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Bildungscampus Heilbronn: TUM statt Mannheim

By on 7. Juni 2017
Schriftzug auf Bildungscampus Schwertfeger Bildungscampus Heilbronn

Die TUM School of Management baut auf dem Bildungscampus Heilbronn der Dieter Schwarz Stiftung eine eigene Lehr- und Forschungseinheit auf und macht Heilbronn damit zur Universitätsstadt. Die dort angesiedelte GGS wird langfristig verschwinden. Die Universität Mannheim, die ursprünglich als Partner vorgesehen war, ist draußen.

Im Wettbewerb um die Millionen, die die Dieter Schwarz Stiftung in ihren Bildungscampus in Heilbronn investieren will, hat nun die TUM School of Management das Rennen gemacht. Erst im Oktober hatte die Mannheim Business School verkündet, Gespräche mit der Dieter Schwarz Stiftung über den Aufbau einer eigenen Lehr- und Forschungseinheit am Standort Heilbronn zu führen. Dabei sollte eine Reihe zusätzlicher Professuren an der Fakultät für Betriebswirtschaftslehre der Universität Mannheim geschaffen werden, wobei eine erhebliche Anzahl davon in Heilbronn angesiedelt sein sollte. Übergeordnetes Ziel sei es, einen privat finanzierten „Exzellenz-Cluster“ Mannheim-Heilbronn zu schaffen, der mit Hilfe der Schwarz Stiftung zu einem weltweit führenden Standort für Forschung und Lehre in der Betriebswirtschaftslehre ausgebaut werden soll, hieß es damals.

Grund für die Suche nach einem Universitätspartner war dabei wohl die Erkenntnis, dass es zu lange braucht und mit zu viel Aufwand verbunden ist, die auf dem Bildungscampus ansässige German Graduate School of Management and Law (GGS) auf universitäres Niveau – vor allem in der Forschung – zu bringen. Die GGS bietet berufsbegleitende MBA- und Master-Programme an, die vor allem von Teilnehmern aus mittelständischen Unternehmen der Region genutzt werden.

Doch nun hat sich die Dieter Schwarz Stiftung des Lidl-Gründers Dieter Schwarz für die Technische Universität München (TUM) und deren betriebswirtschaftliche Fakultät die TUM School of Management entschieden. „Wir wurden von der Schwarz Stiftung schon vor mehreren Monaten angesprochen und haben ein Konzept vorgelegt, wie man parallel zur GGS eine Struktur auf dem Bildungscampus aufbauen kann“, sagt Professor Gunther Friedl, Dekan der TUM School of Management. Langfristig werde die GGS nicht weiterbestehen, sondern soweit es passt, in den neuen Campus der TUM integriert werden. Die nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter werde man wohl übernehmen, die Professoren müssten jedoch ein Berufungsverfahren nach TUM-Standards durchlaufen, so Friedl.

Für die TUM sei das eine Riesenchance, da die Schwarz-Stiftung dauerhaft 20 Lehrstühle finanziert, 13 davon in Heilbronn und sieben in München. Derzeit hat die TUM School of Management 34 Professoren. In München sei die TUM stark auf die DAX-Unternehmen und Entrepreneurship fokussiert. „Was uns fehlt, sind die Familienunternehmen und da sind der Standort Heilbronn und Baden-Württemberg ideal“, so der Dekan. Ziel sei es, Familienunternehmen im Management digitaler Technologen fit zu machen und die zahlreichen Autozulieferer in der Region auf die neuen Entwicklungen wie Elektromobilität oder vernetztes Fahren vorzubereiten. Auch Entrepreneurship soll in Heilbronn angeboten werden. Er vermute daher, dass gerade die Verbindung von Management und Technologie den Ausschlag für die Entscheidung der Schwarz Stiftung gegeben habe.

Auf dem neuen Heilbronner Campus wolle man alles Bachelor bis zur Promotion anbieten, so Friedl. Dazu gehöre auch der stark nachgefragte Master in Management. Die Studiengänge laufen dann unter dem bayerischen Hochschulrecht. Im Weiterbildungsbereich wolle man auf jeden Fall Zertifikate im Technologiemanagement anbieten. Ob es ein eigenes MBA-Studium geben wird, ist noch offen. Derzeit hat die TUM in München drei Executive-MBA-Programme. „Wir überlegen schon lange, ob wir einen Vollzeit-MBA anbieten sollen“, sagt der Dekan. Mit Heilbronn werde die Entscheidung etwas leichter.

Wenn es alles gut geht, plant man im Herbst 2018 mit den ersten Studiengängen zu beginnen. Derzeit studieren auf dem Bildungscampus rund 4000 Studenten, 10.000 sollen es werden. Die TUM will dabei in der Endphase insgesamt rund 1.000 Teilnehmer haben, jeweils rund hundert Bachelor- und Master-Studenten sowie Teilnehmer an Weiterbildungsprogrammen. Die GGS werde zunächst so weiterlaufen. Noch seien die Verträge mit der Schwarz Stiftung noch nicht ausgehandelt und unterschrieben.

Bei ihren Verhandlungen habe die TUM bisher ausschließlich mit der Schwarz Stiftung und nicht mit der GGS gesprochen. Damit ist die Hochschule schon zum zweiten Mal zum Spielball geworden. Als im Oktober die geplante Einrichtung einer Zweigstelle der Universität Mannheim bekannt wurde, hatte dies die GGS kalt erwischt und der damalige Dekan trat zurück.

Diesmal verkündet die GGS die Entscheidung mit viel Optimismus. Der Aufbau einer eigenen Lehr- und Forschungseinheit der TUM in Heilbronn, bietet für die GGS viele Chancen. „Als Spezialist für berufsbegleitende Masterstudiengänge in Management und Wirtschaftsrecht hat sich die GGS überregional fest etabliert und genießt als Anbieter innovativer Weiterbildungskonzepte sowie in der Forschung hohes Ansehen“, erklärt Vorstand Professor Tomás Bayón. „Mit unseren Profilthemen Innovation, Unternehmertum und Compliance sind wir gut aufgestellt und bieten viele Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kollegen der TUM.“

Warum sich die Schwarz Stiftung letztlich gegen die Universität Mannheim entschieden hat, bleibt offen. Darüber könne er nur spekulieren, sagt Professor Ernst-Ludwig von Thadden, Rektor der Universität Mannheim. Probleme habe es keine gegeben und Mannheim hätte es auch gern gemacht. Man habe aber schon seit einiger Zeit gewusst, dass sich die Stiftung mit einiger Wahrscheinlichkeit für die TUM entscheiden werde.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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