen lassen? Wessen Interessen haben die denn vertreten? Es muss doch weit mehr Rechnungen geben als die über 180000 Euro! Läuft das tatsächlich seit mehreren Jahren? Hat die Staatsanwaltschaft solche Rechnungen?
    Wenn ich das lese, verstehe ich gar nicht mehr, warum die EBS dem jetzt auch noch eine Abfindung zahlen will, statt ihn in Grund und Boden zu klagen und sich per Schadensersatz das Geld zurück zu holen. Oder haben seine Seilschaften das jetzt alles so gedreht? Zeit hatten sie ja genug! Und warum machen die Medien mit? Habt Ihr an der EBS da eine Erklärung?
    Bevor Jahns weiteres Geld von der EBS bekommt, soll er doch bitte vor Gericht erst einmal seine Unschuld beweisen. Rechtsstaat, übernehmen sie, ihr Handeln ist gefragt!

  4. Insider

    10. September 2011 at 16:25

    Hier wurden in Jahns Ära mehrere Referenten ausgetauscht, einige Assistentinnen eingestellt und dann an andere Stellen im Hause versetzt, zwei Kanzler teilten während seiner Amtszeit angeblich nicht die Strategie des Meisters und auch an seinem eigenen Institut wurden Verantwortliche ausgetauscht oder gleich gekündigt, eine Geschäftsführerin noch in der Probezeit.
    Wer immer Jahns nicht ausreichend stark unterstützte oder sogar opponierte, wurde zum Schweigen gebracht. Das hatte Methode. Alle oben genannten könnten ein Buch schreiben dazu, dass wahrscheinlich der Staatsanwaltschaft als Anklageschrift genügen würde. Und wer hat eigentlich die diversen Mitarbeiter von Brainnet befragt, die an Jahns Institut das Controlling und die Personalarbeit gemacht haben? Haben die Rechnungen gestellt? Mit welchen Tagessätzen? Seit wann? Warum wurden solche Aufgaben nicht von eigenen Mitarbeitern der EBS übernommen, das wäre sicher billiger gekommen? Oder sollten eben keine Hochschulangestellten Einblick bekommen in die Geschäfte des Herrn Jahns?
    An der EBS sind wir froh, dass er weg ist! Der Schaden, den er angerichtet hat, wird uns noch lange beschäftigen. Wenn es Intriganten gäbe, müssten wir ihnen dankbar sein. Aber auch das dürfte nur eine der vielen Lügengeschichten sein, die uns jetzt auch nachträglich noch aufgetischt werden.

  5. Verteidigung

    30. August 2011 at 13:25

    Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!

    Ich möchte dem ehrenwerten Herrn Jahns so gern glauben, dass er bis zu 100 Stunden pro Woche nur für die ehrenwerte Hochschule gearbeitet hat. Da wüsste ich wohl auch nicht mehr, was beruflich und was privat ist, zumal, wenn die Dame meines Herzens beruflich wie privat eng an meiner Seite für das Wohl der Universität kämpft.

    Es ist aber doch mehr als verwunderlich, wenn jemand, der sich angeblich so aufopferungsvoll dem Wachstum der Universität widmet, dass er dabei sogar Hass auf sich zieht, für seine anderen Geschäfte ein Netzwerk von Unternehmen aufbaut. Dafür hatte er Zeit? Beachtlich! Und ist bekannt, ob es aus diesem Netzwerk auch Rechnungen an die Universität gab. Geht es am Ende um weit mehr als die immer wieder genannten, fast lächerlich wirkenden 180000 Euro.

    Interessant auch die Schelte der Staatsanwaltschaft. Ja, die ist sehr ruhig und bietet damit leider Raum für Spekulationen. Heißt es nun, dass sie mit leeren Händen dasteht und es ihr nun peinlich ist. Dann würde sie doch wohl die Untersuchungen einstellen müssen. Vielmehr legt das Schweigen den Verdacht nahe, dass es weit mehr zu untersuchen gibt. Oder hat dann doch noch die Politik interveniert, die ja kein Interesse haben kann, dass der ehrenwerte Herr Jahns auf Dauer beschädigt bleibt. Man hat doch so sehr auf ihn gesetzt und ihm das Geld der Steuerzahler anvertraut.

    Die Öffentlichkeit sollte sich jedenfalls nicht von falschen Fährten (Intrigenvorwürfen) in die Irre führen lassen. Das ist bitte aber auch als Appell an die Staatsanwaltschaft zu verstehen, baldmöglichst Klarheit zu schaffen. Anklage oder nicht Anklage, das ist hier die Frage.

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