Businessweek: Zoff beim MBA-Ranking - MBA Journal

Businessweek: Zoff beim MBA-Ranking

By on 16. Juni 2014

Businessweek hat seine Ranking-Methodologie überarbeitet. In dem neuen Fragebogen sollten Studenten „Lifestyle-Fragen“ beantworten, bei denen sie auch ihre sexuellen Vorlieben angeben sollten. Nach massiven Protesten zog das US-Magazin die Fragen zurück. Trotzdem bleibt das Vorgehen mehr als fragwürdig.

„Würden Sie sich als lesbisch, schwul oder bisexuell bezeichnen? Wie viele alkoholische Getränke trinken Sie durchschnittlich pro Woche im MBA-Studium? Ist Ihr MBA-Programm ein guter Platz für einen Single, um einen Liebespartner zu finden? Als Studenten Fragen wie diese bei der Umfrage für das nächste MBA-Ranking von Businessweek beantworten sollten, hagelte es Kritik von den Business Schools. Inzwischen hat das US-Magazin die zehn „Lifestyle-Fragen“, mit denen man die „Kultur einer Schule“ erfassen wollte, wieder gestrichen. Das berichtet John A.Byrne auf seiner Website Poets&Quants.

Bereits im vergangenen Jahr gab es einen Skandal um das Ranking, als die Rangliste von 2012 elf Monate nach ihrem Erscheinen heimlich korrigiert wurde, weil man sich verrechnet hatte. Verbessert wurde der Fehler aber wohl nur, weil sich einige Schulen beschwert hatten. Seine Leser informierte das Wirtschaftsmagazin nicht darüber, ein Hinweis auf die Korrekturen fehlte. Kurz darauf mussten die beiden langjährigen Redakteure Louis Lavelle und Geoff Gloeckler das Blatt verlassen. Nun sind laut John Byrne Newcomer am Werk, die wenig Ahnung von der Welt der Business Schools haben. Byrne war früher selbst für das Ranking bei Businessweek verantwortlich.

Doch die peinlichen Fragen bei weitem nicht der einzige Kritikpunkt. So soll sich das Magazin weigern, sich auf ein Bewertungssystem festzulegen, sondern damit erst warten, bis die Daten vorliegen. Im Klartext: Passt das Ergebnis nicht, kann man ja die Kriterien noch mal ändern. Die Bewertung der MBA-Programme basiert auf einer Befragung von MBA-Studenten und Absolventen (45 Prozent), von Rekruitingmitarbeitern, die MBAs einstellen (45 Prozent) sowie der Zahl der Veröffentlichungen von Artikeln in wissenschaftlichen Journalen (10 Prozent). Doch wie die Punkte vergeben und gewichtet werden, sei unbekannt und Businessweek weiß es offenbar auch selbst noch nicht.

Eine Änderung soll immerhin schon bekannt sein. So soll der Fragebogen nicht mehr nur an die Person gehen, die im Unternehmen zuständig für die Rekrutierung von MBAs ist, sondern an mehrere Recruiter im Unternehmen und zwar an jede Kontaktperson, die die Schule angibt. So lässt sich zwar die Zahl der Antworten erhöhen, doch das Vorgehen ist heikel. Denn viele Unternehmen schicken Alumni zum Rekrutieren an ihre Alma Mater. Sie haben daher meist keinen Vergleich mit anderen Schulen und werden zudem ihre Schule stets gut bewerten – schon im eigenen Interesse. Dieselbe Methode soll bereits das Wall Street Journal genutzt und wieder aufgegeben haben, weil man damit vor allem die Loyalität der Alumni zu ihrer Schule gemessen habe.

Fazit: Der Vorgang zeigt erneut, wie fragwürdig die MBA-Ranglisten sind. Besonders schockierend dabei ist, dass selbst ein renommiertes Wirtschaftsmagazin wie Businessweek derart unprofessionell agiert und dennoch wohl nichts befürchten muss. Denn selbst renommierte Schulen schrecken vor einem öffentlichen Protest zurück, aus Angst dann vielleicht schlechter im Ranking abzuschneiden und das gilt – vor allem in den USA – als eines der einflussreichsten MBA-Rankings.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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