CEIBS: "Ich bevorzuge einen guten Diktator"

Boot Camp an der CEIBS: „Ich bevorzuge einen guten Diktator“

By on 29. Juli 2015
Teilnehmerinnen des Summer Boot Camp © Schwertfeger

68 Teilnehmer aus Asien, den USA, Lateinamerika und Europa kamen Anfang Juli nach Shanghai, um sich auf dem Pre-MBA Boot Camp fünf Tage über das MBA-Studium an der CEIBS zu informieren. Dabei lernten sie vor allem eins: China ist zwar das Land der großen Möglichkeiten, aber in China ist auch vieles anders.

Der rasante Kurseinbruch begann bereits Mitte Juni. Innerhalb von drei Wochen sackten die chinesischen Börsen um rund ein Drittel ab. Anfang dieser Woche fiel der chinesische Aktienindex CSI 300 erneut um mehr als acht Prozent – der deutlichste Verlust des Index innerhalb eines Tages seit Februar 2007. „Der Partei entgleitet der Kapitalismus” schrieb Spiegel online am Montag.

Ist der Aufschwung Chinas vorbei? Schwächelt der Wirtschaftsriese? Alles nur eine vorrübergehende Schwäche, behauptete Professor David Gosset Anfang Juli auf dem Summer Boot Camp der China Europe Business School (CEIBS). „Das brauchen Sie nicht so ernst nehmen“, tröstete er einen amerikanischen Teilnehmer, der gerade viel Geld mit chinesischen Aktien verloren hatte. In seiner Vorlesung holte der Deputy Director for European Relations weit aus über die Geschichte Chinas, seine alte Größe und sein – in seinen Augen – unvermeidbares wirtschaftliches Comeback als führende Weltmacht. „Wir werden disruptive Änderungen aus China sehen“, erklärte der Franzose. „Sie dürfen nicht Demokratie oder Nicht-Demokratie als Maßstab nehmen, sondern eine gute oder schlechte Regierung“, mahnte Gosset. Der erste Schritt, China zu verstehen, sei es, seine Fehlannahmen über China wieder zu verlernen.

Auch wenn die Zeit des Turbo-Wachstums vorbei zu sein scheint und eine „neue Normalität” herrscht, nach wie vor zieht China mit seinem 1,3 Milliarden-Markt Unternehmen aus aller Welt an. Da ist die CEIBS als wohl beste Business School in China natürlich bestens positioniert. „Wir sind eine internationale Business School in China und keine chinesische Business School“, betonte MBA-Direktor Chen Shimin. 60 Prozent der Professoren kommen von Übersee (viele allerdings mit chinesischen Wurzeln). Die jährlich rund 200 MBA-Studenten stammen aus mehr als 25 Ländern, 60 Prozent sind aus China.

„Wir haben von Beginn an Gene von Europa und China geerbt“, erklärte der neue Dean Professor Ding Yuan, zuvor Professor an der HEC in Paris und französischer Staatsbürger mit chinesischen Wurzeln. Schließlich wurde die CEIBS 1994 als Nonprofit-Joint-Venture vom damaligen Ministry of Foreign Trade and Economic Co-operation und der European Commission/EFMD (European Foundation for Management Development) gegründet. Neben ihrem Hauptcampus in Shanghai hat die Schule heute Standorte in Peking, Shenzhen und im afrikanischen Ghana.

Doch die Business School möchte noch mehr internationale Studenten gewinnen. Bereits zum dritten Mal lud sie daher Interessenten aus aller Welt zu einem fünftägigen Pre-MBA Boot Camp nach Shanghai, um sie von einem Studium an der CEIBS zu überzeugen. Rund zehn Prozent der Teilnehmer im letzten Jahr hätten sich für das Studium entschieden, erklärt Marketingmanager Roy Chason. Aber das müsse man natürlich langfristig sehen.

1.120 Euro (inklusive Unterkunft und Verpflegung, aber ohne Flug) kostete das fünftägige Schnupperstudium. Geboten wurden ein Rundum-Paket mit vier Vorlesungen, Treffen mit Mitarbeitern aus dem Karriereservice und zwei Firmenbesuche. Viele zahlten die Kosten aus eigener Tasche, manche nahmen sogar extra Urlaub dafür – schließlich sollte der Arbeitsgeber nichts von ihren MBA-Ambitionen erfahren. Fünf Amerikaner gewannen den China-Trip durch einen Essay-Wettbewerb, den die U.S. National Black MBA Association zusammen mit der CEIBS ausrichtete.

CEIBS Campus © Schwertfeger

CEIBS Campus © Schwertfeger

Die 68 Teilnehmer kamen unter anderem aus Thailand, Indonesien, Guatemala, Peru, Jamaica, Indien, der Mongolei, den USA und auch aus Deutschland. „Eigentlich müssten wir viel mehr Deutsche haben“, wundert sich Marketingmanager Chason. Schließlich seien so viele deutsche Firmen in China vertreten und Unternehmen wie Henkel, Bayer und BMW rekrutieren ihren Managementnachwuchs an der CEIBS.

Für viele Teilnehmer war das Boot Camp eine Gelegenheit, nicht nur aus erster Hand zu erfahren, was ein MBA-Studium ist und bringen kann, sondern auch einen ersten Eindruck von China zu bekommen. Manche hatten schon ein Praktikum in China gemacht oder hier gearbeitet, andere leben zwar in den USA oder Kanada, haben aber chinesische Wurzeln.

Dabei zeigte schon die erste Vorlesung mehr als deutlich, dass China anders tickt. „Ich würde immer einen guten Diktator vorziehen”, überraschte Professor Bala Ramasamy, in Malaysia aufgewachsen mit indischen Wurzeln und seit 2006 Professor an der CEIBS. Schließlich hätten einige Länder in Asien unter ihren Diktatoren wie Ferdinand Marcos auf den Philippinen oder Suharto in Indonesien ein bedeutendes Wirtschaftswachstum gezeigt. Demokratie – das zeige die Forschung – würde nur dauerhaft bestehen, wenn das Bruttoinlandsprodukt bei mehr als 6.000 Dollar pro Kopf liegt (Indien, die größte Demokratie der Welt mit 1.600 Dollar Pro-Kopf-Einkommen, wurde bei der Forschung offenbar nicht berücksichtigt).

Professor Bala Rama bevorzugt einen guten Diktator © Schwertfeger

Professor Ramasamy bevorzugt einen guten Diktator © Schwertfeger

„In Shanghai liegt es bei 24.000 Dollar, in Guizhou bei 3.000 Dollar“, erklärte der Professor für Wirtschaft. Shanghai sei daher bereit für Demokratie, die südwestchinesische Provinz Guizhou aber noch nicht. Also müsse man noch warten, bevor man über Demokratie in China spreche. „China braucht ein starkes Peking, sonst haben wir dieselben Probleme wie in Europa“, erklärte Ramasamy. Mit einem guten Diktator in Brüssel ließe sich auch das Griechenland-Problem einfacher lösen. Ramasamys Ansichten stießen nicht bei allen auf Zustimmung – vor allem bei Teilnehmern aus Guatemala, wo man keine guten Erfahrungen mit Diktatoren gemacht hat.

Auch beim Thema Menschenrechte hatte der Professor eine bemerkenswerte Auffassung. „China hat eine andere Definition von Menschenrechten”, erklärte er. Menschenrechte bedeuteten Überleben und die Menschen aus der Armut zu führen. Und wenn einem Diktator das gelänge, dann würden auch die Menschenrechte besser. Doch davon ist China offenbar noch weit entfernt. Denn just zu dem Zeitpunkt, als das Boot Camp lief, wurden in China mehr als hundert Bürgerrechtsanwälte und Aktivisten verhaftet. Den Anwälten wird die Gründung einer „größeren kriminellen Vereinigung“ vorgeworfen.

Teil 2: Wie sieht das MBA-Studium an der CEIBS aus?

Die Autorin reiste auf Einladung der CEIBS nach Shanghai.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

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