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EBS-Affäre: Der verschwundene Professor-Titel

By on 5. Dezember 2011

Stefan Walter ist seit November 2010 Geschäftsführer des vom Land Hessen finanzierten House of Logistics & Mobility (HOLM). Gleichzeitig war Walter, der als enger Vertrauter des geschassten Ex-Präsidenten Christopher Jahns gilt, jedoch noch immer Juniorprofessor an der EBS und führte seinen Professoren-Titel. Nun ist der Titel plötzlich verschwunden.

Wenn es um die angebliche Intrige ging, die hinter den Untreue-Vorwürfen gegenüber  Jahns stecken soll, dann war Professor Stefan Walter oft zur Stelle. So behauptete er, dass hinter den vier Rechnungen in Höhe von 180.000 Euro, die Jahns – angeblich ohne Leistungsnachweise – an die Firmengruppe BrainNet bezahlt hat (an der er selbst beteiligt war) durchaus Leistungen von BrainNet standen.

Jahns sei von mehreren BrainNet-Mitarbeitern bei Geschäftsterminen 2009 und 2010 unterstützt worden, wurde Walter in der Welt am Sonntag zitiert. Dabei sei es vor allem um Termine bei den Vorständen großer Konzerne gegangen, bei denen Jahns um Sponsorengeld oder Stiftungslehrstühle warb, wofür eine intensive Vorbereitung auf das jeweilige Unternehmen unerlässlich gewesen sei. Auch die vier Rechnungen habe Walter als plausibel bezeichnet – „und als eher zu niedrig als zu hoch“.

Und im Wiesbadener Kurier war nachzulesen, dass Walter schon im Februar mutmaßte, dass „es zwei Zeugen, die Jahns schwer belastet hatten, nur darum ging, dessen Rücktritt als Hochschulpräsident zu provozieren“. Walter sah daher hinter den Untreue-Vorwürfen eine „perfide Intrige“ und „Attacke auf die Person Christopher Jahns“, die „mit dem Verrat von internen Rechnungen und Verträgen der EBS ihren Anfang nahm“.

Gehört auch Walter zum „System Jahns“, gegen das der neue EBS-Präsident Rolf Cremer nun kämpft? Denn Jahns hat es offenbar geschickt verstanden, sich mit einem Netz von einflussreichen Befürwortern, Bewunderern, Ja-Sagern, Günstlingen und von ihm abhängigen Mitarbeitern zu umgeben und sich deren Loyalität zu sichern. Der eine konnte im Schlagschatten der EBS seine Aufträge erhöhen, anderen wurde eine Karriere versprochen und wieder andere wurden zum Ehrendoktor oder Honorarprofessor ernannt.

Nun wurde bekannt, dass Walter offenbar seit einiger Zeit unerlaubt seinen Professor-Titel führte. Der Diplom-Kaufmann mit Promotion in den Ingenieurwissenschaften war seit April 2005 Assistant Professor (sprich Juniorprofessor) für Logistics Management am Supply Management Institute (SMI) an der EBS, das wiederum im Zentrum der Untreue-Vorwürfe steht.

Im Januar 2009 wurde die Gründungsinitative HOLM gegründet, bei der Walter bis heute Geschäftsführer ist. Bereits im Frühjahr 2009 soll er mit seinem Team nach Gateway Gardens am Frankfurter Flughafen gezogen sein, wo bis 2013 das HOLM als „interdisziplinäre Plattform für Forschung, Aus- und Weiterbildung und Vernetzung“ entstehen soll. Ab 1. Oktober 2010 soll Walter von der EBS ohne Bezüge freigestellt worden sein. Im November wurde er Geschäftsführer des HOLM, das im Wesentlichen vom Land Hessen finanziert wird.

Doch wie passt das mit der Juniorprofessur zusammen? Die soll schließlich für eine Professur auf Lebenszeit qualifizieren und ist auf sechs Jahre beschränkt. Sie wäre daher im April 2011 ausgelaufen. Zudem haben Juniorprofessoren laut Hessischem Hochschulgesetz eine Lehrverpflichtung von sechs Semesterwochenstunden. Kann ein Juniorprofessor, der hauptamtlich außerhalb der Hochschule als Geschäftsführer eines neuen Logistikzentrums arbeitet, diesen Verpflichtungen überhaupt noch nachkommen? Und steht eine hauptamtliche Tätigkeit außerhalb der Hochschule im Einklang mit den im Hessischen Hochschulgesetz vorgesehenen Qualifizierungszielen für Juniorprofessoren?

Beim Hessischen Wissenschaftsministerium, wo der Vorgang seit längerem bekannt gewesen sein soll, brütete erst mal drei  Tage an einer Antwort und schrieb dann: „Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst verleiht alle Professorenbezeichnungen – also auch Juniorprofessoren-bezeichnungen – an privaten Hochschulen für die Dauer der jeweiligen Beschäftigung. Das hat zur Folge, dass das Recht, eine derartige Bezeichnung zu führen, mit dem Ende der Beschäftigung als Professor bzw. Juniorprofessor von selbst endet.“

Doch warum führte Stefan Walter dann weiter seinen Professoren-Titel? Eine entsprechende Anfrage an Walter blieb unbeantwortet. Dafür verschwand zuerst sein Lebenslauf von EBS-Website und dann auch noch der Professor-Titel von der HOLM-Website.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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