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EBS-Affäre: Jahns und die Intrigen-Inszenierung

Von am 23. September 2011

Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen EBS-Präsidenten Christopher Jahns. Dabei geht es vor allem – aber nicht nur – um 180.000 Euro, die Jahns an Firmen bezahlt haben soll, an denen er selbst beteiligt war und für die es keine Leistungsnachweise gab. Seit einigen Wochen verbreiten nun immer mehr Medien, dass es sich bei dem Ganzen um eine Intrige von EBS-Mitarbeitern gegen Jahns handeln soll. Dabei sieht es so aus, als hätten sich unter anderem die Redakteure von FTD und Welt am Sonntag von Jahns Anwalt vor den Karren spannen lassen.

So wurden offenbar mehrere Journalisten von Jahns Anwalt Alfred Dierlamm zu einem Gespräch eingeladen. Dort wurden ihnen Informationen über die vermeintliche Intrige gegeben, die dann in Artikeln, unter anderem in der Financial Times Deutschland (FTD) und in der Welt am Sonntag (Wams) wieder gegeben wurden. Offenbar wurden dabei vor allem Journalisten angesprochen, von denen man vermutete, dass sie die Intrigen-Story glauben und auch brav wiedergeben. Auf meine Anfrage nach Belegen oder Unterlagen zu der vermeintlichen Intrige reagierte Dierlamm interessanterweise mit Schweigen.

In der FTD gab Redakteurin Marion Schmidt Jahns Anwalt breiten Raum, seine Intrigen-These zu verkünden. Sein Mandant sei „systematisch mit Lügengeschichten diffamiert worden“, hieß es. Noch schlimmer scheint die Wams der Intrigen-Inszenierung auf den Leim gegangen zu sein und titelte: „Skandal hinter dem Skandal. An der noblen Privathochschule EBS tobt eine Schlammschlacht. Präsident Jahns musste wegen Untreuevorwürfen gehen. Doch dahinter verbirgt sich womöglich eine dreist eingefädelte Intrige.“ Inzwischen gebe es Zweifel an den Vorwürfen gegen Jahns, schrieb Wams-Redakteur Sebastian Jost. „Es liegen verschiedene Dokumente vor, dass diesen Rechnungen tatsächliche Leistungen zugrunde lagen.“

Unter anderem vier Rechnungen über insgesamt rund 180000 Euro sind Gegenstand des Ermittlungs-
verfahrens der Staatsanwaltschaft gegen Jahns. Hier soll Geld ohne Gegenleistung an die Beratungsfir-
ma Brainnet geflossen sein, an der Jahns beteiligt war. Inzwischen soll es Leistungsnachweise geben, behauptet zumindest Jahns Anwalt. Ob diese angeblichen Nachweise Bestand haben, ist eine andere Frage. Denn dass eine Beratung nachträglich noch Leistungen findet, für die sie angeblich bezahlt wurde, ist nicht gerade verwunderlich. Merkwürdig ist allerdings, dass man bei Einzelrechnungen in Höhe von immerhin über 46.000 Euro damals keine konkreten Leistungen angab. Auch die Abwicklung der Zahlung war reichlich merkwürdig. Das wurde auf diesem Blog bereits am 3.Februar dargestellt: Die EBS als Selbstbedienungsladen für EBS-Präsident Jahns?

Weiter berichtete die Wams, dass der Staatsanwaltschaft Wiesbaden eine Strafanzeige gegen mehrere mutmaßliche Intriganten vorliegt und zwar gegen „ zwei damalige EBS-Mitarbeiter, einen externen Berater sowie einen noch unbekannten Vierten“. Ihnen werde falsche Verdächtigung und Verrat von Geschäftsgeheimnissen vorgeworfen. „Sollten sich diese Vorwürfe erhärten, könnten die Vorfälle an der EBS zum Lehrstück darüber werden, wie man einen Chef loswird – ausgerechnet an einer Managementhochschule, die moralisch und ethisch korrekte Führungskräfte hervorbringen will“, schrieb Redakteur Sebastian Jost.

Dummerweise wusste die Staatsanwaltschaft da noch nichts von einer solchen Anzeige. So schrieb Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse am Montag: „Das Ermittlungsverfahren gegen Herrn Dr. Jahns ist noch nicht abgeschlossen. Die bisherigen Ermittlungen haben keine Veranlassung gegeben, von Amts wegen Ermittlungsverfahren gegen wen auch immer wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung einzuleiten. Sollte hier eine entsprechende Anzeige eingehen, würden die Ermittlungen erst nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens gegen Herrn Dr. Jahns aufgenommen, da eine falsche Verdächtigung u.a. nur vorläge, wenn die gegen Herrn Dr. Jahns erhobenen Vorwürfe haltlos wären.“ Im Klartext: Auch die Intrigen-Story hilft Jahns nicht bei dem Ermittlungsverfahren und was vielleicht noch wichtiger ist: Trotz monatelanger Ermittlungen sieht die Staatsanwaltschaft keinen Verdacht von falschen Verdächtigungen.

Interessant wäre natürlich, woher der Wams-Redakteur von der angeblichen Strafanzeige weiß, die noch dazu ein Anwalt in Köln eingereicht haben soll. Ebenso interessant wären die Belege, auf denen die Strafanzeigen basiert. Da wird es wohl sicher noch Überraschungen geben. Ob Jahns fragwürdiges Verhalten strafrechtlich relevant ist, entscheidet die Staatsanwaltschaft. Daraus jedoch eine Intrigen-Story zu basteln und sich als Unschuldslamm hinzustellen, ist schon ziemlich dreist.

Zur Erinnerung: Die EBS war im April/Mai 2010 offenbar zahlungsunfähig und konnte keine Gehälter mehr zahlen. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Hochschule Landeszuschüsse zweckent-
fremdet hat. Sie muss daher eine knappe Million Euro an das Wissenschaftsministerium zurückzahlen. Verantwortlich dafür ist Jahns. Der war neben seiner Tätigkeit als EBS-Präsident und CEO auch an 17 – teils verwirrend ähnlich klingenden – Beratungsfirmen beteiligt, die offenbar von der EBS profitierten und profitieren sollten. So soll Jahns einen Zahlungsplan vorgelegt haben, wonach die EBS in den nächsten Jahren insgesamt rund 500.000 Euro an die Brainnet Gruppe zahlen sollte. Auch wenn das alles nicht strafbar ist, ein Unschuldslamm ist Jahns sicher nicht.

Erschreckend ist, wie die Pressekampagne zu der Intrigen-Story ihre Wirkung entfaltete und für viele plötzlich als Realität galt, nicht zuletzt, weil offenbar einer vom anderen abschrieb. So stellte die FAZ erst am Montag fest: „ Jahns hatte von Anfang an betont, das Opfer einer Intrige zu sein. Seitdem das Wiesbadener Arbeitsgericht Mitte August über den Fall öffentlich verhandelte, steigt die Zahl derjenigen, die diese Version für die Wahrheit halten.“ Und auch für FTD-Redakteurin Marion Schmidt scheint die Intrigen-Story bereits Realität zu sein. So schreibt sie heute: „In den vergangenen Wochen haben sich zudem die Indizien verdichtet, dass der Verdacht gegen Jahns auf eine hochschulinterne Intrige zurückzuführen ist. Anfang dieser Woche sind bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden Strafanzeigen gegen vier Personen aus der Uni und ihrem Umfeld eingegangen.“ Was es mit der Strafanzeige wirklich auf sich hat, hinterfragt sie nicht.

Nun hat sich die EBS mit Jahns geeinigt. Aufgrund einer Übereinkunft gehe man künftig getrennte Wege. Zudem bekundet die EBS ihr „Interesse, dass das Strafverfahren gegen Herrn Prof. Dr. Jahns durch die Staatsanwaltschaft Wiesbaden baldmöglichst beendet wird“. Zwar ist es nachvollziehbar, dass der neue EBS-Präsident Rolf Cremer die Sache möglichst schnell beenden wollte, um weiteren Schaden abzuwenden. Dass die EBS Jahns nun aber quasi reinwäscht – ohne die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft abzuwarten – und zudem keinen Schadensersatz von ihm fordert, wirft kein gutes Licht auf die Schule.

Aber zumindest haben die EBS-Studenten nun ein neues Vorbild: Wer öffentliche Gelder zweckentfremdet, eine fragwürdige Geschäftsführung betreibt und sich dann als Opfer einer Intrige präsentiert, wird dafür sogar noch finanziell belohnt. Einen mittleren sechsstelligen Betrag soll Jahns kassieren – sprich rund eine halbe Million Euro – und als geschickter Selbstdarsteller spendet er einen fünfstelligen Betrag an eine soziale Einrichtung.

Man darf gespannt sein, ob die Schlammschlacht damit wirklich beendet ist.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

3 Comments

  1. Zwerg Nase

    24. September 2011 at 21:34

    Nachtrag: die Welt, der investigative Herr Jost, schreibt, Dr. Jahns dürfe im Rahmen der Vereinbarung auch seinen Professoren-Titel behalten.

    Ich kenne es so, dass ein verdienter Professor nach vielen Jahren Tätigkeit in der Wissenschaft und für seine Institution seinen Titel mitnimmt in den Ruhestand. Das alles trifft auf Dr. Jahns doch nicht zu. Zudem hat er an einer privaten Hochschule gelehrt, die selbst gar keine Professoren-Titel vergeben darf. Die werden vom Ministerium bei uns in Wiesbaden vergeben. Mit seinem Ausscheiden von der EBS darf er den eigentlich nicht mehr führen und die EBS darf ihm den gar nicht mitgeben auf seinen weiteren Lebensweg. Das würde ich gern einmal beim Wissenschaftsminiterium hinterfragen. Sonst nimmt er wohl nicht nur das Geld des hessischen Steuerzahlers, sondern auch noch die Reputation eines Professoren-Titels mit.

  2. Zwerg Nase

    24. September 2011 at 21:17

    Na ja, gönnen wir zumindest einmal den Zwerg Nasen das Geld, da ist es sicher sinnvoller angelegt als bei „Dr. Jahns“. Vielleicht hat er ja gerade die gewählt, weil die Geschichte der seinen doch irgendwie ähnelt. Böse Hexe (gespielt durch die Intriganten) verflucht kleinen netten Jungen, der daraufhin zur Fratze wird (Hauptrolle Jahns). Sucht dann verzweifelt das Weite und wird am Ende der Geschichte rehabilitiert – davon träumt der Mann nachts. The End!

    Während dessen schreiben fleißige Ghostwriter an den Dokumenten, die beweisen sollen, dass das Geld doch eine Gegenleistung hatte. Erinnere ich es richtig: die Unterlagen sind Monate nach dem Vorwurf der Untreue aufgetaucht. Da ist wohl ganz plötzlich jemandem eingefallen, dass da noch die Ordner stehen. Mal ehrlich: nicht Zwerg Nase mit dem guten Ende, nein, Baron von Münchhausen heißt seine Rolle. Sekundiert durch inkompetente, dafür willige Medien. Investigativ geht anders, mal so als Tipp an Schmidt et al.! Hut ab vor dem Spiegel, der offensichtlich den richtigen Riecher hatte und dazu die richtigen Fragen gestellt hat, auf die auch der schlaue Dr. Jahns keine guten Antworten hatte. Und plötzlich stand der Richtige am Pranger. Nicht weil Intrige, sondern weil Gerechtigkeit!

    Bye Bye, Dr. Jahns (Mr. Hyde wurde entlarvt) The Real End

  3. Jurist

    24. September 2011 at 8:05

    Die juristische Zeitschrift Iurratio (Ausgabe 3/2011) hat eine Rubrik mit skurrilen Gerichtsentscheidungen nach dem Motto: „nicht nachahmenswert, aber auch nicht rechtswidrig“.

    Ich befürchte angesichts der unklaren Lage, dass die causa Jahns nach diesem Motto abgewickelt wird. EBS und Steuerzahler bezahlen die Zeche, Herrn Jahns kann nicht wirklich strafbares Handeln nachgewiesen werden, weil alles brav kaschiert wurde, zudem pflegt er gebetsmühlenartig den seines Erachtens exkulpierenden Vorwurf der Intrige gegen ihn und inszeniert entsprechende Anzeigen über Dritte. Ich meine, dass er, Jahns, einem typischen psychologischen Muster folgt: der Externalisierung. Er sucht die Schuld bei anderen, verlagert diese also nach außen. Er ist damit für sich im Reinen, fühlt sich auch noch im Recht und als der eigentlich Geschädigte. Moralisch wähnt er sich ohnehin im Recht, darin scheint er ja Meister zu sein. Juristisch wird sich klären. Im Zweifel, siehe oben, „nicht nachahmenswert, aber auch nicht rechtswidrig“.

    Traurig und für einen Vollblutjuristen wie mich nicht erträglich.

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